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Virusinfektion



Unter einer Virusinfektion versteht man das aktive oder passive Eindringen von Viren in einen Organismus wie Pflanze, Tier oder Mensch, deren Vermehrung dort und die in der Regel darauf folgende Reaktion des Organismus in Form einer Erkrankung. Wenn ein Virus in einen Organismus zwar eindringt, sich aber dort nicht vermehrt und auch keine Erkrankung auslöst, spricht man von einer Infestation oder Invasion. Bei einer Infektion haften die Viren an Zellen des Körpers, so dass diese sie aufnehmen und vermehren. Dabei bevorzugt jede Virusart ein mehr oder weniger enges Spektrum bestimmter Zellen, Organe und Lebewesen. Durch die Virusvermehrung und die Entzündung als Antwort des Immunsystems gehen Zellen zugrunde. Das kann je nach Virus zu einer bestimmten Krankheit führen. Im Verlaufe der Evolution ist jedes Virus bestrebt, sich an seinen Reservoirwirt anzupassen. Die Schädigung des Reservoirwirts bis hin zu seinem Tod ist für ein Virus kein vorteilhafter Effekt, da es zur eigenen Vermehrung auf diesen Wirt angewiesen ist. Die dennoch von diesem Virus beim Reservoirwirt ausgelösten Erkrankungen sind letztlich nur Nebeneffekte der Infektion. Beim Menschen gibt es sowohl harmlose wie auch unbehandelt oder behandelt extrem gefährliche Virusinfektionen. Besonders gefährlich sind daher Infektionen von Viren, die noch nicht an den Menschen als Wirt angepasst sind. Siehe Marburg-Virus, Ebola-Virus. Nur gegen eine begrenzte Anzahl von Virusinfektionen sind gegenwärtig zur Vorbeuge schützende Impfungen möglich. Im Folgenden soll weiterhin nur von der Virusinfektion beim Menschen gesprochen werden.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Infektionswege und -arten

Grundsätzlich unterscheidet man folgende Hauptarten einer Infektion:

  • Primärinfektion
    Meint eine Erstinfektion, den ersten Kontakt eines Organismus mit einem Krankheitserreger.
  • Sekundärinfektion
    Bezeichnet eine Erregerübertragung, die nach der Erstinfektion zusätzlich und mit anderen Erregern erfolgt. Eine solche zusätzliche Infektion kann das Immunsystem vor erhebliche Probleme stellen und auch die Therapie und Medikation (Auswahl und Anwendung von Medikamenten) erschweren. Der Verlauf einer solchen Erkrankung ist zumeist heftiger und zeigt vielfältige Symptome.
  • Superinfektion (Suprainfektion)
    Bezeichnet im engeren Sinn in der Virologie nach einer bereits bestehenden Primärinfektion eine erneute Infektion mit demselben Erreger. In der Medizin und Bakteriologie wird bei dieser Infektionsart demgegenüber in einem weiteren Sinn die Tatsache verstanden, dass ein viraler Infekt die Grundlage für einen weiteren, nun bakteriellen Infekt liefert. Auch hier kann eine solche erneute Infektion das Immunsystem vor erhebliche Probleme stellen, die Therapie und Medikation erschweren und der Krankheitsverlauf ist zumeist heftiger bei vielfältigen Symptomen.
  • Doppelinfektion
    Bezeichnet eine gleichzeitige Infektion mit zwei verschiedenen Erregern.

Unterscheidung nach Infektions- beziehungsweise Vermehrungsstrategie der Erreger

  • transiente Infektion, als Strategieform englisch Hit and Run, zu deutsch etwa zuschlagen und wegrennen benannt: bezeichnet eine Strategie die sowohl von jenen Viren angewendet wird, die an ihren Wirt nicht oder nur wenig angepasst sind und ihn daher im Verlauf einer akuten Krankheitsphase töten, wie auch von an den Wirt besser angepassten Viren, gegen die der Wirt sehr schnell Antikörper entwickelt, welche das Virus eliminieren. Bei beiden Konsequenzen scheidet der Wirt für diese Viren umgehend als Basis für eine langfristige Virusvermehrung und als erneutes Ziel einer Infektion aus und steht ihnen daher nur während einer sehr begrenzten Zeit für die Vermehrung (Replikation) zur Verfügung.
  • persistente Infektion, als Sretegieform englisch Infect and persist, zu Deutsch etwa infizieren und dableiben, benannt: Eine Strategie die überwiegend von jenen Viren angewendet, die an ihren Reservoirwirt recht gut angepasst sind und ihn daher nicht im Verlauf einer akuten Krankheitsphase töten, oder von Viren, gegen die der Wirt nicht sehr schnell Antikörper entwickelt, welche das Virus eliminieren. Nach der Infektion eines solchen Organismus treten günstigenfalls sogar keinerlei Krankheitsfolgen auf (inapparente Infektion), oder es kann sich durchaus eine akute Krankheitsphase entwickeln, die der betreffende Organismus jedoch in der Regel gut überlebt. Während dieser gesamten Zeit steht dem Virus der Organismus ungetrübt für seine eigene Vermehrung zur Verfügung. Auch wenn eine solche leichte Erkrankung nicht sehr lange dauert, spricht man doch davon, dass das betreffende Virus hier die sogenannte Infect and persist-Strategie anwendet, da es seinen Wirt nicht in kürzester Zeit umbringt. Erst recht, wenn es am Ende einer eventuelle ausgelösten Erkrankung noch nicht einmal vollständig eliminiert wird, sondern sich vor dem Immunsystem des infizierten Organismus verstecken kann. Siehe auch noch einmal weiter unten!

Unterscheidung nach Herkunft der Erreger:

  • endogene Infektion ist eine Infektion bei geschwächtem Immunsystem durch die körpereigene, normalerweise völlig harmlose Flora in Form eines Erregereinbruchs z. B. auf der Haut oder aus Magen, Darm und Lunge in den eigenen Körper (wie eine Wundinfektion durch eigene Kolibakterien).
  • exogene Infektion ist eine Infektion durch Infektionserreger aus der Umgebung.
  • nosokomiale Infektion ist eine Infektion, die im Krankenhaus, in einer Arztpraxis oder einer anderen medizinischen Einrichtung mit einem vergleichbaren Keimspektrum erworben wurde. Derartige Infektionen zeichnen sich dadurch aus, dass die typischen bakteriellen Erreger aus dem Bereich Arztpraxis oder Krankenhaus - wie z. B. Pseudomonaden - häufig eine hohe Resistenz gegenüber gebräuchlichen Antibiotika zeigen. Nosokomiale Infektionen sind häufig zugleich auch iatrogene Infektionen, wenn durch unbeabsichtigtes Einbringen von solchen Erregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe durch einen Arzt oder anderes medizinisches Fachpersonal wie beispielsweise durch Katheter oder Intubation, ein Patient mit den genannten Erregern infiziert wird.
  • iatrogene Infektion ist unabhängig vom Begriff nosokomiale Infektion eine Infektion, die zwar auch im Krankenhaus, in einer Arztpraxis oder einer anderen medizinischen Einrichtung durch unbeabsichtigtes Einbringen von Krankheitserregern bei der Durchführung medizinischer Eingriffe durch einen Arzt oder anderes medizinisches Fachpersonal beim Personal selbst oder dem Patienten verursacht wird, jedoch können hierbei auch andere als die krankenhaustypischen Erreger übertragen werden. Sollte sich beispielsweise ein Arzt oder das Pflegepersonal im Krankenhaus oder in einer Praxis nach einer intravenösen Injektion bei einem HIV-Patienten hinterher selbst mit der kontaminierten Kanüle verletzen und sich dabei mit HIV infizieren, bezeichnet man diese Infektionsart allein als iatrogene Infektion und nicht zugleich auch als nosokomiale Infektion. Auch wenn durch Unachtsamkeit ein anderer Patient mit einer kontaminierten Nadel mit einem solchen Erreger infiziert wird, spricht man nur von einer iatrogenen Infektion.
  • Polymer-assoziierte Infektion ist eine Erregerbesiedlung von Kunststoffoberflächen bei Kathetern, künstlichen Herzklappen oder künstlichen Gelenken.

Vier bedeutende Infektionswege werden bei der exogenen Infektion unterschieden.

Unterscheidung nach Übertragbarkeit der Erreger:

  • direkte Infektion
    eine Übertragung von Mensch zu Mensch ohne Zwischenschritte auf exogene Art und Weise (siehe oben Infektionswege der exogenen Infektion)
  • indirekte Infektion
    die Übertragung von einem Wirt mittels verschiedener Überträger. Hierzu zählen Vektoren wie beispielsweise Blut saugende Insekten, oder Wasser, Nahrung und andere Gegenstände.

Unterscheidung nach Eintrittspforte der Erreger:

Enterale Infektion

Eine enterale Infektion ist eine Infektion, bei der die Krankheitserreger über den Darm als Eintrittspforte in den Organismus eingedrungen sind. Der gesamte Verdauungstrakt (Mund, Rachen, Speiseröhre, Magen und der gesamte Darm) wird als das Innere eines Tunnels betrachtet, das selbst nicht zum Körperinneren gezählt wird. Der exakte Ort, an dem die Infektionserreger in das eigentliche Körperinnere eindringen, gilt als Eintrittspforte.

  • fäkal-orale Infektion: Erreger aus dem Darm oder aus Fäkalien gelangen durch den Mund in den Organismus, z. B. durch verunreinigtes Trinkwasser

Parenterale Infektion

Bei dieser Infektionsart handelt es sich im ursprünglichen Sinn um eine Infektion, bei der die Krankheitserreger nicht über den Darm in den Organismus eingefallen sind. Im medizinischen Sprachgebrauch wird parenteral gleichbedeutend mit „direkt ins Blut“ verwendet. Es werden hierbei noch folgende weitere Infektionswege abgegrenzt:

  • perkutane Infektion: Die Erreger gelangen über die Haut in den Organismus.
  • permuköse Infektion: Die Erreger gelangen über die Schleimhäute in den Organismus.
  • Inhalationsinfektion: Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Organismus.
  • urogenitale Infektion: Die Erreger gelangen über den Harntrakt in den Organismus.
  • genitale Infektion: Die Erreger gelangen über die Geschlechtsorgane in den Organismus.
  • intrauterine Infektion: Die Erreger gelangen während der Schwangerschaft in den Körper des ungeborenen Kindes.

Unterscheidung nach Infektionsverlauf:

  • Lokalinfektion
    eine Infektion, bei der die Erreger dort verbleiben, wo sie den Körper zuerst infiziert haben (Eintrittspforte). Sie verursachen nur an dieser Stelle Symptome, ohne sich im Organismus weiter zu verteilen.
    zyklische Allgemeininfektion
    eine Infektion, bei der die Erreger sich zuerst an einer Eintrittspforte vermehren und dann über das Blut zu ihren eigentlichen Manifestationsorganen (Befallsorganen) gelangen. Das sind oft die Leber, Milz, lymphatische Organe, die Haut oder das Nervensystem. An der Eintrittspforte sind die Erreger dann nicht mehr nachweisbar.
    systemische Infektion
    eine Infektion, bei der sich die Erreger durch Einschwämmung per Blutbahn über ein gesamtes Organsystem (beispielsweise das Zentralnervensystem) oder den ganzen Organismus ausbreiten.

Unterscheidung nach Symptomauffälligkeit bzw. Immunität und Abwehrkraft des befallenen Organismus:

  • stumme Infektion oder inapparente Infektion: Eine Erregerübertragung bei der es nicht zum Ausbruch der Krankheit kommt (klinisch nicht manifest, symptomlos). Eine solche Infektion findet vor allem dann statt, wenn es einem gesunden und abwehrstarken Immunsystem gerade bei an den Menschen angepassten Erregern mit dem Menschen als Reservoirwirt gelingt, nach einer Infektion das Auftreten von Krankheitsanzeichen zu verhindern, so dass lediglich eine stille Feiung (Immunisierung ohne Impfung oder Erkrankung) stattfindet.
    Die stummen (inapparenten) Infektionen werden wie folgt unterteilt:
  • subklinische Infektion: Bei dieser Infektion überwiegen die Abwehrmechanismen und verhindern ein Ausbrechen der Krankheit. Durch Ausbildung einer sterilen Immunität oder einer kurzfristigen Resistenzsteigerung oder Immunitätsbildung wird der jeweilige Erreger eliminiert. Daher ist diese Infektionsart zeitlich begrenzt.
  • persistierende Infektion: Damit bezeichnet man eine Infektion, bei der der in einen Organismus eingedrungene Erreger zeitlich unbegrenzt mit dem Wirt zusammenlebt. Dabei kommt es zwar zu einer kontinuierlichen, geringen Vermehrung und Freisetzung nicht produktiver aber infektiöser Erreger, aber es entwickeln sich keine Krankheitszeichen.
    Diese Infektionsart kann für den Wirtsorganismus die Ausbildung einer Immunität oder Interferenz (hier Aufhebung der Infektion), eine Steigerung der erregerunspezifischen Immunabwehr, die Bildung von Interferon oder eine Stimulierung der Lymphozyten bewirken.
    Durch negative Beeinflussung dieser Mechanismen z. B. in Form von Stress oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems wie z. B. mit Medikamenten nach Organtransplantation) kann die persistierende Infektion jedoch zur Infektionskrankheit mit klinisch auffälligen Symptomen werden.
    Die persistierenden Infektionen werden unterteilt in:
  • latente Infektion: Bei einer latenten Infektion ist das Virusgenom stumm, d. h. es kommt zu keiner Expression von viruskodierten Proteinen. Gegebenenfalls besteht zeitlich unbegrenzt solange ein Gleichgewicht zwischen Wirt und Erreger, bis einer von Beiden überwiegt und es entweder beispielsweise bei einer Sekundärinfektion zur Wiederaktivierung des Virus und zum Ausbrechen der Infektionskrankheit, oder aber zur Abtötung (Eliminierung) des Erregers kommt.
  • tolerierte Infektion: Bei dieser Infektionsart kann sich der meist intrauterin (in der Gebärmutter) erworbene Erreger vermehren und auch anschließend während des ganzen Lebens ausgeschieden werden. Der Wirt erkrankt jedoch nicht, es sei denn, seine Immuntoleranz geht verloren.
  • okkulte bzw. maskierte Infektion: Darunter versteht man eine versteckte Infektion, bei der eine Erregerinvasion stattgefunden hat, jedoch die in einen Organismus eingedrungenen Erreger weder direkt noch indirekt nachweisbar sind. Das Vorliegen einer solchen Infektion kann beim Menschen durch Symptome ungeklärter Ursache wie Schmerzen und Fieber vermutet werden. Ein weiteres Kennzeichen einer solchen Infektion ist ein zeitweiliger oder dauerhafter Verlust der Übertragbarkeit des Erregers (hier: Virus) trotz der fortdauernden Anwesenheit (Persistenz) seines Genoms in der Wirtszelle und seiner möglichen Übertragung auf Tochterzellen bei einer Zellteilung.
    So wird z. B. eine Hepatitis B Virus (HBV)-Infektion beim Menschen mit nicht nachweisbarem Hepatitis B-Antigen (HbsAg) als eine okkulte Infektion bezeichnet [1].
  • abortive Infektion, mit nur leichten Krankheitserscheinungen
  • manifeste Infektion oder apparente Infektion, mit deutlichem Ausbruch der Infektionskrankheit (klinisch manifest)
  • opportunistische Infektion, bei schon erkrankten Menschen mit Immunschwäche, die bei gesunden Menschen mit normalem Immunsystem nicht zu einer Erkrankung führen würde. Die Erreger machen sich hierbei die erworbene Abwehrschwäche des Körpers zunutze.

Infektionsattribute nach zeitlichem Ablauf der Krankheitserscheinungen:

  1. foudroyant, perakut, schnell und gefährlich, da nachfolgend schwerer, oft tödlicher Krankheitsverlauf.
  2. akut, plötzlich beginnend, heftige Auswirkungen
  3. subakut, weniger heftig
  4. chronisch, allmählich beginnend, sich länger erstreckend
  5. rezidivierend, sich wiederholend mit dem selben Erreger
  6. latent, persistierend, über einen langen Zeitraum mit dazwischenliegenden, klinisch stummen Phasen.

Unterscheidung nach anderen systematischen Gesichtspunkten:

  • Horizontale Infektion ist eine Infektion von Wirt zu Wirt der gleichen Generation.
  • Vertikale Infektion ist eine Infektion von einem Wirt zu seinen Nachkommen:
    • Pränatale oder transplazentare Infektion bezeichnet die Übertragung vor der Geburt (intrauterin).
    • Perinatale Infektion bezeichnet die Übertragung während der Geburt.
    • Postnatale Infektion bezeichnet die Übertragung nach der Geburt, z. B. durch die Muttermilch.

Tröpfcheninfektion

Über Tröpfcheninfektion werden z. B. die Kinderkrankheiten mit Hauterscheinungen Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Drei-Tage-Fieber oder Windpocken übertragen. Dabei kündigen sich z. B. die Masern durch Schnupfen, Husten und durch kleine weiße Flecken auf der Innenseite der Wangen an. Etwa zwei Wochen später entstehen dann die typischen roten Flecken auf der Haut. Der Erreger der Windpocken, das Varizella-Zoster-Virus, gehört zu den Herpesviren und persistiert nach Ende der Krankheit lebenslang in sensiblen Nervenzellen: Wer einmal Windpocken hatte, kann dann Jahrzehnte später bei Abwehrschwäche Gürtelrose bekommen.

Diskutiert wird auch eine Übertragungsmöglichkeit von Viren durch Aerosolnebel, Tröpfcheninfektion, bei der Arbeit an medizinischen Testgeräten.

Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion

Sehr häufig ist die Infektion über Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion mittels fäkal verunreinigter Nahrung und anderer Gegenstände, infizierter Tiere oder Personen. Die Viren dringen dann über kleinste Verletzungen auf der Haut oder über die Schleimhaut des Mundes, der Nase, der Augen, des Atemtraktes bzw. des Magens und Darmes in den Körper ein. Deshalb verursachen viele Viren zunächst Beschwerden im Nasenrachenraum oder eine Durchfallerkrankung (Lokalinfektion).

Darmviren sind meist unbehüllte Viren, weil diese umweltstabiler sind. Behüllte Viren werden meist nur über Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt übertragen. Nach einer Inkubationszeit von Tagen bis Wochen (meistens ungefähr zwei Wochen) können dann je nach Virus spezifischere Krankheitssymptome an anderen Organen des Körpers auftreten (Zyklische Allgemeininfektion).

Ebola und Hepatitis B werden auch durch Hautkontakt mit Blut, Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion, übertragen, weil Viren durch winzige, unsichtbare Wunden in der Haut (Mikroläsionen) eindringen können.

Das Poliovirus übertragen durch Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion lebt im Darm, macht dort aber kaum Beschwerden, wenn es sich nicht weiter ausbreitet – sonst kann es zum Krankheitsbild der Kinderlähmung kommen. Auch die Erreger der akuten Hepatitis (A und E) gehören zu den Darmviren, nur bei Befall der Leber führen sie zu den Symptomen der Gelbsucht.

Tollwut wird oft über einen Tierbiss übertragen und ist als eine Kontaktinfektion aufzufassen, da eine Infizierung über Mikroverletzung der Haut (z. B. Hand) bei Berührung eines infizierten lebenden oder toten Tieres ebenfalls möglich ist. Erfreulicherweise wird diese Virenart mittlerweile auf Grund von internationalen Impfmaßnahmen nicht mehr sehr häufig übertragen. Ohne vorbeugende oder sofort nach einer Infektion vorgenommenen Impfung führt die Infektion nach wie vor trotz moderner Virostatika zu einer Erkrankung mit tödlichem Ausgang.

Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten

Manche Viren werden nur durch Austausch von Körperflüssigkeiten bei direktem Blut- oder Schleimhautkontakt (Bluttransfusion, Nadelstich, Geschlechtsverkehr) übertragen, hier sind HIV und die chronische Hepatitis (B und C) von Bedeutung. Siehe auch Bluterkrankheit (Hämophilie).

Röteln, Masern, Ringelröteln und das Zytomegalievirus werden auch auf das ungeborene Kind übertragen. Beim Geburtsvorgang können HIV, Hepatitis B und Herpes übertragen werden.

Infektion über blutsaugende Insekten

Weltweit gesehen ist die Infektion über blutsaugende Insekten ein durchaus bedeutender Übertagungsweg. Genau betrachtet gehört dieser Infektionsweg in die Abteilung Infektion durch Austausch von Körperflüssigkeiten, er wird jedoch immer gesondert betrachtet. Die Gruppe aller durch blutsaugenden Insekten übertragenen Viren fasst man auch außerhalb der üblichen Taxonomie unter der Bezeichnung Arboviren (engl. arthropod born viruses) zusammen.

Blutsaugende Insekten können als Vektoren diverse Viren auf zwei unterschiedlichen Wegen Übertragen.

  • 1. Epidemiologisch bedeutsam und sofort auffällig ist der spezifische Weg der biologischen Übertragung

Eine einzige, bestimmte Virenart überlebt nach der Nahrungsaufnahme nur einer speziellen Insktenart bei einer infizierten Person innerhalb des Insektenkörpers im aktiven Zustand, kann sich möglicherweise noch zusätzlich vermehren und/oder wandeln und infiziert bei der nächsten Nahrungsaufnahme des selben Inskts bei einer noch nicht infizierten Person dieses neue Opfer. Grundsätzlich gilt also auf diesem Wege, dass blutsaugende Insekten nur jeweils ihre speziellen Viren übertragen können.

Das FSME- und RSSE-Virus, das Louping-ill-Virus, Powassan-Virus, Kyasanur-forest-virus, Omsk-hämorrhagisches-Fieber-Virus und das Colorado-tick-Virus werden durch den Zeckenstich übertragen. Per Mückenstich übertragene Viren sind in Europa das Sandfliegen-Virus und das Sindbis-Fieber-Virus. In Nordamerika ist die gemeine kleine Hausmücke = Culex pipiens als biologischer Überträger = Vektor des West-Nil-Virus festgestellt. In den Tropen sind jedoch die Stechmücken/Moskitos als biologische Überträger diverser Viren und der von ihnen ausgelösten Erkrankungen bei Mensch (und Tier) bekannt.

  • 2. unspezifische mechanische Übertragung

Potentiell ist, wie bei allen Vektoren, auch eine mechanische Übertragung aller möglichen Viren hier durch die äußere und innere Kontamination der Proboscis (des Stech-, Saugrüssels) blutsaugender Insekten möglich, wenn das Insekt während der Nahrungsaufnahme bei einer infizierten Person gestört wird und alsbald auf einer anderen nicht infizierten Person weitersaugt. Nach heutigem Kenntnisstand ist zu erwarten, dass diese Übertragungsmöglichkeit wenn überhaupt nur in Populationen mit sehr hoher Virenverbreitung gelegentlich auftreten kann. [2], [3] Dieser Übertragungsweg entspricht dem der Infektion per Nadelstichverletzung bzw. mehrfach hintereinander genutzter Injektionskanülen ohne zwischenzeitliche Sterilisation, jedoch in einer anderen Größenordnung. Rein theoretisch kann die Übertragung eines einzigen Virus auf diesem Wege eine Infizierung bewirken. In der Praxis ist jedoch eine ausreichende Mindestmenge von Viren für eine Infektion erforderlich. Ob diese Mindestmenge z. B. bei einer Kontamination der Moskitoproboscis allein erreicht werden kann, ist fraglich.

Ausreichende Größenverhältnisse für eine mechanische Übertragung diverser Viren sind jedoch bei den nachtaktiven, blutsaugenden Schmetterlings-, Falterarten Calyptra eustrigata, Captra minuticornis, Calyptra orthograpta und Calyptra labilis der Familie Noctuidae und Ordnung Lepidoptera aus Süd-Ost-Asien durchaus gegeben. Mit seiner vom Saug- zum Stechrüssel umgeformten Proboscis dringen diese Falter bis zu 7 mm tief in die Haut von Säugetieren, auch Menschen, ein und saugen danach bis maximal 1 Stunde lang das Blut. Sie sind bei Abwehrbewegungen jederzeit bereit, noch vor Erreichen der Sättigung ihr Opfer zu verlassen, um alsbald bei einem neuen die Nahrungsaufnahme fortzusetzen [4], [5], [6]. Andere Schmetterlingsarten wie Lobocraspis griseifulva, Arcyophora spp. und Filodes fulvidorsalis der Familien Pyralidae, Noctuidae und Geometridae aus Afrika, Brasilien und Süd-Ost-Asien nehmen Tränenflüssigkeit bei Säugetieren und Menschen auf. Mit ihrer an der Außenseite rauen Saugproboscis reiben sie am Augapfel, um ein Ansteigen der Tränenproduktion hervorzurufen und können dem Augapfel dabei auch leichte Verletzungen zufügen. Alle diese Falterarten sind damit eindeutig auch als mechanische Krankheitsüberträger erkannt. Selbst eine Übertragungsmöglichkeit von HIV wird diskutiert.

Weiterhin wurde schon 1965 (von Luedke et al.) eine rein mechanische Übertragung des Blue-Tonge-Virus durch Arthropoden wie z. B. durch die Schaflausfliege (Melophagus ovinus) nachgewiesen. [7]

Lokale Virusinfektionen

Die meisten bisher genannten Virusinfektionen mit ihren mehr oder weniger spezifischen Symptomen z. B. an der Haut, an der Leber oder am Nervensystem sind zyklische Allgemeininfektionen. Im Gegensatz dazu verursachen manche Viren nur Lokalinfektionen im Atem- oder Verdauungstrakt, seltener an den Hirnhäuten oder am Auge. Hier sind die Symptome der verschiedenen Viren und Bakterien dann ähnlich. Der Arzt muss zwischen ihnen unterscheiden, um etwa unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden.

Infektionen der oberen Atemwege sind meistens viral, typisch sind Husten und Schnupfen durch Rhinoviren, RSV oder Parainfluenzaviren. Die echte Influenza (Grippe) zeichnet sich durch Halsschmerzen und trockenen Husten ohne Schnupfen sowie Fieber mit Kopf- und Gliederschmerzen aus. Eine besondere Therapie ist nicht notwendig. Eine Mandelentzündung kann dagegen durch Bakterien verursacht sein oder durch Coxsackie-Virus A oder Epstein-Barr-Virus. Virusinfektionen sind nicht eitrig. Eine Lungenentzündung durch RSV oder Parainfluenzaviren ist interstitiell, d. h. diffus zwischen den Zellen verteilt und im Röntgenbild schlecht zu sehen (i.Ggs. zu einer alveolären Pneumonie durch Bakterien). Der Husten ist ohne Auswurf und begleitet von einer Infektion der oberen Atemwege, also Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und Fieber. Auch eine Hirnhautentzündung verläuft bei Viren milde, im Liquor cerebrospinalis findet sich kein Eiter. Hirnhautentzündungen werden meistens von Erregern verursacht, die sich auch in den Atemwegen finden, weil sie von dort über Läsionen in die Blutbahn gelangen.

Auch Darminfektionen durch Viren (Rotaviren, Humane Adenoviren) oder seltener Bakterien bedürfen normalerweise keiner besonderen Diagnostik oder medikamentösen Therapie. Bei Durchfall ist es wichtig, viel Wasser und Salz zu sich zu nehmen (Cola und Salzstangen).

Das Herpes-simplex-Virus wird durch Speichel oder durch Geschlechtsverkehr übertragen und verursacht typische Bläschen an den Lippen (Herpes labialis meist durch Typ 1) oder an der Schleimhaut im Urogenitalbereich (Herpes genitalis, meist Typ 2). Der Herpes simplex verschwindet nach erfolgreicher Immunabwehr, das Virus persistiert lebenslang in sensiblen Nervenzellen (ähnlich wie Varizella-Zoster).

Viren können auch eine Bindehaut- oder Hornhautentzündung am Auge erregen.

Viren verursachen keine Blutvergiftung und bilden keine Toxine.

Gefährliche Virusinfektionen

Als Faustregel gilt, dass Virusinfektionen fast immer häufiger und dafür fast immer harmloser sind als andere Infektionen. Bestimmte Kinderkrankheiten macht im Grunde jeder einmal durch, und die meisten Menschen sind latent mit Herpes-simplex-Viren, Varizella-Zoster-Viren, Zytomegalieviren und Epstein-Barr-Viren infiziert. Manche scheinbar harmlosen Kinderkrankheiten können jedoch Organschäden hinterlassen, wenn nicht vorher geimpft wurde. Ein ungeborenes Kind ist bei derartigen Infektionen besonders stark gefährdet.

Ausnahmen stellen die nicht an den Menschen als Hauptwirt (Reservoirwirt) angepassten Viren dar, die auf den Menschen übertragen wurden, wie z. B. Tollwut, HIV, Ebola, Marburg-Fieber oder SARS. Solche Erreger sind extrem gefährlich. Die durch sie verursachten Krankheiten haben eine hohe Todesrate (Letalität).

Einige Viren stehen im Verdacht, die Entstehung von Krebs zu begünstigen, wenn sie über lange Zeit eine latente Infektion verursachen. So wurden Papillomviren mit dem Zervixkarzinom in Verbindung gebracht, Epstein-Barr-Virus mit dem Nasopharynxkarzinom.

Auch bei Immunsuppression (bei AIDS oder Organspende) können Viren gefährlich werden, die sonst vielleicht ohne Symptome in Zellen persistieren. Deshalb testet man vor einer Organspende den Spender auf diverse Viren, HIV, Hepatitis-Virus, Zytomegalievirus, in der Regel auch Tollwut-Virus u. a., um sein Organ nicht einem Empfänger zu übertragen, der diese Infektion noch nicht durchgemacht hat.

Für solche schweren Fälle stehen Virostatika zur Therapie zur Verfügung. Im Gegensatz zu Antibiotika gegen Bakterien wirken sie aber oft unzureichend und werden schlecht vertragen. Deshalb wird gegen die bei uns vorkommenden Viren, soweit sie nicht ganz harmlos sind, routinemäßig nach einem bestimmten Impfkalender prophylaktisch geimpft. Andere Impfungen sind nur Indikationsimpfungen vor Reisen in Endemiegebiete, z. B. Gelbfieber in Afrika und Südamerika.

Virusdiagnostik

Zur Ausschlussdiagnostik kann ein PCT-Test (Procalcitonin) dienen, der bei einer Vireninfektion nur eine mäßige Erhöhung (100–1.000), dagegen bei Bakterien eine deutliche Erhöhung (< 10.000) zeigt.

Ist eine spezifische Diagnose notwendig, gibt es immunologische und molekularbiologische Testverfahren. Allgemein weist man spezifische Antikörper gegen das Virus nach. IgM-Antikörper weisen auf eine frische Infektion hin, IgG-Antikörper können auf eine chronische Infektion oder auf eine bestehende Immunität hinweisen. Bei Masern, Mumps, Röteln, Influenza und Adenoviren kann man das Hämagglutinin nachweisen. Beim Epstein-Barr-Virus macht man sich diagnostisch zunutze, dass der Patient Antikörper bildet, die auch gegen Schaferythrozyten wirken (Verklumpung). Man kann auch die DNA oder RNA eines Virus mittels PCR nachweisen. Viele Viren kann man auch in einer Zellkultur züchten, wo anhand der Lyse der Zellen das Virus beurteilt werden kann. Die Elektronenmikroskopie dient eher nur wissenschaftlichen Zwecken.

Virusinfektionen nach Infektionsweg

Tröpfcheninfektion:

Schmierinfektion / Kontaktinfektion (durch Berührung kontaminierter Gegenstände, infizierter Tiere und Personen):

Infektion über blutsaugende Insekten: (Stich oder Biss)

Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten bei Geschlechtsverkehr, Bluttransfusion oder Nadelstichverletzung (potenziell sind alle im Blut zirkulierenden Erreger auch durch dieses übertragbar):

Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten im Mutterleib mit besonderen Risiken für das Ungeborene (pränatal):

Infektion über Austausch von Körperflüssigkeiten beim Geburtsvorgang (perinatal):

Literatur

  • Wolfgang Preiser, Annemarie Berger, Hans Wilhelm Doerr: Therapie viraler Erkrankungen. Signifikante Fortschritte auch bei nichtretorviralen Erkrankungen. Deutsches Ärzteblatt (Köln) 97(50), S. A3433 – A3439 (2000), ISSN 0012-1207.
  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch.
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