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Marburg-Virus



Marburg-Virus
 
Systematik
Reich: Viren
Baltimore K. (-)ssRNA-Viren (V)
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Filoviridae
Gattung: Marburg-Virus
Art: Lake Victoria Marburgvirus
Wissenschaftlicher Name
Lake Victoria Marburgvirus

Das Marburg-Virus ist ein behülltes Einzel(-)-Strang-RNA-Virus (ss(-)RNA) der Familie Filoviridae und Gattung der Marburgviren und der Erreger des Marburg-Fiebers.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

 

Dieses Virus besitzt meist eine fadenförmige (lat. filum = Faden), manchmal auch eine bazillusförmige Gestalt, ist aber auch in seiner Grundstruktur gelegentlich U-förmig gebogen. Es hat eine Länge von etwa 800 nm und einen konstanten Durchmesser von 80 nm und gehört damit zusammen mit den Ebola-Viren aus der selben Familie zu den größten bekannten RNA-Viren.

Reservoir

Das Reservoir, aus dem das Virus stammt, bzw. sein Reservoirwirt ist bis heute nicht genau bekannt. Vermutlich ist der Überträger der Nilflughund, eine Fledermausart, die in Europa und Afrika vorkommt. Das Virus und virusspezifische Antikörper konnten in ihrem Blut nachgewiesen werden, auch in Regionen, in denen bislang keine Erkrankungsfälle registriert wurden. Da der Flughund in Höhlen nistet, kann man Ausbrüche unter Bergleuten mit ihm in Verbindung bringen.[1]

Verbreitung

Das Marburg-Virus stammt primär aus Afrika und kommt in den Ländern Uganda, Kenia (West-Kenia) und vermutlich Zimbabwe vor. Eine weitere Ausdehnung wird von Wissenschaftlern für wahrscheinlich gehalten. In Europa wurden 1967 die ersten Erkrankungsfälle dokumentiert.

Virulenz

Bei diesem Virus handelt es sich um einen hochpathogenen Erreger, der beim Menschen das Marburg-Fieber, ein hämorrhagisches Fieber, auslöst. Die Sterblichkeit (Letalität) bei dieser Erkrankung liegt laut den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bei mindestens 23 bis 25 Prozent. Bei Ausbrüchen im Kongo und in Angola lag sie jedoch wesentlich höher (siehe Krankheitsfälle). Diese hohe Sterblichkeit deutet wie bei den Ebola-Viren darauf hin, dass das Marburg-Virus noch nicht an den Menschen angepasst ist. Die Schädigung seines Wirtes bis hin zu seinem Tod ist für einen Virus kein vorteilhafter Effekt, da es zur eigenen Vermehrung auf diesen Wirt angewiesen ist. Die dennoch beim Wirt ausgelösten Symptome sind letztlich nur Nebeneffekte der Infektion.

Die hohe Virulenz dieses Erregers erfordert auch für eine wissenschaftliche Bearbeitung ein Labor mit den höchsten Sicherheitsanforderungen.

Übertragung

Das Marburg-Virus wird durch den Austausch von Körperflüssigkeiten und durch Schmierinfektion bzw. Kontaktinfektion übertragen.

Geschichte

Das Virus wurde zuerst im Jahre 1967 bei Laborangestellten in Marburg (Hessen), später in Frankfurt am Main und Belgrad gefunden. Als am 25. August 1967 mehrere Personen in Marburg starben, wurde die Stadt in eine Art Ausnahmezustand versetzt. Alle, auch die später verstorbenen Infizierten, hatten zuvor sehr hohes Fieber und bluteten aus den inneren Organen. Sämtliche bis dahin bekannten Viren konnten ausgeschlossen werden. Erst Ende November 1967 gelang die eindeutige Identifizierung des bis dahin unbekannten Virus durch Werner Slenczka im Institut für Virologie Marburg, der diese Entdeckung auch als Erster publizierte. Dieses neue Virus ist höchstwahrscheinlich von infizierten Versuchsaffen (Meerkatzen) aus Uganda in die Labors des Pharmakonzerns Behringwerke im hessischen Marburg eingeschleppt worden. Deshalb erhielt es auch den Namen Marburg-Virus.

Aktuelle Seuchenlage

  Am 21. März 2005 wurde das Marburg-Virus in mehreren Blutproben von Todesopfern in Angola entdeckt. Im April war die Krankheit in sieben Provinzen ausgebrochen. Über 215 Angolaner starben bis dahin bereits am Marburg-Virus. Die meisten Opfer waren jünger als 5 Jahre.

Besonders problematisch ist die Weigerung der Bevölkerung, die Infizierten zu isolieren. Außerdem gehört traditionell bei den Familien zur Bestattung Verstorbener der persönliche Abschied in Form von Umarmung des Toten und anschließend weitere direkte, persönliche Kontakte der Trauergäste untereinander. Darum ist es extrem schwierig, die eigentlich sofort notwendige, unverzügliche Beerdigung, ohne jede Berührung mit der Leiche zu gewährleisten. Die Infektionsgefahr wird dadurch erheblich gesteigert.

Krankheitsfälle

  • 1967: Marburg, Frankfurt am Main, Belgrad: 31 Infizierte, 7 Tote
  • 1980 Nairobi: 2 Infizierte, 1 Toter (ursprung: vermtl. kitum cave/west-kenia)
  • 1998 bis 2000: Demokratische Republik Kongo: 149 Infizierte, 123 Tote
  • Oktober 2004 bis Mai 2005: Angola, Beginn in der Provinz Uige: 388 Infizierte, 324 Tote [2]
  • August 2007: Uganda, Kitaka, Provinz Kamwenge, 2 Infizierte, 1 Toter [3]

Impfungen

Im April 2006 wurden Forschungsergebnisse von Forschern aus den USA und Kanada veröffentlicht, denen es gelungen ist, einen Impfstoff gegen das Marburg-Virus zu entwickeln. Im Tierversuch bei Rhesusaffen erwies sich der Impfstoff auch in der Post-Expositionsprophylaxe als wirksam. Die Affen, die bei einer Infektion normalerweise nach etwa 12 Tagen verstarben, überlebten nach einer Impfung den Untersuchungszeitraum von 80 Tagen.[4]

Systematik

Einzelnachweise

  1. doi:10.1371/journal.pone.0000764 Marburg Virus Infection Detected in a Common African Bat
  2. http://www.who.int/csr/don/2005_05_27a/en/index.html
  3. http://www.monitor.co.ug/news/news08022.php
  4. The Lancet 2006; 367:1399-1404

Literatur

  • Icon Health Publications: Marburg Virus - A Medical Dictionary, Bibliography, and Annotated Research Guide to Internet Referen. ISBN 0497007061
  • Beate Lötfering: Das Nukleoprotein des Marburg Virus. Untersuchungen zum Phosphorylierungsstatus. Tectum Verlag, Marburg, ISBN 3828804136
  • Richard Preston: Hot Zone, Tödliche Viren aus dem Regenwald.
  • Christian Sänger: Untersuchungen zum Transport und zur Reifung des Marburg-Virus Oberflächenproteins GP sowie zur Ausschleusung von Nachkommenviren, Tectum Verlag, Marburg, ISBN 3828810454
  • Süddeutsche Zeitung vom 28. April 2006, Seite 18
  • Ken Alibek, Stephen Handelman: Bioterror, Tod aus dem Labor. Econ Verlag, 2001, ISBN 3548750893
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Marburg-Virus aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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