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Procalcitonin



Procalcitonin (PCT) ist eine Vorstufe des Hormons Calcitonin und eignet sich zur Früherkennung von bakteriellen Infektionen. Durch einen PCT-Test können bakterielle Infektionen von eine Virusinfektionen unterschieden werden, wodurch ein gezielter Einsatz von Antibiotika möglich ist.

Procalcitonin gewinnt immer mehr Bedeutung in der Diagnose der Sepsis. Dadurch ist es möglich, eine lebensbedrohliche Sepsis frühzeitig zu erkennen.

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Inhaltsverzeichnis

Klinische Anwendung von PCT in der Sepsisdiagnostik

Bei kritisch erkrankten Patienten mit Symptomen einer akuten Entzündung ist es häufig schwer zu entscheiden, ob eine Sepsis oder eine andere, nicht infektiös bedingte Erkrankung vorliegt. Therapien und Krankheitsausgang können jedoch bei Patienten mit und ohne Sepsis deutlich voneinander abweichen. Es besteht daher ein hoher klinischer Bedarf an diagnostischen Möglichkeiten, um zwischen einer Entzündung und einer schweren bakteriellen Infektion / Sepsis zu unterscheiden. Unter den verfügbaren Laborparametern hat sich Procalcitonin (PCT) als einer der nützlichsten erwiesen. Ein großer Vorteil von PCT im Vergleich zu anderen Parametern ist sein früher und spezifischer Anstieg als Reaktion auf bakterielle Infektionen und Sepsis. PCT-Spiegel oberhalb von 10 ng/ml deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Sepsis hin; bei Neugeborenen gelten für die ersten Lebenstage andere Referenzwerte. Ein Nachteil der PCT-Bestimmung sind die hohen Kosten im Vergleich zu den klassischen Entzündungsparametern. Die absolute Höhe der PCT-Konzentrationen spiegelt den Schweregrad der Entzündungsreaktion wider und unterscheidet sich dementsprechend bei Patienten mit SIRS (systemic inflammatory response syndrome), Sepsis, schwerer Sepsis und septischem Schock. Als Ausdruck individuell unterschiedlicher Immunreaktion kann der gleiche Infektionsherd jedoch mit unterschiedlichen individuellen Erhöhungen der PCT-Konzentration einhergehen. PCT dient auch zur Überwachung des Infektionsverlaufes und der Prognose lebensbedrohlicher septischer Infektionen und wird zum Monitoring therapeutischer Maßnahmen genutzt. Eine Meta-Analyse über 18 Studien aus dem Jahr 2007 ergab eine vergleichsweise geringe Aussagekraft des Procalcitonin-Screenings. Die Autoren schliessen, daß Procalcitonin keine zuverlässige Abgrenzung von Sepsis einerseits und nichtinfektiösen systemisch-inflammatorischen Zuständen andererseits erlaubt und daher im intensivmedizinischen Bereich weniger häufig benutzt werden sollte.

PCT bei Atemwegsinfektionen

Bei lokal begrenzten bakteriellen Infektionen sind die PCT-Spiegel deutlich niedriger als bei septisch verlaufenden Infektionen. So werden bei bakterieller Bronchitis oder bei Pneumonien häufig PCT-Spiegel um 0,25 - 0,5 ng/ml gefunden. Derart niedrige Messwerte werden nur mit einer sensitiven PCT-Bestimmungsmethode fassbar. In einer Interventionsstudie (Christ-Crain, Lancet 2004) dienten die Kryptor PCTsensitive-Spiegel zur Entscheidung, ob eine antibiotische Therapie bei Patienten mit Infektionen der unteren Atemwege indiziert war oder nicht. Das Ergebnis: in etwa 50 % der Fälle konnten Antibiotika eingespart werden, ohne dass sich negative Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf zeigten.

Wie sind PCT-Werte zu interpretieren?

Um den klinischen Verlauf einer Infektion / Sepsis zu beurteilen, sollte einmal am Tag PCT bestimmt werden. Ein Anstieg der PCT-Konzentration weist auf eine erhöhte entzündliche Aktivität hin, eine Abnahme der Konzentration spricht hingegen auf eine Verringerung der entzündlichen Aktivität, was wiederum ein Zeichen für eine günstige Prognose ist. PCT reagiert nicht oder nur im geringeren Maße auf Virusinfektionen, chronisch entzündliche Erkrankungen oder Autoimmunprozesse und ermöglicht dadurch eine Differenzierung zwischen diesen verschiedenen Zuständen. Obwohl erhöhte Werte auch bei Patienten nach größeren Operationen oder Trauma ohne Hinweis für eine Infektion gefunden wurden, wird Procalcitonin allgemein doch als verlässlicher und spezifischer Marker der bakteriellen Sepsis betrachtet. Mehrere Studien konnten zeigen, dass SIRS-Patienten ohne Infektion sehr niedrige PCT-Werte haben (< 0.1 ng/ml), Patienten mit schweren Infektionen und Sepsis hingegen sehr hohe Werte.

Kinetik von PCT

Die PCT-Konzentration steigt 2-3 Stunden nach Induktion an und erreicht nach 24 Stunden ihren Höchstwert. Werte >= 2ng/ml sind in hohem Maße mit einer Sepsis assoziiert. Nach erfolgreicher therapeutischer Intervention nehmen die PCT-Spiegel mit einer Halbwertszeit von etwa 24 Stunden wieder ab und zeigen damit eine positive Prognose an. Anhaltend hohe oder gar weiter ansteigende Konzentrationen sind ein Indikator für eine schlechte Prognose.

PCT-Protein und Messmethoden

Unter normalen Stoffwechselbedingungen wird das hormonell aktive Calcitonin in den C-Zellen der Schilddrüse durch spezifische intrazelluläre proteolytische Spaltung aus dem Prohormon PCT synthetisiert und sezerniert. Bei bakteriellen Infektionen und Sepsis wird jedoch intaktes PCT im Blut gefunden. Als Syntheseort bei bakterieller Infektion gelten alle Organe. In vivo ist PCT sehr stabil und hat eine Halbwertzeit von etwa 24 Stunden. Auch in vitro ist PCT sehr stabil, so dass keine speziellen Anforderungen hinsichtlich der Präanalytik oder der Probenaufbewahrung zu beachten sind. Zur in vitro Bestimmung von PCT existieren mehrere Immunoassays. Mit allen Methoden kann PCT in Serum und Plasma bestimmt werden. Die Zeit bis zum Ergebnis beträgt je nach Methode 19 bis 90 Minuten.

Weiterführende Links

  • Medizin-Links.DE[1]
  • Umfassende Informationen finden Sie in MEDLINE unter dem Stichwort Procalcitonin.
  • High serum procalcitonin concentrations in patients with sepsis and infection. Assicot M, Gendrel D, Carsin H, Raymond J, Guilbaud J, Bohuon C. Lancet. 1993 Feb 27;341(8844):515-8.
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Procalcitonin aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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