11.01.2021 - SkyCell AG

Viel Corona-Impfstoff und andere empfindliche Medikamente ausfallsicher transportieren

Gründer im Interview: SkyCell

Skycell ermöglicht es mittel seiner eigens entwickelten Technologie, das Transportrisiko für empfindliche Medikamente auf dem Luftweg zu reduzieren und sogar vorherzusagen.

In unserer Gründer im Interview-Serie beantwortet SkyCell die Fragen der Redaktion.

Wer seid Ihr und woher kommt Ihr?

Ich bin Richard Ettl und CEO des von mir gemeinsam mit Nico Ros, unserem CTO, gegründeten Unternehmens SkyCell. Seit 2012 stellen wir in der Schweiz datengetriebene, temperaturkontrollierte, smarte Hybrid Container für die pharmazeutische Industrie her. Das besondere an unseren Transport-Containern sind unter anderem IoT-Sensoren zur Messung der Innen- und Umgebungstemperatur, denn damit können wir sicherstellen, dass die empfindlichen Medikamente und Impfstoffe, die wir darin transportieren, auch unter extremsten Bedingungen geschützt sind. In der Regel dauert der Transport mehrere Tage, was für unsere effiziente Isolierung und modernste Kühltechnologie kein Problem darstellt. Zudem sind unsere Lösungen deutlich platzsparender als bisherige Produkte, was zur Folge hat, dass mehr Medikamente und Impfstoffe auf einmal transportiert werden können. Ganz neu ist unser Tiefkühl-Container, der eine konstante Temperatur von minus 60° Celsius bis minus 80° Celsius für mehr als 120 Stunden aufrecht halten kann bei nur 100kg Trockeneis – d.h. wir können mehr Impfstoffe pro Flugzeug transportieren als die heutige Lösung. Herkömmliche Lösungen brauchen mehr als das Doppelte an Trockeneis. Gerade bei den neuen Corona-Impfstoffen, die konstant bei minus 80° Celsius gekühlt werden müssen, macht das eine enorme Menge an zusätzlichen Impfdosen aus, die wir ausfallsicher auf dem Luftweg transportieren können. Das ermöglicht uns auch eine aktive Teilhabe an der globalen Lösung der aktuellen Pandemie.

Welche Herausforderung löst SkyCell? Was ist Eure große Vision?

Wir wollen den Transport von pharmazeutischen Produkten an mehreren Stellen optimieren, denn die Fracht, die wir transportieren, ist ungemein wertvoll – denn es stehen immer Patienten dahinter und muss daher stets rundum geschützt sein. Ob das ein unvorhergesehen längerer Transport ist, weil z. B. eine Prüfung durch den Zoll ansteht und oder ein Anschlussflug ausfällt, oder es die generellen Transportbedingungen auf dem Luftweg sind. Laut einer Studie der International Air Transport Association (IATA) von 2019 erreichen knapp 25 Prozent der Impfstoffe dadurch nämlich ihren Bestimmungsort beschädigt – das ist ärgerlich für wohlhabende Nationen aber ein echtes Desaster in vielen anderen Ländern. Unsere IoT-Sensoren lassen uns alles im Blick behalten, ob das jetzt die Funktionsweise der Kühlung in unseren Hybrid-Containern ist oder deren Aufenthaltsort. Aufgrund der datengestützten Bewertung des Transportweges können wir eine geprüfte Ausfallrate von weniger als 0,1 Prozent für die Lieferungen gewährleisten.

Unsere Container benötigen auf ihrer Reise keine menschliche Interaktionen und funktioniert ohne mechanische Komponenten, es muss unterwegs nichts nachjustiert oder ausgetauscht werden. Stattdessen können sie sich auf langen Transportwegen in einer Kühlkammer oder einem Kühllastwagen unkompliziert selbst wieder aufladen. In der Branche werden bisher immer noch größtenteils Wegwerf-Lösungen zum Verpacken eingesetzt; durch die Nutzung unserer recyclebaren Container wird die Entstehung solcher Verpackungsabfälle vermieden. Zudem reduzieren sich durch die Weiterverwendung der Hybrid-Container die CO2-Emissionen beim Medikamententransport um fast die Hälfte.

Das wiederum beschreibt auch unser langfristiges Ziel: Wir wollen den Versand einer einzigen Dosis eines maßgeschneiderten Medikaments vom Herstellungsort direkt zu den Patientinnen und Patienten zu ermöglichen – bei stetig kontrollierter Temperatur. Mit unseren jüngsten Entwicklungen sind wir bereits auf einem guten Weg dorthin.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Die Idee für den Hybrid-Behälter kam Nico Ros und mir während eines Abendessens. Wir hatten ein Dinner mit einem Top Manager einer Schweizer Pharmafirma und er wandte sich mit einer Frage an uns: "Könnt ihr einen Pharmabehälter entwickeln, der bei über +60°C auf dem Rollfeld in Saudi-Arabien eine Temperatur von +2°Celsius bis +8°Celsius aufrechterhält?" Das fanden wir spannend und brachte uns schließlich dazu, ein Konzept für einen zu 100 % recycelbaren Isolierbehälter, der empfindliche Medikamente auch unter extremen Bedingungen schützt, zu entwickeln.

Wie war Euer Entwicklungsprozess? Was waren die größten Herausforderungen und Rückschläge? Was waren die größten Erfolge?

Eine der größten Herausforderungen bei der Einführung einer neuen Lösung ist die Gewöhnung der Mitarbeiter an das neue System und die neuen Prozesse. Mit dieser Herausforderung im Hinterkopf haben wir eine einfach zu handhabende Containerlösung entwickelt, die ausfallsicher ist und keine manuellen Eingriffe erfordert. Der Container wird vorkonfiguriert und einsatzbereit geliefert. Alles, was Mitarbeiter tun müssen, ist ihn zu öffnen, zu beladen, zu schließen und zu versenden. So können alle beteiligten Personen die täglichen Aufgaben einfacher, sicherer und schneller erledigen.

Außerdem wurde uns am Anfang oft gesagt, dass unsere Ideen nicht umsetzbar seien, z. B. was die nahtlose Verfolgung der Container beim Lufttransport betrifft. Es gibt eine Reihe von Problemen, die den Einsatz von drahtlosen Tracking-Methoden problematisch machen können. Jede Fluggesellschaft muss die Verwendung von drahtloser Technologie auf ihren Flügen genehmigen, um sicherzustellen, dass das Gerät im Container die Mechanik des Flugzeugs nicht beeinträchtigt. Wir glauben daran, wenn alle Beteiligten ihre Daten bei der Beförderung von Lieferungen austauschen, dies dazu beiträgt, die Kosten zu senken, die Effizienz zu verbessern und sicherzustellen, dass Temperaturschwankungen so niedrig wie möglich gehalten werden. Daher nutzen wir Big Data für die Qualitätskontrolle und die Risikoanalyse von Routen. Wir haben ein Partnernetzwerk mit den größten Fluggesellschaften weltweit aufgebaut und sind in Verhandlung mit weiteren Partnern. Das zeigt, wie hoch das Interesse ist, die globale Verfolgung und Überwachung von Lieferungen umzusetzen - trotz der anfänglichen Bedenken.

Wie war die Reaktion des Markts und der Branche?

Der Pharmamarkt ist ein sehr besonderer Markt, da hier viel Vertrauen nötig ist, um Fuß zu fassen. Wie schon gesagt, reden wir hier ja von einer sehr wertvollen Fracht, nicht nur, wenn wir jetzt alle möglichst schnell ein neues Medikament haben wollen. Es ist uns gelungen, uns zu behaupten. Wir wurden mittlerweile von der Mehrheit der 20 führenden Pharmaunternehmen validiert - von USA, Europa, Japan, China und bis nach Australien. Das macht uns weltweit gesehen zur Nummer drei im Bereich temperaturkontrollierter Luftfrachtlösungen.

Würdet Ihr diesen Weg wieder gehen - oder gibt es etwas, was Ihr anders machen würdet?

Insgesamt gibt es immer Dinge, die man im Nachhinein anders angehen würde. Wir hatten noch andere Felder neben der Pharma-Branche evaluiert und dann die Entscheidung nur für Pharma getroffen. Diese erste Phase hat uns einiges an Zeit gekostet: Wenn man in der Pharma-Branche erfolgreich sein will, muss als ganze Firma dafür leben. Andere Industrien wie die Lebensmittel-Branche mit ihren hohen Volumina aber kleinen Margen lassen sich nicht gut mit Pharma vereinbaren.

Was können andere von Eurer Start-up-Geschichte lernen?

Nico Ros und ich sind zwei Visionäre, die nicht nur selbst völlig für die Idee hinter SkyCell brennen, wir haben auch ein Team, das genauso tickt. Im Schnitt sind wir pro Jahr um mindestens 60 Prozent gewachsen. Das war manchmal schon ein Klimmzug und nur machbar mit einem top motivierten Team. Nun beginnt die Konkurrenz uns zu kopieren, wir haben also etwas richtig gemacht. Das heißt aber auch: Wir sind nicht mehr die Einzigen. Somit müssen wir uns überlegen, wohin die Reise als nächstes geht. Für uns heißt das, eine klare Erkenntnis zu haben, wieso ein Kunde eine Lösung braucht und dann diese Erkenntnis zu validieren und danach konsequent umzusetzen.

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