Neue wissenschaftliche Nachwuchsgruppe am Helmholtz Zentrum München

Mechanismen chronischer Entzündungsprozesse und deren Auswirkungen werden aufgeklärt

11.08.2010 - Deutschland

Am Helmholtz Zentrum München wird eine neue wissenschaftliche Nachwuchsgruppe zur Untersuchung entzündlicher Gewebestrukturen etabliert. Diese spielen vor allem bei Erkrankungen der Leber (Hepatitis), der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder des Darm (Colitis) eine entscheidende Rolle. Als Leiter der neu berufenen Forschergruppe wurde der 34-jährige Molekularbiologe Prof. Dr. Mathias Heikenwälder berufen.

Über ein strenges Auswahlverfahren der Helmholtz-Gemeinschaft ist Heikenwälder vom Helmholtz Zentrum München berufen, eine von insgesamt 20 neu bewilligten wissenschaftlichen Nachwuchsgruppen einzurichten. Mit einem Jahresbudget von über 250.000 Euro wird er sich mit seinem Team die nächsten fünf Jahre mit den zellulären und molekularen Mechanismen von Gewebeveränderungen bei chronischen Entzündungsprozessen beschäftigen. Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der Aufklärung der Vorgänge, die zu chronischen Entzündungen, Gewebezerstörung, Karziongenese und Veränderungen im Stoffwechsel führen.

„Von den Forschungsimpulsen in der neu gegründeten Nachwuchsgruppe erwarten wir uns ein besseres Verständnis der Entzündungsvorgänge chronischer Krankheiten in Hinblick auf Diagnostik und Therapie“, sagte der wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums München, Prof. Dr. Günther Wess. Damit leiste das Zentrum einen wichtigen Beitrag zur Erforschung chronischer Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller genetischer Disposition entstehen.

Chronische Entzündungen sind eines der Hauptprobleme der westlichen, vor allem aber auch der Dritten Welt. Dazu gehören die viral (z.B. Hepatitis-B- und C-Virus) ausgelöste wie auch die nicht-virale Form (z.B. massiver Alkoholkonsum) der Hepatitis, der Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) oder chronische Entzündungen des Darms (Colitis). Etwa 500 Millionen Menschen sind zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus infiziert und leben mit dem Risiko schwere Leberschäden oder Leberkrebs zu bekommen.

Eine chronische Entzündung ist durch die andauernde Anwesenheit aktivierter Immunzellen in nicht-lymphoiden Organen wie Leber und Nieren charakterisiert. Veränderungen von intaktem Gewebe und dessen Stoffwechsel rufen letztlich anormale Reaktionen im Körper hervor. Die Folgen sind sowohl das Absterben von Zellen (Nekrose) als auch unkontrolliertes Zellwachstum bis hin zur Entstehung von Krebs. Bislang fehlen bei vielen dieser Leiden geeignete Therapien; oftmals kann lediglich symptomatisch behandelt werden.

Die Arbeitsgruppe von Mathias Heikenwälder, die sich bislang vollkommen über Drittmittel finanzierte, forschte zuletzt am UniversitätsSpital Zürich, Department Patholgie. Der Molekularbiologe promovierte über immunologische Aspekte peripherer Prionen-Pathogenese und der Rolle chronischer Entzündungen, habiliterte 2009 in Zürich zum Thema experimentelle Pathologie und ist Empiris-Preisträger 2006, seit 2007 Prof. Dr. Max-Cloëtta fellow und Götz-Preisträger 2009. 2010 erhielt er eine Forschungsförderung des Europäischen Forschungsrates ERC (European Research Council). Eine klinische Studie mit Hepatitis-C-Virus infizierten Patienten in Zusammenarbeit mit der Immunomonitoring Unit (Helmholtz), dem Clincial Trial Center Zürich und der Firma Biogen IDEC ist in Vorbereitung.

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