Vier Subtypen von Leukämie-Stammzellen bestimmen den Therapieerfolg

Ergebnisse eröffnen neue Wege aus der Resistenzfalle

11.05.2026
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Symbolbild

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Stammzell-Institut HI-STEM haben einen zentralen Mechanismus entschlüsselt, der zum Therapieversagen bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) beiträgt. Sie zeigen, dass es nicht nur einen, sondern vier unterschiedliche Subtypen von Leukämie-Stammzellen gibt. Diese Vielfalt könnte erklären, warum eines der wichtigsten AML-Medikamente bei manchen Patientinnen und Patienten nicht ausreichend wirkt oder im Verlauf seine Wirksamkeit verliert – mit der Folge, dass die Leukämie zurückkehrt. Die Entdeckung schafft eine wichtige Grundlage für präzisere und langfristig erfolgreichere Behandlungsstrategien, die Resistenzmechanismen gezielt überwinden könnten.

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine aggressive Form von Blutkrebs, die vor allem ältere Menschen betrifft und trotz verbesserter Therapien oft eine schlechte Prognose hat. In den letzten Jahren hat das zielgerichtete Medikament Venetoclax die Behandlung deutlich verbessert. In Kombination mit anderen Wirkstoffen zeigt Venetoclax bei der AML oft gute Therapieerfolge und wird in Zukunft, zumindest zum Teil, die hochaggressive Chemotherapie ersetzen. Doch bei fast allen Patientinnen und Patienten kehrt die AML zurück – in der Regel, weil einzelne Krebsstammzellen resistent gegen den Wirkstoff werden.

Forschende um Andreas Trumpp, HI-STEM und DKFZ, konzentrierten sich in einer aktuellen Arbeit auf die Stammzellen der AML. Diese seltenen Zellen gelten als „Wurzel“ der Erkrankung: Sie können sich ohne Limit selbst erneuern und sind verantwortlich für Therapieresistenz und Rückfälle. Die Wissenschaftler untersuchten Proben von mehr als 150 AML-Patienten und zeigten, dass es nicht nur eine Art dieser Stammzellen gibt, sondern mindestens vier unterschiedliche Subtypen. Sie unterscheiden sich darin, welchem Entwicklungsstadium gesunder Blutzellen sie ähneln – und genau das bestimmt, wie sie auf Venetoclax-Therapien reagieren. 

Stammzellen entziehen sich der Medikamentenwirkung 

Venetoclax blockiert die Aktivität des Proteins BCL-2, das das Überleben von Leukämiezellen sichert. Die medikamentöse Blockade löst den programmierten Zelltod (Apoptose) der Blutkrebszellen aus. Ein zentrales Ergebnis: Die Wirksamkeit des Medikaments hängt stark davon ab, von welchen Überlebensmechanismen die Leukämiestammzellen abhängig sind. Während einige Stammzelltypen besonders auf das Zielprotein des Medikaments, den Apoptose-Inhibitor BCL-2, angewiesen sind, nutzen andere alternative Überlebensstrategien, um sich zu schützen. Besonders problematisch ist dabei die Fähigkeit der Krebszellen, ihren Zustand zu verändern. Unter dem Druck der Therapie können sie sich gewissermaßen „umprogrammieren“ und in einen resistenten Zustand wechseln. 

Die Forschenden beobachteten, dass viele Leukämiezellen im Verlauf der Behandlung in einen Zelltyp übergehen, der weniger empfindlich gegenüber Venetoclax ist. Diese Zellen wechseln dann auf ein verwandtes Protein (BCL-xL) um das Überleben zu sichern und entziehen sich so der Wirkung von Venetoclax

Stammzell-Subtypen reagieren auf unterschiedliche Wirkstoffe

Die gute Nachricht: Die Arbeit zeigt auch konkrete Wege auf, wie die Venetoclax-Resistenz überwunden werden könnte, zum Beispiel durch Kombination von Venetoclax mit einem BCL-xL Inhibitor. Je nach Subtyp der leukämischen Stammzellen reagieren die Krebszellen auf unterschiedliche Wirkstoffe. So könnten bestimmte resistente Zelltypen gezielt mit Medikamenten behandelt werden, die genau ihren jeweiligen Überlebensmechanismus blockieren. An Mäusen, denen Leukämiezellen der jeweiligen Patienten transplantiert wurden, konnten die Forschenden zeigen, dass solche Kombinationstherapien deutlich wirksamer sind als bisherige Standardbehandlungen.

Biomarker definieren Stammzell-Subtypen 

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der aktuellen Arbeit ist, dass sich die verschiedenen Zelltypen anhand bestimmter Biomarker identifizieren lassen. „Das bedeutet: Künftig könnte bereits bei der Diagnose bestimmt werden, welcher Patient von welcher Therapie am meisten profitiert. Die Behandlung würde damit individueller, zielgerichteter und potenziell erfolgreicher“, erläutert Alexander Waclawiczek, Erstautor der Arbeit.

„Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die AML-Therapie in Zukunft stärker an den biologischen Eigenschaften der individuellen AML und insbesondere deren Leukämiestammzellen auszurichten, anstatt alle Patientinnen und Patienten nach ähnlichem Schema zu behandeln“, sagt Studienleiter Andreas Trumpp und ergänzt: „Die Erprobung dieser neuen Behandlungsstrategie in einer klinischen Studie mit AMP-Patienten wäre nun der nächste Schritt.“ 

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