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Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: 20 neue Gene zur bipolaren Störung entdeckt

06.05.2019

Universität Basel

Die bisher grösste genetische Studie zur bipolaren Störung mit 30‘000 Patienten ermöglicht ein umfassenderes Verständnis der biologischen Grundlagen der Erkrankung. Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Universität Basel hat dazu 20 neue Gene entdeckt.

Erst himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt – bei Menschen mit einer bipolaren Störung wechseln sich manische und depressive Episoden ab. Sie durchlaufen eine wahre Achterbahn der Emotionen: Im extremen Wechsel erleben sie manische Phasen mit Grössenwahn, gesteigertem Antrieb und vermindertem Schlafbedürfnis. Dem folgen depressive Episoden mit stark gedrückter Stimmung bis zu Suizidgedanken.

Ein Prozent betroffen

Rund 1 Prozent der Bevölkerung erkrankt im Lauf des Lebens an dieser manisch-depressiven Krankheit. Deren Ursachen werden noch nicht vollständig verstanden. Jedoch spielen nach bisherigen Erkenntnissen genetische Faktoren eine wichtige Rolle – es sind offenbar viele verschiedene Gene an der Krankheitsentstehung beteiligt.

Rund 280 Wissenschaftler waren weltweit gemeinsam an der Studie zu den genetischen Ursachen der bipolaren Störung beteiligt, darunter auch die Gruppe von Prof. Dr. Sven Cichon vom Departement Biomedizin der Universität Basel und Institut für Medizinische Genetik und Pathologie des Universitätsspitals Basel.

In zwei Schritten wurde das Erbgut von fast 30‘000 Patienten untersucht und mit etwa 170‘000 Kontrollpersonen verglichen. Es handelt sich dabei um die grösste genomweite Assoziationsstudie bei Patienten mit bipolarer Störung.

Cichons Forschungsgruppe war vor allem in die Auswertung der genetischen Daten und die biologische Interpretation involviert. Konkret musste dabei geklärt werden, welche Gene genau mit der bipolaren Störung im Zusammenhang stehen und welche Funktion sie im Gehirn übernehmen können.

30 DNA-Regionen  

Im Erbgut der Patienten entdeckte das internationale Team des Konsortiums insgesamt 30 Regionen, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. «Davon waren 20 der auf der DNA identifizierten Gen-Orte Neuentdeckungen in Bezug auf die bipolare Störung», sagt Cichon. Die in den identifizierten Regionen gelegenen Gene kodieren beispielsweise für Ionenkanäle, die das Aktionspotenzial von Neuronen beeinflussen können. Darüber hinaus liegen nun erstmals Hinweise vor, dass auch die Insulinregulation und das Endocannabinoid-System bei der Krankheitsentstehung beteiligt sein könnten; Letzteres steht mit der Schmerzregulation in Zusammenhang.

Die Forscher konnten nun auch genetische Unterschiede zwischen zwei klinisch unterscheidbaren Unterarten der bipolaren Störung nachweisen. Während der häufigere Typ I mit ausgeprägteren manischen und depressiven Phasen auf genetischer Ebene eher mit Schizophrenie in Zusammenhang zu stehen scheint, deutet der «milder» verlaufende Typ II eher auf eine Verwandtschaft mit der Depression hin. Diese Indizien weisen den Weg zu potenziellen Ansatzpunkten für neue Therapien. Je genauer die biologischen Grundlagen der Erkrankung verstanden werden, desto besser können neue Medikamente entwickelt werden.

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