Greenpeace sieht in Patentierung von Saatgut Bedrohung für Welternährung

17.02.2003

München (dpa) - Die Patentierung von Saatgut ist nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace eine erhebliche Bedrohung für die Welternährung. «Es ist unstrittig, dass sich durch die Patentvergabe einige, wenige Konzerne den Zugang zu Saatgut sichern», sagte der Greenpeace-Patentexperte Christoph Then am Donnerstag in München in einem dpa-Gespräch. Durch die drohende Monopolstellung von Saatgut- Firmen würden Landwirte und Bauern zunehmend von der Produktion ausgeschlossen. Die Folge seien höhere Preise. «Die Produkte werden so teuer, dass Menschen in armen Ländern die Preise nicht mehr zahlen können.» Eine ähnliche Entwicklung sei auch auf dem Arzneimittelmarkt zu beobachten.

Am Mittwoch hatte das Europäische Patentamt (EPA) in München ein umstrittenes Patent der US-Firma DuPont auf besonders ölhaltigen Mais widerrufen, unter anderem da die erfinderische Leistung der Firma nicht nachgewiesen werden konnte. Then sieht sich durch diese Entscheidung des EPA in seiner Forderung nach einem grundsätzlichen Verbot von Patenten auf Pflanzen und Gene bekräftigt. Es sei erschreckend, dass das Patent durch das EPA überhaupt vergeben worden sei.

Das Öl-Mais-Patent sei aber kein Einzelfall. Vom EPA seien bereits rund 300 Patente auf Saatgut erteilt worden. «Einige Tausend sind zudem beantragt.» Ähnlich wie im Fall DuPont handele es sich bei vielen dieser Patente um keine neue Erfindung. «Oft werden Pflanzen mit besonderen Eigenschaften einfach nur beschrieben», sagte Then. In anderen Fällen würden Gene, die von Natur aus in einer Pflanze enthalten sind, patentiert. Auch hier liege keine erfinderische Leistung des Patentinhabers vor. «Patente müssen auf technische Verfahren beschränkt werden», sagte Then. «Alles andere ist unverhältnismäßig.» Die Bundesregierung müsse daher schnellstmöglich die Vergabe von Patenten auf Pflanzen und Gene in Deutschland gesetzlich verbieten lassen.

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