13.05.2011 - Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Feinstaub fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt zwischen dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und der Ohio-State-Universität in Columbus entdeckten Forscher einen Zusammenhang zwischen einer dauerhaften Feinstaubbelastung und lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Mausmodell wiesen sie nach, dass eine erhöhte Feinstaubbelastung zelluläre Prozesse im Körper beeinflusst und schließlich Herz- und Gefäßkrankheiten hervorrufen kann.

Die von Wissenschaftlern der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum sowie des Departments für Kardiovaskuläre Medizin der Ohio-State-Universität Columbus entdeckten Mechanismen können zu neuen Therapieansätzen bei Herz- und Gefäßkrankheiten führen. Feinstaub entsteht unter anderem in Privathaushalten durch Holzfeuerung, durch industrielle Prozesse sowie im Straßenverkehr. Er gelangt durch die geringe Größe der Staubpartikel in das Atemsystem. Als Feinstaub bezeichnet man den Anteil feiner Schwebstoffe in der Luft, dessen Partikel so klein sind, dass sie die Schutzbarrieren des menschlichen Körpers passieren, in den Stoffwechsel gelangen und dort langfristig zu Krankheiten führen können.

Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik III - unter der Leitung von Professor Dr. Stefan R. Bornstein - am Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden entdeckten nun gemeinsam mit Medizinern der Ohio-State-Universität in Columbus, einer Dresdner Partnerstadt, einen Zusammenhang zwischen einer jahrelangen Belastung durch Feinstaub und lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Unter dieser Bezeichnung ist eine große Gruppe von Krankheitsbildern zusammengefasst, die das Herz und die Gefäße des Körpers betreffen. Diese Krankheiten sind in den Industrieländern noch immer die häufigste Todesursache. So geht in Deutschland jeder zweite Todesfall auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück. Bislang zählten zu den Ursachen von Herz-Kreislauf-Krankheiten Stress, Rauchen, mangelnde Bewegung, psychische Belastung sowie eine ungesunde Ernährung.

Prof. Dr. Henning Morawietz: „In Kooperation mit Prof. Sanjay Rajagopalan, der zu den weltweit führenden Herz-Kreislauf-Forschern gehört, konnten wir im Mausmodell nachweisen, dass eine langfristige Belastung des Herz-Kreislauf-Systems durch erhöhte Feinstaubmengen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht und damit die Lebenserwartung vermindert.“ Über einen Zeitraum von vier Jahren erforschte Dr. Thomas Kampfrath, der dem Forscherteam von Prof. Morawietz angehört, im Labor von Prof. Sanjay Rajagopalan in Columbus die präzisen Mechanismen der schädigenden Wirkung von Feinstaub auf Blutgefäße. Kampfrath: „Ergebnis unseres Forschungsprojekts ist, dass die jahrelange Belastung mit Feinstaub zu einer Dysfunktion der Gefäßzellen und damit zu oxidativem Stress und zu Entzündungsprozessen im Blut führt. Vermittelt werden diese Entzündungen durch sogenannte Toll-like-Rezeptoren und NADPH Oxidasen.“ Unter oxidativem Stress versteht man eine Stoffwechselsituation, bei der eine zu große Menge an reaktiven Sauerstoffverbindungen gebildet wird. Die normale Reparatur- und Entgiftungsfunktion gesunder Zellen wird gestört und damit die Fähigkeit, die reaktiven Sauerstoffverbindungen zu neutralisieren.
Aus den erforschten Mechanismen könnten sich für die Zukunft neue Therapieansätze für Herz-Kreislauf-Krankheiten ergeben. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Circulation Research“.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Uniklinik Carl Gustav Carus Dresden
  • News

    Stammzell-Medikamente aus Nabelschnurgewebe

    Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des gleichnamigen Universitätsklinikums haben eine Methode entwickelt, um Stammzellen aus der Nabelschnur zu isolieren. Die damit hergestellten Medikamente könnten nicht nur Frühgeborenen helfen. Dank einer neue ... mehr

    Die unsterblichen Krebszellen töten

    Glücklicherweise sind Behandlungen zur Tumorschrumpfung heute in vielen Fällen sehr effizient. Oft jedoch können diese Behandlungen nicht alle Zellen abtöten, was eine Rückkehr des Krebses zur Folge hat. Warum aber schlägt die Therapie bei einigen Krebszellen nicht an? Um dieses Problem zu ... mehr

    Durch Biomarker wird die Bildung von Knochenmetastasen früher erkennbar

    Knochen- und Krebsspezialisten aus Essen und Dresden haben im Rahmen einer Studie zwei Biomarker des Knochenstoffwechsels identifiziert, mit denen sich der Verlauf einer Brustkrebserkrankung über einen Zehnjahreszeitraum besser vorhersagen lässt. Das aus Medizinern des Universitätsklinikums ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden bietet medizinische Betreuung auf höchstem Versorgungsniveau. Als Krankenhaus der Maximalversorgung deckt es das gesamte Spektrum der modernen Medizin ab. Das Universitätsklinikum vereint 21 Fachkliniken, acht interdisziplinäre Zentren und ... mehr

Mehr über Ohio State University
  • News

    Chemiker finden Weg zur Schaffung "der Bausteine des Lebens"

    Chemiker haben einen Weg gefunden, Alkohol in Aminosäuren, die Bausteine des Lebens, umzuwandeln. In einer in der Zeitschrift Nature Chemistry veröffentlichten Studie erläuterten die Forscher die Umwandlung, bei der Molekülbindungen mit bisher unerreichter Präzision selektiv identifiziert u ... mehr

    Mikroben interagieren mit schädlichen Chemikalien im Staub

    Der Staub, der sich in unseren Häusern und Büros ansammelt, enthält fast immer Chemikalien, die Probleme für das menschliche endokrine System verursachen können, sagen Wissenschaftler. Aber eine neue Studie zeigt, dass die Mikroben, die wir in Gebäuden finden - die mikroskopischen Bakterien ... mehr

    Nächtliche Verdunklung bessert Depressionen

    (dpa) Licht in der Nacht begünstigt Depressionen. Die gute Nachricht: Der Effekt ist umkehrbar. Zu diesem Schluss kommen US-Forscher nach einer Studie mit Hamstern. Diese mussten vier Wochen lang bei achtstündigem Dämmerlicht schlafen. Daraufhin zeigten sie depressionsähnliche Symptome, ber ... mehr