Mikrokosmos Küchenschwamm: Verunreinigung mit Bakterien sieht, riecht und fühlt man nicht immer
Auch krankmachende Erreger vermehren sich darin und können sich von dort ausbreiten
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In herkömmlichen Küchenschwämmen („Topfreinigern“) tummeln sich nicht nur zahlreiche Arten von „Allerweltskeimen“, sondern es können auch krankmachende Bakterien wie Salmonellen oder Escherichia coli nachgewiesen werden. Sie können sich in den Schwämmen ansiedeln, vermehren und von dort auch auf andere Oberflächen in der Küche übertragen werden, wie eine neue, am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durchgeführte Untersuchung zeigt. Bemerkenswert ist, dass man den Schwämmen eine Besiedelung mit Keimen nicht anmerkte: Sie zeigten keine auffälligen Veränderungen hinsichtlich des Geruchs, sahen nicht sichtbar verschmutzt oder schmierig aus. Umso wichtiger ist es, die Schwämme in regelmäßigen Abständen zu wechseln, um Infektionen im Haushalt zu vermeiden, betonen die Forschenden. „Nicht wenige Lebensmittelinfektionen haben ihren Ursprung im Privathaushalt und nicht immer sind sie mit ein, zwei Tagen Unwohlsein überstanden“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. „Insbesondere empfindlichen Personengruppen wie älteren oder kranken Menschen, aber auch kleinen Kindern können solche Infektionen durchaus gefährlich werden.“ Die Studie ist im Fachmagazin „Journal of Food Protection“ veröffentlicht.
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge kommt es jährlich zu geschätzt 600 Millionen Lebensmittelinfektionen weltweit. Bekannt und erfasst werden insbesondere Ausbrüche mit mehreren Erkrankten, die im Umfeld von Großküchen oder Caterern ihren Ursprung haben. Fachleuten zufolge ist aber auch die eigene Küche daheim häufig Quelle einer Infektion, etwa wenn bei der Zubereitung verunreinigter Lebensmittel wie z. B. Hähnchenfleisch die Keime durch unzureichende Hygiene in der Küche verteilt werden.
Einmal in der Küche angelangt, sind Schwämme für bakterielle Erreger aufgrund ihrer porösen Oberfläche und der vorhandenen Feuchtigkeit ein ideales Reservoir. Lebensmittelreste, die sich in den Schwämmen verfangen, dienen als „Futter“ und liefern die für eine Vermehrung der Bakterien nötigen Nährstoffe. So ist es zu erklären, dass üblicherweise Küchenschwämme bald nach Nutzungsbeginn mit zahlreichen Arten von Keimen besiedelt sind. Bekannt ist auch, dass im Vergleich zu anderen Reservoiren wie der Spüle oder Schneidebrettern die Keimzahl in Schwämmen in der Regel höher ist.
In der aktuellen Untersuchung zeigten die Forschenden, dass sich auch krankmachende Keime in den Schwämmen festsetzen können. Sie gaben dazu Lösungen mit Escherichia coli und Salmonellen, bedeutende Erreger von Lebensmittelinfektionen, in verschiedenen Keimzahlen auf die Schwämme. Darüber hinaus wurden einige Schwämme mit einer bakterienhaltigen Lösung mit Staphylococcus aureus befeuchtet. Diese Keime können Giftstoffe bilden, die Lebensmittelvergiftungen verursachen können. Es zeigte sich, dass sich alle untersuchten Bakterien ausgehend von recht geringen Keimzahlen innerhalb weniger Tage erheblich vermehren und auch eine mehrtägige Austrocknung überstehen. In weiteren Versuchen zeigten die Forschenden, dass bereits leichter Druck ausreicht, um die Keime von den Schwämmen auf eine Oberfläche zu übertragen. Letztlich können Bakterien bei direktem Kontakt auf Lebensmittel gelangen und – wenn diese ohne weiteres Erhitzen verzehrt werden – eine Lebensmittelinfektion verursachen; dafür reichen mitunter bereits sehr geringe Keimzahlen aus.
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden anhand des Aussehens oder Geruchs, wann sie ihren Schwamm wechseln. Allerdings ist dies ein sehr unzuverlässiger Indikator, denn auch bei hoher Keimzahl stellten die Forschenden keine auffälligen Veränderungen ihrer Versuchsschwämme fest. Wie oft Schwämme ausgetauscht werden sollten, hängt unter anderem von ihrer Nutzung ab. Wurde der Schwamm beispielsweise zum Reinigen von Oberflächen verwendet, die mit rohem Fleisch in Kontakt waren, sollte er anschließend entsorgt werden. Alternativ kann die Keimbelastung durch eine mindestens zweiminütige Behandlung mit über 70°C heißem Wasser verringert werden. Insbesondere in Umgebungen, in denen Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr – Kranke, Kinder oder Ältere – leben, sollten Küchenschwämme häufiger ausgetauscht werden. Als Alternativen zu Küchenschwämmen kommen auch Bürsten oder Mikrofaser-Tücher in Betracht, die früheren Studien zufolge geringere Keimzahlen aufweisen. Sie trocknen schneller und können zudem in der Spül- bzw. Waschmaschine gereinigt werden. Damit die Keimbelastung wirksam reduziert wird, sollten Programme mit Temperaturen von mindestens 60°C verwendet werden.