05.09.2022 - Körber-Stiftung

Anthony Hyman erhält Körber-Preis

Der britische Zellbiologe entdeckte einen völlig neuen Zustand biologischer Materie

Für seine Arbeit zur Erforschung von Zelltröpfchen ist Anthony Hyman der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft verliehen worden. Im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreichten Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, sowie Dr. Lothar Dittmer und Tatjana König vom Vorstand der Körber-Stiftung die Urkunde bei einer feierlichen Preisvergabe.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft hat international einen hervorragenden Ruf und zählt zu den höchstdotierten Wissenschaftspreisen der Welt. In diesem Jahr erhält ihn mit Professor Anthony Hyman ein Wissenschaftler, der in Hamburgs Partnerstadt Dresden an der Schnittstelle zwischen Biologie und Medizin forscht. Seine wissenschaftliche Arbeit kann dazu beitragen, die Ursachen von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Amyotropher Lateralsklerose aufzuklären und wirksame Behandlungsoptionen für diese Erkrankungen zu entwickeln. Ich gratuliere Professor Hyman sehr herzlich zum Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2022.“

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke: „Mit der Verleihung des Körber-Preises gelingt uns in diesem Jahr ein faszinierender Einblick in unser höchstes Gut – unsere Gesundheit. Wie wir unsere Gesundheit bestmöglich erhalten können, ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen, bei deren Lösung Wissenschaft und Forschung entscheidende Schlüsselrollen innehaben. Professor Anthony Hymans Pionierarbeit im Bereich der Zellbiologie ist einer dieser wissenschaftlichen Impulse, der ganze Forschungsfelder maßgeblich verändert und neue Wege schafft. Durch die Erforschung von Kondensaten können wir nun gezielter nach neuen Medikamenten für Krankheiten wie ALS oder Alzheimer suchen. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, dass Forschung mit Forschergeist und interdisziplinärem Austausch auch zuvor Undenkbares erschließen kann. Ich gratuliere Anthony Hyman ganz herzlich zum Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2022 und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg für seine wegweisende Forschungsarbeit am Puls der Zeit.“

Prof. Dr. Anthony Hyman: „Die Neurodegeneration ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für die menschliche Gesundheit. Ein Großteil der Arbeit meines Teams konzentriert sich auf die Anwendung von Methoden der physikalischen Chemie, um zu verstehen, wie zelluläre Prozesse bei Krankheiten versagen. Es ist mir eine große Ehre und Freude, mit dem Körber-Preis 2022 ausgezeichnet worden zu sein, um unsere Forschung weiter voranzutreiben.“

Neue Hoffnung für die Behandlung neurodegenerativer Krankheiten

Anthony Hyman fand heraus, dass sich in der Zellflüssigkeit örtlich Proteine in hoher Konzentration ansammeln können. Diese „Kondensate“ ähneln winzigen Tropfen, die unter anderem den Gesetzen der Biophysik unterliegen. Im Gegensatz zu anderen Zell-Organellen sind Kondensate nicht von einer begrenzenden Membran umgeben. Die stark erhöhte Proteinkonzentration in ihrem Innern regt biochemische Reaktionen an, die außerhalb nicht möglich wären. Kondensate bilden sich dynamisch, teils in Sekundenschnelle, und werden meist auch schnell wieder abgebaut. Bei – oft altersbedingten – Störungen des Abbaus können sich in betroffenen Zellen toxische Stoffe ablagern, die degenerative Krankheiten wie ALS oder Alzheimer auslösen. Hyman sucht nun nach neuen Medikamenten, die diese Krankheiten heilen könnten.

Der Preisträger

Anthony Hyman, 60, wurde in der israelischen Stadt Haifa geboren. Nach dem Studium der Zoologie an der britischen University of Cambridge promovierte er 1987 am King’s College über embryonale Zellteilungen des Fadenwurms Caenorhabditis elegans. Als Postdoc ging er an die University of California in San Francisco. 1993 wurde Hyman Gruppenleiter am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg. 1999 war er eines der Gründungsmitglieder des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden, das er bis heute gemeinsam mit einem Direktor:innenteam leitet. Seit 2007 ist er Fellow der britischen Royal Society, seit 2020 internationales Mitglied der amerikanischen National Academy of Sciences und seit 2021 Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zeichnet seit 1985 jährlich herausragende und in Europa tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für deren zukunftsträchtige Forschungsarbeiten aus. Nach der Auszeichnung mit dem Körber-Preis erhielten bereits sieben Preisträgerinnen und Preisträger den Nobelpreis.

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