RKI: Deutsche Stammzell-Forschung ist ethisch vertretbar

04.05.2005

(dpa) - Das Robert Koch-Institut (RKI) hält die genehmigten Forschungen mit embryonalen Stammzellen in Deutschland für ethisch vertretbar. Bei den in der Diskussion stehenden Experimenten haben Göttinger Forscher vom Menschen stammende Zellen in das Gehirn von Affen gespritzt. Der Nationale Ethikrat will sich künftig mit solchen Chimären-Experimenten beschäftigen. Es sei extrem unwahrscheinlich, dass die Zellen in der verwendeten Anzahl am Verhalten dieser Tiere etwas verändern könnten, sagte Andreas Kurtz, Leiter der RKI-Zulassungsstelle für Stammzellforschung. «Das kann man ausschließen.»

Dass menschliche Nervenzellen für die Forschung in die Gehirne von Mäusen, Ratten oder Affen injiziert würden, sei zudem nicht neu, ergänzte Kurtz. «Das passiert seit Jahren.» Die Stammzell-Forschung stehe noch ganz am Anfang. «Um Rückschlüsse beispielsweise auf therapeutische Anwendungen der Zellen bei neurodegenerativen Krankheiten ziehen zu können, sind Tierversuche unumgänglich».

Die im Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» genannten Göttinger Wissenschaftler möchten eine Therapie für Parkinsonkranke entwickeln. Das Göttinger Team will die Versuchszellen dazu bringen, den Nervenbotenstoff Dopamin im Gehirn zu produzieren, der Parkinsonkranken fehlt. Vor einem etwaigen Einsatz am Menschen sind dazu Tierversuche nötig.

Dass das Affengehirn sich durch die Versuche dem des Menschen angenähert haben könnte, schließen auch die beteiligten Wissenschaftler aus. «Diese wenigen menschlichen Zellen sind nur wie Sandkörner in einem Ozean», sagte der Bioforscher Ahmed Mansouri vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie dem «Spiegel».

In Göttingen seien, anders als im Nachrichtenmagazin berichtet, keine embryonalen Stammzellen in Affengehirne gespritzt worden, erläuterte Kurtz. Es seien vielmehr Nervenzellen verwendet worden, die zuvor in einem Reagenzglas aus menschlichen embryonalen Stammzellen herangezüchtet wurden.

Welche ethischen Grenzen für die Transplantation menschlicher Zellen in Tiere gesetzt werden, sei eine andere Frage, sagte Kurtz. Er hält es für sinnvoll, «diese Frage ethisch intensiv zu beleuchten». Das RKI genehmigt in Deutschland als Bundesbehörde alle Versuche mit embryonalen Stammzellen.

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