Eine Woche nach dem GSK-Schock: Betriebsrat und IGBCE entwickeln Zukunftsplan für Dresden

Externe Fachleute prüfen wirtschaftliche Perspektiven für das traditionsreiche Impfstoffwerk

18.09.2026

Eine Woche nach der Ankündigung von GSK, das Dresdner Impfstoffwerk bis 2028 schließen zu wollen, ziehen Betriebsrat und IGBCE eine erste Zwischenbilanz. Der Standort ist noch nicht gerettet und der Weg bleibt schwierig. Doch schon jetzt steht fest: GSK kann das Werk und seine 641 Arbeitsplätze nicht still und geräuschlos abwickeln.

IGBCE

Gespräch über die Zukunft von GSK Dresden am 16. September 2026 im Sächsischen Landtag: Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, gemeinsam mit Mitgliedern des Betriebsratsgremiums von GSK Dresden, Henning Homann, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, und Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IGBCE Sachsen.

„Dresden hat davon erfahren. Sachsen hat davon erfahren. Deutschland hat davon erfahren. Und auch auf europäischer Ebene ist angekommen, was hier auf dem Spiel steht“, erklärt Philipp Zirzow, Bezirksleiter der IGBCE Sachsen. „Jetzt wird nicht mehr nur über Konzernrenditen gesprochen, sondern über 641 Menschen, ihre Familien und ihre Lebensleistungen. Das ist unser erster gemeinsamer Erfolg.“

Das Sächsische Serumwerk steht für 115 Jahre Geschichte, hoch qualifizierte Beschäftigte und pharmazeutische Kompetenz. Der Standort kann Impfstoffe nicht nur herstellen, sondern verfügt auch über Fähigkeiten bei Abfüllung, Qualitätskontrolle und Verpackung. Dieses Wissen lässt sich nach einer Schließung nicht einfach wieder aufbauen.

Breiter politischer Rückhalt für den Standort

Bereits am Montag kamen Betriebsrat und IGBCE mit dem Sächsischen Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk Panter, zusammen, um über die Lage und mögliche Perspektiven für den Standort zu beraten. Die Unternehmensseite nahm an dem Gespräch nicht teil. Sie begründete dies damit, sich zu diesem Zeitpunkt um die Beschäftigten kümmern zu müssen.

Am 16. September folgten das gesamte Betriebsratsgremium und die IGBCE der Einladung zur Aktuellen Stunde im Sächsischen Landtag. In einem Hintergrundgespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer, Sozial- und Gesundheitsministerin Petra Köpping, Wirtschaftsminister Dirk Panter und dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Henning Homann wurde die Zukunft des Werkes beraten.

Ministerpräsident Kretschmer rief dazu auf, „jetzt nicht die Flinte ins Korn zu werfen“ und gemeinsam mit den Beschäftigten und der Gewerkschaft für eine Zukunft als Pharma- und Produktionsstandort zu kämpfen. Henning Homann betonte: „Dresden ist ein effizienter und moderner Standort, der auch innerhalb von GSK wettbewerbsfähig ist.“

Auch auf europäischer Ebene wächst die Unterstützung. Der sächsische Europaabgeordnete Oliver Schenk will das Thema gegenüber der Europäischen Kommission aufgreifen. Für Betriebsrat und IGBCE ist klar: Der Erhalt pharmazeutischer Produktionskapazitäten ist nicht nur eine regionale Frage, sondern betrifft die Versorgungssicherheit und Widerstandsfähigkeit Deutschlands und Europas.

Nicht nur Widerstand – ein konkreter Zukunftsplan

Parallel zur öffentlichen und politischen Arbeit haben Betriebsrat und IGBCE damit begonnen, einen belastbaren Zukunftsplan zu entwickeln. Gemeinsam mit externen Fachleuten wird geprüft,

  • welche neuen Impfstoffe, Medikamente oder Auftragsproduktionen nach Dresden geholt werden könnten,
  • welche Partnerschaften, Investoren oder neuen Eigentümermodelle möglich sind,
  • ob der Standort eigenständig oder gemeinsam mit neuen Partnern betrieben werden kann,
  • und welche politischen sowie europäischen Instrumente dafür genutzt werden können.

Dazu gehört auch das europäische Gesetz über kritische Arzneimittel. Es soll die Produktion wichtiger Medikamente in Europa stärken und bei politischen Entscheidungen nicht nur den niedrigsten Preis, sondern auch Versorgungssicherheit und vorhandene Produktionskapazitäten berücksichtigen.

„Wir versprechen heute keine fertige Lösung. Aber wir versprechen, dass wir jede ernsthafte Möglichkeit professionell prüfen und die gesamte Kompetenz und Leidenschaft der Menschen am Standort bündeln werden“, so Zirzow.

„Tief getroffen, aber nicht gebrochen“

Auf der Betriebsversammlung, genau eine Woche nach der Schließungsankündigung, waren neben Sorge und Wut vor allem Energie, Zusammenhalt und Entschlossenheit zu spüren.

Peter Mißbach, Betriebsratsvorsitzender von GSK Dresden, erklärt: „Diese Nachricht trifft uns bis ins Mark. Wir sind tief getroffen, aber wir sind nicht gebrochen. Wir werden zeigen, was diese Belegschaft kann und welches Potenzial in diesem Werk steckt.“

GSK bleibt aus Sicht von Betriebsrat und IGBCE in der Verantwortung. Der Konzern muss seine Entscheidungsgrundlagen offenlegen, Alternativen ernsthaft prüfen und erklären, warum für Dresden angeblich keine neuen Produkte, Aufträge oder Partnerschaften möglich sein sollen.

Peter Mißbach erklärt abschließend: „Dieses Werk hat in 115 Jahren zwei Weltkriege, politische Umbrüche, Hochwasser und zahllose Herausforderungen überstanden. Wir werden nicht zulassen, dass eine verantwortungslose Finanzentscheidung ohne erkennbaren ernsthaften Willen, dem Standort eine Zukunft zu geben, diese Geschichte beendet. Jetzt schreiben Beschäftigte, Betriebsrat und IGBCE unsere Geschichte selbst – mit Kompetenz, Leidenschaft, Mut und Zusammenhalt.“

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