Neues Programm hilft ETH-Absolvent:innen, ihre Start-up-Ideen schnell auf den Markt zu bringen
Programm richtet sich erstmals gezielt an ETH-Absolventen, deren Ideen unabhängig von Hochschulforschung entstanden sind
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Neu erhalten ETH-Studierende auch kurz vor oder nach ihrem Abschluss Unterstützung, wenn sie eine vielversprechende Geschäftsidee und einen funktionierenden Prototypen haben. Das neue Programm UPortunity hilft ihnen bei der Gründung ihres Start-ups und macht sie in kürzester Zeit fit für den Markt.
Cara Ammann schloss ihren Master in Biomedizintechnik an der ETH Zürich mit grossem praktischem Wissen über Prototypen und einer vielversprechenden Idee ab: Mit ihrem Start-up Softletics entwickelt sie einen Prothesenschaft, der sich automatisch an Veränderungen des Körpervolumens anpasst und so Betroffenen mehr Komfort und Stabilität bietet.
Der Schaft, der den Arm- oder Beinstumpf mit der Prothese verbindet, ist entscheidend für die Funktion von Prothesen. Bisher waren Anpassungen aber umständlich und teuer.
Ammanns Idee ist überzeugend – doch der Weg vom Prototypen zum erfolgreichen Unternehmen ist anspruchsvoll: Es braucht unter anderem ein gut funktionierendes Team, Fachwissen über Fristen, Finanzen und Verträge, eine gute Marketingstrategie und vor allem Geld von Investor:innen.
«Besonders wertvoll war der Austausch mit anderen Gründer:innen»
Unterstützung erhielt Ammann durch UPortunity, das neue Start-up-Förderprogramm der ETH Zürich. Das neue Programm hilft jungen Gründer:innen dabei, aus Ideen marktfähige Unternehmen zu entwickeln.
Drei Monate lang arbeiten die fürs Programm ausgewählten Teams Vollzeit an ihren Projekten, erhalten finanzielle Unterstützung, Büroräume, fundiertes Wissen, Coaching und Zugang zu einem breiten Netzwerk von Unternehmer:innen und Investor:innen.
«UPortunity war mega cool und wir haben viel gelernt, das wir täglich anwenden», sagt Ammann. Besonders wertvoll sei der tägliche Austausch mit anderen Gründer:innen gewesen.
Förderung abseits der Forschung
Mit UPortunity schliesst die ETH Zürich eine Lücke in ihrem Förderangebot rund um das Unternehmertum. Während Forschende von Programmen wie den Pioneer Fellowships oder dem ETH-Spin-off-Label profitieren können, gab es bisher keine vergleichbare Unterstützung für Studienabgänger:innen, deren Geschäftsideen nicht auf ETH-Forschung beruhen.
«Es gibt unglaublich viele Talente und Ideen an der ETH. Mit dem neuen Programm können wir nun auch Personen unterstützen, die während ihres Studiums eine gute Idee entwickelt haben und diese nach Abschluss verwirklichen möchten», sagt Cornelia Walther, Leiterin des UPortunity-Programms.
Gerade im Student Project House entstehen jedes Jahr zahlreiche Projekte mit unternehmerischem Potenzial. Viele Studierende entwickeln dort erste Prototypen, testen Ideen und sammeln Erfahrungen. Der Schritt zur Firmengründung bleibt jedoch oft schwierig.
Für solche Jungunternehmer:innen führte die ETH Zürich im vergangenen Jahr das Start-up-Label ein. Mit UPortunity haben die anerkannten Start-ups nun auch Zugang zu einem Unterstützungsprogramm.
«Unsere strukturierte Unterstützung hilft dabei, Technologien schneller an den Markt zu bringen», sagt Walther. «Viele Start-ups würden ihren Weg auch ohne Förderung machen. Mit den richtigen Kontakten, Mentor:innen und finanzieller Unterstützung geht es jedoch deutlich schneller.»
Was ist wichtiger: die Technologie oder das Team?
Teilnehmen können Teams mit bis zu fünf Mitgliedern. Der Hauptantragsteller oder die Hauptantragstellerin muss entweder innerhalb der vergangenen zwei Jahre einen ETH-Abschluss erworben haben oder sich in der Schlussphase des Studiums befinden.
Voraussetzung ist eine überzeugende Geschäftsidee mit einem funktionsfähigen Prototypen. Gleichzeitig müssen die Projekte unabhängig von ETH-Forschung und geistigem Eigentum der Hochschule sein. Damit richtet sich UPortunity gezielt an Start-ups und nicht an klassische ETH-Spin-offs, die auf Forschungsergebnissen basieren.
Bei der Auswahl zählt jedoch nicht nur die Technologie. «Für uns sind die Personen mindestens genauso wichtig wie das Projekt selbst», betont Walther. Ein starkes Team könne oft entscheidender sein als eine besonders ausgefeilte technische Lösung. «Wenn die richtigen Menschen dahinterstehen, können sie auch aus einer weniger spektakulären Idee ein erfolgreiches Unternehmen machen.»
Ein Fellowship von drei Monaten und 5000 Franken Projektbudget
Zweimal pro Jahr startet eine neue Kohorte. Bis zu drei Mitglieder eines ausgewählten Teams erhalten während drei Monaten finanzielle Unterstützung und Betreuung im Rahmen eines Fellowships, zudem gibt es ein Projektbudget von 5000 Franken. Die Teams arbeiten im Coworking-Space Westhive in Zürich-West an ihrem Vorhaben – unabhängig davon, ob sie bereits gegründet haben oder auf dem Weg dazu sind. Nach dem intensiven dreimonatigen Programm können sie weitere neun Monate im Westhive bleiben und das Netzwerk und die Räume weiterhin kostenlos nutzen.
Die Gemeinschaft ist ein zentrales Element von UPortunity. Die Mitarbeitenden der verschiedenen Start-ups arbeiten nicht nur Tisch an Tisch, sondern tauschen Erfahrungen, Kontakte und Herausforderungen miteinander aus. Zudem organisiert das Programm regelmässig gemeinsame Aktivitäten. Ob Escape Room, Curling oder Foxtrail – die Teams werden bewusst durchmischt, damit Kontakte über die eigenen Start-ups hinaus entstehen.
Finanziert wird UPortunity im Rahmen der Partnerschaft zwischen der ETH Zürich und UBS. Die Bank bringt sich zudem mit Expert:innen, Workshops und Beratungsangeboten ein. Lukas Döbelin, Leiter Akademische Partnerschaften bei UBS, sagt: «UPortunity setzt dort an, wo viele junge Gründer:innen den entscheidenden nächsten Schritt machen: von der Idee und dem Prototypen hin zu einem kommerzialisierbaren Angebot. Gemeinsam mit der ETH Zürich schaffen wir ein Umfeld, das Talent, Unternehmergeist und konkrete Unterstützung verbindet.»
Grosser Auftritt vor Investor:innen
Den Höhepunkt jeder Kohorte bildet der sogenannte Demo Day. Dort präsentieren die Jungunternehmer:innen ihre Geschäftsideen vor Investor:innen und Branchenvertreter:innen.
Damit deckt das Förderprogramm nicht nur Wissen rund um eine Gründung, Verständnis für den Markt und erfolgreiches Netzwerken ab, sondern schafft auch Zugang zu nötigem Kapital. Für viele Teams ist er die erste Gelegenheit, ihre Idee einem grösseren Kreis potenzieller Geldgeber vorzustellen.
Mit Feedback von Gründer:innen das Programm weiterentwickeln
Die Erfahrungen der ersten beiden Kohorten sorgten bereits für eine Weiterentwicklung des Programms. Viele Teilnehmende wünschten sich beispielsweise noch mehr praktische Anwendungen. Deshalb gibt es nun zusätzliche individuelle Beratungsgespräche, in denen die Expert:innen direkt mit den einzelnen Start-ups an konkreten Fragestellungen arbeiten.
Auch die Zulassung wird erweitert. Künftig können auch Interessierte teilnehmen, die ihr Studium noch nicht abgeschlossen haben und sich im letzten Bachelor- oder Masterjahr befinden.
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