43% der Weltbevölkerung betroffen: Neuer Wirkstoff besiegt Magenkrebs-Erreger

Durchbruch gegen resistente Magenkrebs-Bakterien mit 60-fach stärkerem Antibiotikum

20.03.2026
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Hoffnung für Vermeidung von Magenkrebs (Symbolbild).

Bedeutender Fortschritt zur möglichen Vorbeugung von Magenkrebs: Forschende der Technischen Universität München (TUM) konnten durch chemische Anpassungen die Wirksamkeit eines Standard-Antibiotikums um das 60-Fache steigern. Im Labor und im Tierversuch bekämpft der neue Wirkstoff das mit Magenkrebs in engem Zusammenhang stehende Bakterium Helicobacter pylori sehr erfolgreich. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin Nature Microbiology veröffentlicht.

Weltweit sind rund 43 Prozent der Bevölkerung mit diesem Bakterium infiziert. Es kann chronische Magenschleimhautentzündungen verursachen, zu Magengeschwüren führen und gilt als zentraler Risikofaktor für Magenkrebs. Standardtherapien basieren vor allem auf dem Antibiotikum Metronidazol. Doch H. pylori wird zunehmend unempfindlich dagegen und entwickelt Resistenzen. Deshalb sind immer höhere hohe Dosierungen und Kombinationen mit weiteren Antibiotika nötig.

Das Team um Prof. Stephan A. Sieber vom Lehrstuhl für Organische Chemie II an der TUM School of Natural Sciences untersuchte die Wirkmechanismen des Antibiotikums nun im Detail. Dass Metronidazol im Bakterium sogenannten „oxidativen Stress“ auslöst, also chemische Reaktionen, die Zellbestandteile schädigen, war bereits bekannt. Die Forschenden fanden aber neu heraus, dass Metronidazol zusätzlich zwei zentrale Schutzproteine von H. pylori direkt angreift: ein Enzym zur Entgiftung schädlicher Sauerstoffverbindungen und ein Protein, das beschädigte Eiweiße repariert.

Die Erstautorinnen der Studie, Dr. Michaela Fiedler und die Doktorandin Marianne Pandler, beide am Lehrstuhl für Organische Chemie II, erläutern: „Auf Basis unserer neuen Grundlagenerkenntnisse entwickelten wir chemisch leicht veränderte Varianten von Metronidazol, sogenannte Ether-Derivate. Diese molekulare Optimierung führt dazu, dass der Wirkstoff sich besser und stabiler an die Zielproteine anheften kann. Dadurch kann H. pylori oxidativen Stress schlechter abwehren und geht im besten Fall zugrunde.“

In Laborversuchen analysierten die Forschenden nicht nur eine bis zu 60-fach höhere Wirksamkeit gegen das übliche Bakterium H. pylori, sondern auch Schlagkraft gegen bereits resistente Bakterienstämme. Zugleich fanden sie keine erhöhte Giftigkeit des angepassten Wirkstoffs für menschliche Zellen.

Bei Mäusen gelang es ihnen mit dem Wirkstoff, die Infektion mit H. pylori vollständig zu beseitigen – und das bereits mit einer sehr niedrigen Dosierung. Außerdem wurde das übrige Darmmikrobiom der Mäuse weniger stark beeinträchtigt als bei der bisherigen Standardtherapie.

Prof. Stephan A. Sieber betont: „Wir haben hier einen sehr vielversprechenden möglichen Wirkstoff zur Senkung des Magenkrebsrisikos entwickelt. Allerdings müssen die Ergebnisse noch in klinischen Studien am Menschen bestätigt werden. Sollte dies gelingen, wäre das ein echter medizinischer Durchbruch.“

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