06.02.2020 - Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt GmbH

Hepatitis-B: Neuer Therapieansatz könnte Ausheilung chronischer Hepatitis-B-Infektionen ermöglichen

Forschende des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben einen neuartigen Therapieansatz zur Heilung chronischer Hepatitis-B entwickelt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fanden heraus, dass die große Menge an Proteinen, die das Hepatitis-B-Virus in der Leber bildet, die körpereigene Abwehr hemmt und dadurch eine effektive Therapie verhindert. Die Forschenden konnten zeigen, dass eine Unterdrückung dieser Virusproteine eine erfolgreiche therapeutische Impfung ermöglicht. Die neuartige Impfung wird ab 2021 in klinischen Studien erprobt werden.

Rund 260 Millionen Menschen, mehr als drei Prozent der Weltbevölkerung, sind chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Jährlich sterben weltweit 880.000 Betroffene an den Folgen: Leberzirrhose und Leberzellkarzinom. Derzeit gibt es keine Möglichkeit zur Heilung. Denn die bisher vorhandenen Therapien verhindern nur die Vermehrung des Virus, können die Infektion jedoch nicht ausheilen. Solange infizierte Menschen keine ausreichende Immunantwort bilden können, überlebt das Virus. An diesem Punkt setzte Prof. Ulrike Protzer, Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und der TUM, gemeinsam mit ihrem Team an.

Neuartiger Therapieansatz

In Untersuchungen am Mausmodell fand die Gruppe heraus, dass Proteine des Hepatitis-B-Virus bestimmte Immunzellen des Körpers, sogenannte CD8-T-Zellen, hemmen. Eine wirksame Immunantwort des infizierten Körpers ist daher nicht möglich. Auf dieser Erkenntnis aufbauend entwickelte die Gruppe einen neuartigen Therapieansatz: Zuerst wird die Bildung der Virusproteine unterdrückt, um anschließend die Immunzellen durch eine Impfung zu aktivieren. Anders als bei der herkömmlichen Impfung, die einer Erkrankung vorbeugen soll, dient eine solche therapeutische Impfung der Heilung von chronischen Krankheiten.

Unterdrückung von Virusproteinen in Mäusen erfolgreich

Dafür entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst eine Methode, um die Hepatitis-B-Virus-Proteine zu unterdrücken. Sie nutzen siRNAs, kleine Ribonukleinsäure-Moleküle, die sich an die Boten-RNA der Virusproteine binden. Durch die Markierung der Boten-RNA mit siRNA erhält die infizierte Zelle das Signal, dass die Virus-RNA unerwünscht ist und baut sie ab. Dies führt zur Unterdrückung der Proteinbildung. Doch die Unterdrückung der Proteine reichte nicht aus, um die Hemmung der CD8-T-Immunzellen in chronisch erkrankten Mäusen aufzuheben.

Infektion heilte in Mäusen aus

Deshalb ging die Gruppe noch einen Schritt weiter: „Wir kombinierten die siRNA-Methode anschließend mit einer von uns entwickelten therapeutischen Impfung. Dadurch gelang es uns, in den Mäusen eine starke Immunantwort gegen das Virus auszulösen. Die Hepatitis-B-Infektion heilte aus“, erklärt Dr. Thomas Michler, Arzt und einer der beiden Erstautoren der Studie.

Neuartige therapeutische Impfung bald in klinischen Studien

Der neu entwickelte Impfstoff, genannt TherVacB, soll als Immuntherapie ab 2021 in einer zweijährigen klinischen Studie erprobt werden. „Der therapeutische Impfstoff, den wir entwickelt haben, ist sehr vielversprechend, da er neutralisierende Antikörper und T-Zell-Antworten induziert“ sagt Dr. Anna Kosinska, die andere Erstautorin der Studie. Der Impfstoff soll in drei Gaben alle vier Wochen verabreicht werden. Er ist außerdem so konzipiert, dass er die Mehrheit aller vorkommenden Hepatitis-B-Viren abdeckt, und damit für Infizierte weltweit angewandt werden kann.

„Wir sind froh, dass wir für die klinische Studie von TherVacB mit einem europaweiten Konsortium führender Virologen, Immunologen und Hepatologen, unter Leitung des Helmholtz Zentrums München, zusammenarbeiten können“, ergänzt Protzer. Das Konsortium erhält dafür eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen von Horizon 2020 (H2020-SC1-2019) von mehr als 10 Millionen Euro.

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