Pilzcontainer auf dem Forschungscampus: Fraunhofer testet urbane Lebensmittelproduktion
Fraunhofer-Institutszentrum Stuttgart testet gemeinsam mit Kleinblatt und Fungi Feeds Pilzcontainer als Baustein für Lebensmittelversorgung der Zukunft
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Zwölf Meter langer Pilzcontainer für den Fraunhofer-Campus: Seit Juni testet das Fraunhofer-Institutszentrum Stuttgart im Rahmen des »Stuttgart Climate Tech Hub« gemeinsam mit Kleinblatt und Fungi Feeds, wie Lebensmittel künftig lokal, ressourcenschonend und wetterunabhängig produziert werden können.
Die Speisepilzzucht gilt mit steigender Nachfrage und wachsendem Markt als vielversprechender Baustein für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion. Containerlösungen benötigen wenig Fläche, lassen sich gut in urbane Räume integrieren, vollständig klimaneutral betreiben und ermöglichen durch kontrollierte Umweltbedingungen einen ganzjährigen Anbau für die Pilzzucht. Seit Mitte Juni steht ein über zwölf Meter langer Pilzzuchtcontainer auf dem Gelände des Fraunhofer-Institutszentrums Stuttgart (IZS). Im Rahmen der Projektplattform »Stuttgart Climate Tech Hub (S-CTH)« bietet der Forschungscampus sich als Standort für den vom Stuttgarter AgTech-Unternehmen »Kleinblatt« und dem FoodTech-Start-up »Fungi Feeds« betriebenen Container besonders an. Kleinblatt baut bereits mitten in der Stadt in einer sogenannten City Farm lokal Keimlinge sowie Gourmet-Pilze für regionale Gastronomiebetriebe an. Der neue Pilzcontainer erweitert die Produktionskapazitäten für die regionale Versorgung sowie für die bundesweite Vermarktung. Mit Kleinblatt und Fungi Feeds gewinnt der S-CTH zwei Technologiepartner, die innovative FoodTech-Produktentwicklung, regionale Lebensmittelproduktion und Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Der S-CTH ist für die operative Umsetzung des Containers zuständig.
»Die Kooperation mit lokalen Partnern wie Kleinblatt und Fungi Feeds zeigt, wie wir durch den S-CTH Unternehmen den idealen operativen Rahmen bieten und gleichzeitig durch unser Forschungs-Know-how und Netzwerk dabei unterstützen können, solche neuartigen Ansätze für Nachhaltigkeit zu erproben und vor allem mit weiteren Technologien zu vernetzen.« Dr. Steffen Braun, Projektinitiator und stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Pilzzucht im Container: Klimafreundlich und effizient
Die Pilzzucht im Container ermöglicht eine hocheffiziente, konsumentennahe und konsistente Produktion von Speisepilzen im Vergleich zur herkömmlichen Freilandzucht. Durch die Kontrolle der Umweltbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂-Gehalt lassen sich Speisepilze ganzjährig, platzsparend und planbar kultivieren. Mehrere hundert Kilo Speisepilze sind bei guten Bedingungen pro Monat zu ernten und diese gelten als hochkarätiges »Superfood« mit bioaktiven Vitalstoffen. Während Kleinblatt die frisch geernteten Gourmetpilze an Restaurants, Hotels und Gemeinschaftsverpflegung in der Region liefert, macht Fungi Feeds die Produkte für Privatkunden verfügbar. Darüber hinaus werden auf Pilzbasis innovative Premium-Lebensmittel entwickelt und unter anderem zu Pilz-Bratwurst, Pilz-Steak, Pilz-Hack sowie einer pflanzlichen Interpretation von Foie Gras verarbeitet. So entsteht am Fraunhofer-Campus eine durchgängige Wertschöpfungskette von der regionalen Produktion bis zur innovativen Lebensmittelverarbeitung. Lokale Pilzzuchtanlagen stärken so die Versorgungssicherheit und Resilienz sowie regionale Kreislaufwirtschaft.
»Mit dem Demonstrator am Fraunhofer-Campus entsteht der erste Baustein einer modularen und dezentralen Lebensmittelinfrastruktur. Das Konzept soll zeigen, wie regionale Lebensmittelproduktion künftig resilienter gegenüber Klimawandel und Lieferkettenstörungen gestaltet werden kann. Langfristig verfolgt Kleinblatt gemeinsam mit Fungi Feeds die Vision eines Netzwerks modularer Produktionseinheiten, die Städte und Regionen regional mit frischen Pilzen und innovativen Pilzprodukten versorgen.« Jedrzej Cichocki, Geschäftsführer der Kleinblatt GmbH und Mitgründer der Fungi Feeds GmbH
S-CTH: Innovationsplattform für klimaneutrale Technologien auf dem Campus
Mit dem Projekt »Stuttgart Climate Tech Hub (S-CTH)« entsteht am Fraunhofer- Institutszentrum Stuttgart eine innovative Multi-Projekt-Plattform sowie ein modulares und regulatorisches Testfeld für klimaneutrale Technologien, nachhaltige Transformation und Co-Innovation zwischen Forschung und Wirtschaft. Alle fünf ansässigen Fraunhofer- Institute, das Fraunhofer IAO, Fraunhofer IBP, Fraunhofer IGB, Fraunhofer IPA und Fraunhofer IRB sind beteiligt. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden- Württemberg fördert das Vorhaben mit über vier Millionen Euro bis Ende 2027.
Unternehmen als Schlüsselakteure für weitere Vorhaben
Interessierte Unternehmen können Teil des wachsenden Partnernetzwerks rund um die Climate Tech Hub Initiative werden und sich mit eigenen Demonstratoren, Technologien oder Forschungsfragen initiativ einbringen. Der S-CTH bietet dafür die notwendige und offene Infrastruktur sowie wissenschaftliche Expertise von fünf Fraunhofer-Instituten am Campus für die Vorhaben. Der S-CTH schafft damit eine besondere Forschungs- und Erprobungsumgebung, in der innovative Ideen zu Klima- und Resilienztechnologien für zahlreiche Liegenschaften und Unternehmensstandorte entstehen, getestet, skaliert und zur Marktreife weiterentwickelt werden können.