Neues Medikament gegen MS

Studie weist Wirksamkeit eine Krebsmedikamentes gegen Multiple Sklerose nach

10.02.2003

Auch Heinrich Heine wurde von ihr gequält. Heute leiden in Deutschland 130.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS), der häufigsten entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Allein 35.000 davon in Nordrhein-Westfalen. Bringt ihnen ein neues Medikament Erleichterung? Beteiligt waren 17 MS-Zentren in Deutschland, Belgien, Ungarn und Frankreich. Über zwei Jahre unterzogen sich 197 Patienten einer kontrollierten Studie mit dem Präparat "Mitoxantron". Leiter des Forschungsprojektes, bei dem 50 Neurologen, Radiologen und Statistiker mitarbeiteten: Prof. Dr. Hans-Peter Hartung (Foto), seit 2001 Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Düsseldorf.

"Das Medikament ist schon seit den 70er Jahren in Amerika auf dem Markt, es wurde und wird zur Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt, bösartigen Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems", berichtet der Mediziner. "In den 80ern gab es dann erste Hinweise, daß das Präparat nicht nur cytostatisch wirkt, sondern auch immunsupressiv. Und jetzt haben wir in dieser internationalen Studie erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, bei welchen Formen der Multiplen Sklerose Mitoxantron helfen kann. Jetzt ist es auch in Deutschland zugelassen."

MS kommt häufig bei jungen Erwachsenen in der dritten und vierten Lebensdekade vor. Meist tritt sie anfangs in Schüben auf, im Verlauf wird sie meist chronisch (80 Prozent der Patienten haben diese "sekundär progrediente" Form). Die Patienten haben Lähmungserscheinungen, Gefühls- und Sehstörungen, die Koordination stimmt nicht mehr, die Kontrolle über Blase und Mastdarm geht verloren. Auch treten früh kognitive Störungen auf. Ihr Zustand verschlimmert sich, am Ende steht die Bettlägerigkeit. Das klassische Gegenmittel bisher: Cortison. Für die Langzeittherapie der sekundär progredienten Form gab es bislang einzig Betainterferon - mit fraglicher Wirksamkeit.

"Wir haben Mitoxantron über zwei Jahre verteilt jeweils alle drei Monate verabreicht. Also insgesamt acht Mal. Mit ausgezeichneten Ergebnissen! Die Patienten haben eine deutlich geringere Behinderungszunahme, eine bessere Gehfähigkeit, die Zahl der Krankheitsschübe verringerte sich. Die Behandlung wurde insgesamt gut vertragen."

In der Neurologischen Klinik der Düsseldorfer Universität werden pro Jahr 800 MS-Erkrankte behandelt, sie machen immerhin ein Fünftel aller stationären Patienten aus. Seit 2001 bekamen auch Düsseldorfer Mitoxantron. Erfolgreich. "Mit dem neuen Medikament haben wir jetzt endlich eine auch in Deutschland zugelassene Substanz, die wir bei der 'sekundär progredienten' und bei schwerer schubförmiger Multipler Sklerose zur erfolgreichen Therapie einsetzen können", freut sich Hartung.

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