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Tropenkrankheiten schnell und sicher erkennen

Weltweit einmaliges Projekt in Hamburg setzt Standards bei Diagnostika

03.04.2012

Ihre Namen lesen sich, als würden sie uns nichts angehen: Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber, Krim-Kongo-Fieber, Malaria, Rickettsien. Aber längst sind Tropenkrankheiten kein regional begrenztes Problem mehr. Die Mobilität ist hoch. Urlauber oder Mitarbeiter international tätiger Unternehmen können sich mit „exotischen Krankheiten“ infizieren. Krankheitserreger werden durch den globalen Warenverkehr eingeschleppt. Mit der steigenden Bedeutung von Tropenkrankheiten – auch in den westlichen Industrienationen – steigt auch der Bedarf an zuverlässigen Testverfahren zum Nachweis von Infektionen.

Für die Entwicklung und Vermarktung solcher Test-Kits haben das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) und die ADT Altona Diagnostic Technologies GmbH ein Public-Privat-Partnership geschlossen. Kern der Zusammenarbeit ist der Aufbau einer umfassenden Referenzbank,  in der Proben von Patienten mit tropischen Erkrankungen erfasst werden. Diese Sammlung bildet die Basis für die Entwicklung der neuen Tests. „Ich freue mich sehr, dass in Hamburg ein weltweit einzigartiges Kooperationsprojekt zur Tropendiagnostik startet. Mit einem Volumen von mehr als neun Millionen Euro wird das Projekt vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Handlungsfeldes „Innovation, Vernetzung und Wissenstransfer“ mit 4,63 Millionen Euro gefördert. Die Bewilligung dieser EFRE-Mittel zeigt, welche besondere Bedeutung diesem Thema und dem dazu entwickelten Kooperationsprojekt beigemessen wird. Die Freie und Hansestadt Hamburg beteiligt sich ebenfalls an dem Projekt und stellt 400.000 Euro zur Verfügung“, erklärt die Hamburger Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt.

Beide Partner bringen ihre besondere Expertise auf dem Gebiet der Test-Entwicklung ein, die sich optimal ergänzt: Das BNI zeichnet sich durch weitreichende Kenntnisse über das Vorkommen von Tropenkrankheiten und große Erfahrung in der Identifizierung von Krankheitserregern aus. Zudem verfügt das BNI über eine einzigartige Sammlung tropentypischer und seltener Infektionserreger sowie Proben von infizierten Patienten. „Wir führen kontinuierlich über 100 diagnostische Tests durch. Die dazu notwendigen Reagenzien stellen wir zum größten Teil selbst her“, hebt Prof. Dr. Rolf Horstmann, Vorstandsvorsitzender des BNI, eine weitere Besonderheit des BNI hervor. Ein zusätzlich wichtiger Aspekt: Das Institut unterhält Hochsicherheitslaboratorien, in denen gefährliche, aber für die Testentwicklung unbedingt erforderliche Viren gezüchtet und vermehrt werden können. Hinzu kommt die Anbindung an den klinischen Bereich. Prof. Horstmann: „Wir gehören zu den wenigen, die epidemiologische Erfahrung, Laborforschung und klinische Versorgung vereinen.“

Die ADT Altona Diagnostic Technologies wiederum ist spezialisiert auf den gentechnischen Nachweis von Erregern mit Hilfe der DNA/RNA-Analytik. Dr. Ulrich Spengler, Geschäftsführer von ADT, erläutert die Vorteile dieses Verfahrens: „Die DNA/RNA-Analytik ist sehr empfindlich, hochspezifisch, schnell und liefert objektivierbare Ergebnisse.“ Also genau die Voraussetzungen, die Ärzte an einen Test-Kit stellen, um Infektionen und deren Ausbreitung schnell und sicher festzustellen und entsprechende Therapien einzuleiten.

Dr. Hinrich Habeck, Geschäftsführer der Norgenta Norddeutsche Life Science Agentur GmbH, sieht neben erheblichem wirtschaftlichem Potenzial die Chance, Norddeutschland als Wissenschaftsstandort weiter zu profilieren: „Der Aufbau der Referenzprobenbank mit internationaler Bedeutung steigert die nationale und weltweite Sichtbarkeit für beide Partner und Norddeutschland“, so Habeck. Die Entwicklung und Vermarktung von Test-Kits schafft neue, attraktive Arbeitsplätze für qualifizierte Wissenschaftler und technisches Personal im BNI und bei Altona Diagnostic Technologies. Die Norgenta hat in ihrer Funktion als Clustermanagerin dieses Public Private Partnership mit initiiert und fachlich begleitet.

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