03.11.2021 - Universität Basel

Coronavirus: Nur geringes Übertragungsrisiko beim Fussballspielen

Vorsicht ist dennoch geboten

Eine Übertragung des Covid-19-Virus auf dem Spielfeld ist kaum möglich, das zeigt eine Studie der Universitäten Basel und des Saarlandes. Sie schlagen vor, von pauschalen Quarantänemassnahmen für die gegnerische Mannschaft abzusehen, wenn keine engen Kontakte ausserhalb des Spielfelds stattgefunden haben.

Um die Übertragung des Covid-19-Virus einzudämmen haben Regierungen in den letzten anderthalb Jahren verschiedene Massnahmen eingeführt. Dazu zählen auch die eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten für Mannschaftssportarten wie beispielsweise Fussball.

Wie gross die Ansteckungsgefahr im Training oder bei Spielen tatsächlich ist, war bislang jedoch unklar. Dieser Frage ging eine Forschungsgruppe des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes um Dr. Florian Egger und Prof. Tim Meyer in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftler Dr. Oliver Faude von der Universität Basel nun nach. Finanziert hat die Studie der Deutsche Fussball-Bund.

Ansteckungen auf dem Spielfeld kaum möglich

Von August 2020 bis März 2021 sammelte das Forschungsteam von der Profiliga über den Amateurfussball bis zum Jugendfussball knapp 1300 Verdachtsfälle einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Daraus identifizierten sie 104 Situationen, bei denen mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ein infektiöser Spieler an einer Trainingseinheit oder einem Spiel teilnahm. Mittels Contact Tracing und detaillierten Videoanalysen von insgesamt 21 Spielen evaluierten die Forschenden anschliessend potenziell relevante Übertragungswege. Die Videoanalysen zeigten, infektionsrelevante Kontakte sind beim Fussballspielen selten und in der Regel von sehr kurzer Dauer.

Bei zwei der 104 untersuchten Fälle kann die Forschungsgruppe eine Übertragung auf dem Feld nicht komplett ausschliessen. Allerdings kommen in beiden Fällen auch andere potenzielle Übertragungswege infrage wie private Treffen, Busfahrten ohne Maske oder Kontakte am Arbeitsplatz.

Die Forschenden kommen zum Schluss, dass Outdoor-Sportaktivitäten mit minimalem Körperkontakt ein sehr geringes Ansteckungsrisiko darstellen und somit eine sichere Option für Sport und Bewegung während der Pandemie sind. Sie schlagen deshalb vor, Hygienemassnahmen und Anordnungen der Gesundheitsämter auf Situationen ausserhalb des Spielfelds zu beschränken und von pauschalen Quarantänemassnahmen für die gegnerische Mannschaft abzusehen, wenn keine engen Kontakte ausserhalb des Spielfelds stattgefunden haben.

Vorsicht ist dennoch geboten

Bevor man diese Erkenntnisse in den politischen Entscheidungsprozess über Massnahmen einfliessen lässt, gilt es aber Folgendes zu bedenken: Die Daten stammen aus einem Zeitraum, in dem die Delta-Variante noch nicht die vorherrschende Virusvariante war. Regelmässige PCR-Testung der gesamten Mannschaft bis zwei Wochen nach dem positiven Test eines Spielers fand nur im Profifussball statt. Im Amateur- und Jugendbereich folgte man bei den PCR-Tests den Empfehlungen der jeweiligen Behörden und führte 14-tägige Symptom-Monitorings durch. Dabei wurden asymptomatische Fälle möglicherweise nicht erfasst.

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