12.08.2020 - Atriva Therapeutics GmbH

Atriva wirbt 8,6 Mio. € ein

Verwendung der Mittel für Phase II-Studie mit ATR-002 zur Behandlung mittelschwer bis schwer verlaufender COVID-19-Erkrankungen

Das biopharmazeutische Unternehmen Atriva Therapeutics GmbH, ein Vorreiter bei der Entwicklung von gegen Wirtszellen gerichteten antiviralen Therapien, gab bekannt, dass das Unternehmen im Rahmen einer überzeichneten Wandelanleihe Mittel in Höhe von 8,6 Mio. € (10,2 Mio. $) eingeworben hat. Die Finanzierungsrunde wurde unter Führung der bestehenden Investoren Meneldor B.V. und High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie mit Beteiligung von weiteren deutschen und internationalen Investoren durchgeführt.

Mit dieser Finanzierung kann Atriva eine multinationale, doppelblinde, randomisierte klinische Phase II-Studie mit Patienten mit mittelschwer bis schwer verlaufender COVID-19-Erkrankung beginnen, sobald das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die entsprechende Genehmigung erteilt hat. Die Mittel sollen zudem zur Vorbereitung einer Phase II-Studie bei Influenza und zum Aufbau einer Therapieplattform zur Behandlung von durch RNA-Viren ausgelösten Atemwegsinfektionen, wie Hantaviren, verwendet werden. Der MEK-Hemmer ATR-002 richtet sich gegen einen Faktor in der menschlichen Wirtszelle, der für die Replikation verschiedener RNA-Viren, einschließlich Influenzaviren und SARS-CoV-2, benötigt wird. Er wurde speziell zur Behandlung von Virusinfektionen der Atemwege entwickelt.

Präklinische Studien konnten zeigen, dass die MEK-Inhibition mit ATR-002 eine Vermehrung von SARS-CoV-2 verhindert. Außerdem wird die proinflammatorische Zytokin- und Chemokin-Ausschüttung in menschlichen Zellen und in einem Tiermodell zur akuten Lungenschädigung (acute lung injury, ALI) signifikant verringert. Diese präklinischen Studien zeigen zudem, dass ATR-002 bei Patienten mit COVID-19 einen Zytokin-Sturm verhindern und so das Fortschreiten der Krankheit zu einem lebensbedrohlichen Zustand aufhalten könnte.

"Unser starkes Vertrauen in die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die der Gründung von Atriva zugrunde liegen, in Verbindung mit der Tatkraft und der Belastbarkeit des Management-Teams, veranlasste uns bei Meneldor, weiter in diese wichtige Technologie zu investieren. Wir beglückwünschen das Team zu den bisherigen Leistungen und blicken mit Zuversicht auf die weitere Entwicklung des Unternehmens, besonders auf die nächsten klinischen Meilensteine", sagt Paul Lelieveld, Mitgründer und Partner, Meneldor, Niederlande.

"Aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht ist dieser Therapieansatz eine starke Option für COVID-19-Patienten und ihre Ärzte, bis es einen breiten Zugang zu Impfstoffen gibt, die für alle Menschen weltweit eingesetzt werden können. Unserer Analyse zufolge hat ATR-002 in dieser Hinsicht großes Potenzial, wie auch für andere Infektionskrankheiten, welche durch RNA-Viren verursacht werden", sagt Frans van Dalen, Mitgründer und Partner von Meneldor.

"Nach den jüngsten präklinischen Studien und angesichts der 2019 abgeschlossenen Phase I-Studie sind wir sehr zuversichtlich, dass ATR-002 den dringenden Bedarf für eine wirksame COVID-19-Therapie decken kann. Die Wirkungsweise dieses oralen Therapieansatzes unterscheidet sich maßgeblich von anderen Therapien, die derzeit entwickelt werden. Wir sind vom hohen Erfolgspotenzial dieser Technologie überzeugt, die zudem auch bei anderen sich schnell ausbreitenden Virusinfektionen der Atemwege eingesetzt werden könnte. Außerdem freuen wir uns darauf, die Zusammenarbeit mit dem Team von Atriva bei diesen dringend benötigten Phase II-Studien fortsetzen zu können, die vielleicht in eine behördliche Zulassung für diesen oral verfügbaren niedermolekularen MEK-Inhibitor münden", sagt Dr. Frank Hensel, Principal des High-Tech Gründerfonds.

"Mit der weiteren Unterstützung durch unsere erfahrenen Investoren konzentrieren wir uns nun auf den Start dieser wichtigen Phase II-Studie zur Behandlung von Patienten mit mittelschwer oder schwer verlaufenden COVID-19-Erkrankungen. Diese Transaktion ist mit weiteren Finanzierungsmaßnahmen verbunden, die Atriva die Durchführung von insgesamt zwei Phase II-Studien bei COVID-19 und Influenza ermöglichen", sagt Dr. Rainer Lichtenberger, Mitgründer und CEO von Atriva.

Über die Wirkungsweise von ATR-002

Der Wirkstoffkandidat ATR-002 – das am weitesten fortgeschrittene Produkt von Atriva – befindet sich in klinischer Entwicklung und wurde spezifisch für die Behandlung von Krankheiten entwickelt, die durch RNA-Viren, wie Influenza oder COVID-19, verursacht werden. ATR-002 ist ein MEK-Inhibitor, der gegen den intrazellulären Raf/MEK/ERK-Signalweg gerichtet ist. Dieser Signalweg ist entscheidend für die Replikation vieler RNA-Viren, zu denen Influenzaviren, Hantaviren oder RS-Viren (respiratory syncytial virus) ebenso gehören wie SARS-CoV-2, die COVID-19 verursachen. Bei Influenzavirus-infizierten Zellen unterbindet ATR-002 über die Inhibition von MEK (MAPK/ERK-Kinase) den Export der viralen Genom-Proteinkomplexe (Ribonukleoproteine, RNPs) vom Kern ins Zytoplasma und verhindert so die Bildung neuer funktionaler Viruspartikel. Dadurch wird die Viruslast im Körper reduziert.

Daneben hat ATR-002 das Potenzial, das Immunsystem zu modulieren und kann eine unkontrollierte überschießende Entzündungsreaktion durch Zytokine, wie sie manchmal bei solchen Virusinfektionen auftritt, hemmen. Bei Patienten, die schwer an Influenza oder COVID-19 erkrankt sind, kann ATR-002 die Genexpression einiger der beteiligten Zytokine, wie TNF-α, IL-1ß, IP-10, IL-8, MCP-1 and MIP-1a, verringern und so die überaktive Immunantwort in der Lunge dieser Patienten abmildern.

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