06.05.2020 - Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI)

Zecken können das Bakterium Coxiella burnetii übertragen

Erreger des Q-Fiebers im Kot von Zecken nachgewiesen

Forscher vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI konnten nachweisen, dass Zecken den Erreger des Q-Fiebers übertragen. Dabei spielt vor allem der Zeckenkot eine Rolle, in dem die Bakterien in hohen Konzentrationen zu finden sind.

Das Q-Fieber gehört in der EU zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Es handelt sich um eine Zoonose, also eine von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheit, die durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst wird. Das Bakterium befällt u.a. Rinder, Schafe und Ziegen und vor allem Tierärzte und Tierhalter haben ein erhöhtes Risiko sich anzustecken. Bei etwa der Hälfte der infizierten Menschen treten grippeähnliche Symptome auf. Diese können durch Entzündung von Lunge, Leber, Herzmuskel oder Gehirn kompliziert werden. Chronische Krankheitsverläufe, hauptsächlich Herzklappenentzündungen, sind zwar selten, aber wegen ihrer Krankheitsschwere gefürchtet.

Für Deutschland notiert das Robert Koch-Institut in seinem »Infektionsepidemiologischen Jahrbuch« für 2018 insgesamt 93 Q-Fieber Fälle, europaweit wurden lt. dem »Q fever – Annual Epidemilogical Report«, der vom European Centre for Disease Prevention and Control herausgegeben wird, 794 Fälle als bestätigt gemeldet. »Insgesamt sind die Fallzahlen also nicht sehr hoch. Allerdings starben in den Niederlanden in den letzten zehn Jahren etwa 100 Personen an den Folgen von Q-Fieber, obwohl die Krankheit mit Antibiotika sehr gut behandelbar ist«, erläutert Dr. Gustavo R. Makert dos Santos, der die Studien in der Arbeitsgruppe Impfstoff-Technologien am Fraunhofer IZI geleitet hat. Größtes Problem aus seiner Sicht, Humanmediziner hätten oftmals noch zu wenig Kenntnis vom Q-Fieber und würden die Krankheit deshalb nicht entsprechend diagnostizieren. Dies war einer der Gründe das interdisziplinäre Konsortium Q-GAPS, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, ins Leben zu rufen. Das Fraunhofer IZI ist hier beteiligt, um gemeinsam mit Human- und Veterinärmedizinern bislang noch ungelöste Fragen im Zusammenhang mit Coxiella burnetii zu klären und um Aufklärung zu betreiben.

Eine dieser ungelösten Fragen betraf die Übertragung durch Zecken. Hier herrschte bisher in Wissenschaftskreisen Uneinigkeit darüber, ob Zecken überhaupt eine Rolle als Vektoren, also als Krankheitsüberträger spielen. In Studien am Fraunhofer IZI wurde nun nachgewiesen, das Zecken als Vektoren fungieren. Und noch etwas fand das Team um Dr. Gustavo R. Makert dos Santos heraus. Die Zecken nehmen das Bakterium auf, wenn sie infizierte Rinder, Schafe oder Ziegen stechen, und neun Tage später ist Coxiella burnetii im Zeckenkot für mindestens sieben Wochen nachweisbar.

Zum Nachweis nutzen die Wissenschaftler ein speziell am Fraunhofer IZI weiterentwickeltes In-vitro-Fütterungssystem. In diesem wurden die Zecken gehalten und mit infiziertem Blut gefüttert. Weiterhin fanden sie heraus, dass auch Nymphen – das ist nach der Larve, das zweite Entwicklungsstadium einer Zecke – die mit infiziertem Blut gefüttert wurden, auch noch nach ihrer Häutung zur erwachsenen Zecke das Bakterium übertragen. Bei einer erneuten Blutmahlzeit an nicht infiziertem Blut fanden die Forscher Coxiella burnetii danach im Kot der Zecken, nicht jedoch in dem erregerfreien Blut, an dem die Zecken gesaugt hatten. Dies deutet darauf hin, dass Coxiella burnetii weniger durch den Stich der Zecke, als vielmehr durch deren Kot übertragen wird, z. B. über das Einatmen desselben.

Vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Klimas und einer weiteren Ausbreitung von Zecken beschreibt Makert dos Santos die Situation so: »Durch die Globalisierung reisen wesentlich mehr Krankheitserreger um die Welt. Aber da bisher oft die Vektoren fehlten, konnten sie sich nicht etablieren. Sobald sich Vektoren wie Zecken und Stechmücken weiter ausbreiten, wird auch bei uns das Risiko steigen, sich mit Krankheitserregern wie Coxiella burnetii zu infizieren.« Eine bessere Kenntnis von Humanmedizinern über das Q-Fieber ist zur Diagnose und Behandlung dieser Krankheit deshalb sehr wichtig.

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