Orale Thromboembolie-Prophylaxe

Einfach und flexibel für mehr Sicherheit

12.02.2009 - Deutschland

Eine wirksame Antikoagulation gehört zur Klinikroutine nach endoprothetischen Eingriffen. Neue orale Gerinnungshemmer, die kein Monitoring der Thrombozyten und der Gerinnungsparameter mehr erfordern, haben den Alltag in der Orthopädie deutlich vereinfacht. Die Sicherheit der Prophylaxe gewährleisten neben einem geringen Interaktionsrisiko vor allem klare Aussagen zur Dosierung, die gleichwohl Spielraum für Anpassungen bei bestimmten Patientenpopulationen lassen. Der direkte Thrombininhibitor Dabigatranetexilat (Pradaxa®) verbindet ein ausgewogenes Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil – vergleichbar dem bewährten aktuellen Therapiestandard Enoxaparin – mit den Vorteilen einer einfachen oralen Gabe und der fixen, aber flexiblen Dosierung.

„Für mich als Kliniker ist die Sicherheit eines Antikoagulans besonders wichtig“, betont Professor Carsten Perka, Berlin, der Pradaxa® zur Prophylaxe venöser Thromboembolien nach Knie- und Hüftgelenkersatz bereits seit dem vergangenen Sommer einsetzt. „Dazu zähle ich neben einem geringen Blutungsrisiko auch die Möglichkeit, flexibel auf die Bedürfnisse meiner verschiedenen Patientenpopulationen einzugehen, ohne mich dabei durch komplizierte Dosierungsanleitungen arbeiten zu müssen.“

Die Anwendung von Dabigatranetexilat vereinfacht den orthopädischen Alltag neben der oralen Gabe nicht zuletzt dadurch, dass ein Monitoring der Thrombozyten und Gerinnungsparameter unter Dabigatranetexilat nicht notwendig ist. Dank des geringen Interaktionspotenzials – Dabigatranetexilat wird nicht über Cytochrom P450 verstoffwechselt – ist das Medikament mit vielen gängigen Pharmaka wie ASS, Diclofenac und beta-Blockern gut kombinierbar.

Die erste Dosis von 110 mg Dabigatranetexilat wird eine bis vier Stunden nach der Gelenkersatz-Operation verabreicht. „Es ist also keine zusätzliche Gabe von Heparin am Tag vor der Operation mehr notwendig. Das passt zum Trend, Patienten erst am Operationstag selbst aufzunehmen“, erläutert Perka. Ab dem postoperativen Folgetag erhält der Patient 220 mg (zwei Kapseln) einmal täglich für die Dauer der Behandlung – nach Kniegelenkersatz insgesamt zehn Tage, nach Einsatz eines neuen Hüftgelenks 28-35 Tage.

„Klare Empfehlungen gibt es für Patienten über 75 Jahre, mit mittelschwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance 30-50 ml/min) und Patienten, die parallel Amiodaron einnehmen“, führt Perka aus. Diese speziellen Patientengruppen beginnen die Prophylaxe venöser Thromboembolien mit einer Dosis von 75 mg eine bis vier Stunden nach der Operation und 150 mg ab dem Folgetag. Anlass für die aus Sicherheitsgründen verringerte Dosierung ist jeweils die Möglichkeit eines überdurchschnittlichen Anstiegs der Dabigatran-Plasmakonzentration. Diese steht – wie bei Antikoagulanzien üblich – in direkter Korrelation mit dem Grad der antikoagulierenden Wirkung. Um unbeabsichtigte Überdosierungen zu vermeiden, wird daher in diesen Fällen die geringere Dosis empfohlen.

Eine mit niedermolekularem Heparin begonnene Antikoagulation im Anschluss an eine Knie- oder Hüftgelenkersatz-Operation kann unkompliziert mit Dabigatranetexilat fortgesetzt werden. „In dem Fall sind zwei Kapseln Dabigatranetexilat zum nächsten planmäßigen Anwendungszeitpunkt der aktuellen Antikoagulationstherapie zu verabreichen. Ähnliches gilt, wenn der Patient nach der Medikamentengabe erbricht oder die Einnahme einer Dosis vergessen wird: Die nächste Gabe von Dabigatranetexilat soll auch dann erst zum nächsten planmäßigen Einnahmezeitpunkt erfolgen“, berichtet Perka. Die Einnahme der vergessenen oder unter Umständen unvollständig aufgenommenen Dosis muss nicht nachgeholt werden. Auch bei Diarrhö wird die übliche Dosierung fortgesetzt.

Neben der orthopädischen Chirurgie wird Dabigatranetexilat derzeit im weltweiten RE-VOLUTIONTM-Programm noch in weiteren Indikationen getestet. Ergebnisse der Phase III-Studien zur Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern (RE-LY™) und der Therapie der akuten venösen Thromboembolie (RE-COVER™) werden noch im Laufe dieses Jahres erwartet. Mit 18.113 Patienten ist die RE-LYTM-Studie die derzeit größte Studie dieser Indikation.

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