29.01.2013 - Max-Planck-Gesellschaft - Generalverwaltung

Biologe Christian Wirth zum Max Planck Fellow ernannt

Mit der Bewilligung des Max Planck Fellow-Programms hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die wissenschaftlichen Leistungen des Leipziger Biologen Prof. Dr. Christian Wirth und seine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie, Jena, gewürdigt. Im Januar 2013 hat Wirth, geschäftsführender Direktor des German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDiv) und Professor für Funktionelle Biodiversitätsforschung an der Universität Leipzig, mit dem Jenaer Max-Planck-Institut die vertiefte Zusammenarbeit im hochdotierten Förderprogramm aufgenommen.

"Mit den MPG-Ressourcen aus diesem Programm wollen wir die Weiterentwicklung und wissenschaftliche Auswertung der globalen Biodiversitäts-Datenbank für funktionelle Pflanzenmerkmale (TRY) fördern und sie gleichzeitig als wichtige Datenplattform des iDiv-Konsortiums etablieren", sagt Wirth. TRY ist seit ihrer Inbetriebnahme im Juli 2011 die weltweit größte Datenbank für Pflanzenmerkmale und wird am MPI-BGC in Jena koordiniert. Zur Weiterentwicklung von TRY leitet der Biodiversitätsforscher Wirth künftig gemeinsam mit Dr. Jens Kattge vom Jenaer Max-Planck-Institut eine dort angesiedelte Arbeitsgruppe mit dem Titel "Functional Biogeography".

Die Arbeit an der TRY-Datenbank wurde in Wirths damaliger Max-Planck Nachwuchsgruppe Anfang 2007 in Jena begonnen. "Ich freue mich besonders, dass die MPG unseren langen Atem weiterhin belohnt. Der Name TRY ist kein Akronym, sondern heißt wirklich Versuch. Dass wir heute über drei Millionen Einträge von rund einem Viertel aller bekannten Pflanzenarten - zirka 100.000 - für die funktionelle Biodiversitätsforschung zur Verfügung stellen können, haben wir damals nicht zu hoffen gewagt. Nun gilt es, auch mithilfe der MPG-Förderung, die wissenschaftlichen Früchte zu ernten", sagt Wirth.

TRY vereint ein weites Spektrum der Pflanzenmerkmalsforschung von über 200 internationalen Zulieferern. Zusammengefasst wurden Merkmale zu den Schlüsselprozessen Wachstum, Verbreitung, Etablierung und Stresstoleranz. Mittlerweile gibt es über 150 Forschungsanträge, die TRY-Daten nutzen. Unter den Antragstellern sind Ökologen und Evolutionsforscher genauso wie Naturschützer und Klimamodellierer. "TRY erlaubt einen Blick auf das globale Pflanzen-Phenom, das heißt die ganze Bandbreite von Form und Funktion der Pflanzen auf unserer Erde - vom Tropenwald bis in die Tundra", so Wirth. "Was uns besonders interessiert ist, wie sich diese funktionelle Vielfalt auf der Landoberfläche verteilt und wie sie sich auf das Umweltsystem der Erde auswirkt. Deswegen arbeiten wir mit Erdsystem-Modellierern am MPI-BGC zusammen, die die Wechselwirkungen der Pflanzen mit ihrer Umwelt und dem Klima untersuchen. Unsere gemeinsamen Arbeiten zeigen: Je besser und vollständiger wir die Vielfalt der Vegetation beschreiben, umso genauer werden diese Vorhersagen."

Das Projekt TRY ist auch ein soziologisches Experiment, das viele Forscher dazu gebracht hat, ihre wertvollen Daten zu teilen. Mittlerweile sind auch Zoologen, Mykologen und Mikrobiologen am Konzept der TRY-Initiative interessiert. "Wir hoffen, Anstoß dafür zu geben, dass bald Informationen über die funktionelle Vielfalt aller Organismengruppen verfügbar werden." Der nächste Schritt ist die Verknüpfung mit anderen Datenbanken zu Pflanzenverbreitung, Vegetationszusammensetzung, Klima und Boden. Damit wird TRY eine zunehmend wichtigere Datengrundlage für die globale Analyse der biologischen Vielfalt, die auch im German Centre for integrative Biodiversity Research (iDiv), Halle-Jena-Leipzig angestrebt wird, sowie deren Wechselwirkungen mit dem gesamten Erdsystem.

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