17.02.2020 - American Association for the Advancement of Science

Coronavirus-Sorge hängt über weltgrößter Wissenschaftskonferenz

(dpa) Auch der Stargast kommt sofort zum Punkt. «Ich wollte zuallererst ein bisschen über ein ganz spezielles Thema sprechen, und das ist dieses neue Coronavirus», sagt Bill Gates bei einer Rede vor Teilnehmern der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science). «Es stellt uns vor eine riesige Herausforderung.» Eigentlich hatte der Microsoft-Gründer für die Konferenz, die diesmal in seiner Heimatstadt Seattle stattfindet, einen Vortrag über das Tagungsmotto «Envisioning Tomorrow's Earth» (auf Deutsch etwa: Vorstellen, wie die Erde morgen aussehen wird) vorbereitet - aber das Coronavirus lässt auch ihn umplanen.

Die neuartige Lungenkrankheit könnte die Welt möglicherweise in eine «sehr schlimme Lage» bringen, fürchtet Gates - besonders, wenn sie sich in Länder mit schwächeren Gesundheitssystemen ausbreitet. «Es gibt viel, was wir nicht über diese Epidemie wissen, aber es gibt auch viel, was wir wissen, das zeigt, dass sie sehr dramatisch werden könnte - besonders, wenn sie sich in Gegenden wie dem südlichen Afrika oder dem südlichen Asien ausbreitet.» Mit seiner Stiftung hat Gates rund 100 Millionen Dollar (etwa 92 Millionen Euro) zur Bekämpfung der Epidemie und Entwicklung eines Impfstoffs zur Verfügung gestellt.

Zum 186. Mal findet die AAAS-Konferenz in diesem Jahr statt, rund 10.000 Teilnehmer sind angereist - aber über allem hängt Ungewissheit und Sorge angesichts des neuen Coronavirus. «Es hatte sich eine sehr große Delegation aus China angemeldet», sagt Margaret Hamburg, die dem Aufsichtsrat des Wissenschaftsverbands vorsitzt. «Aber sie mussten wieder absagen. Unsere Gedanken und Sorgen sind mit unseren Freunden und Kollegen in China.» Auch AAAS-Präsident Steven Chu, einst Energieminister unter dem früheren US-Präsident Barack Obama, sagt, die auf den Namen Covid-19 getaufte Lungenkrankheit sei «besorgniserregend».

Kurzfristig wurden Experten eingeladen und neue Diskussionsrunden angesetzt. «Das ist einer der bedrohlichsten Krankheitsausbrüche, die ich in meiner ganzen Karriere beobachtet habe», sagt Scott Dowell, der bei der Gates-Stiftung arbeitet und sich seit Jahrzehnten mit Infektionskrankheiten beschäftigt. Die wichtigste Frage, die es jetzt zu klären gelte, sei die der «Heftigkeit - wie schlimm ist diese Sache wirklich?». Noch sei das Ausmaß und die Zahl der Fälle nicht detailliert genug bekannt, um genaue Aussagen etwa über die Sterblichkeitsrate zu treffen. «Von dem, was wir jetzt gerade sehen, wäre die Sterblichkeitsrate sehr hoch, aber wir hoffen, dass eine große Zahl mild verlaufener Fälle da noch in der Statistik fehlen.» 

Trevor Bedford, Forscher am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, beschäftigt sich mit der Entschlüsselung des Genoms des Virus. Er geht davon aus, dass das Virus erst bei Fledermäusen auftauchte und dann mutiert und über bislang noch unbekannte weitere Träger etwa Mitte November erstmals auf Menschen übertragen wurde. Gerüchte über menschliche Einwirkungen auf das Virus weist Bedford zurück. «Wir sehen hier keinerlei Hinweise auf Gentechnik.» 

Auch Bedford betont: Bislang seien noch viele Fragen offen, die Frage nach der Heftigkeit des Virus Sars-CoV-2 sei vorrangig. Bislang sehe es so aus, als sei das Virus relativ einfach übertragbar. Die Wissenschaftsgemeinschaft sei beunruhigt, sagt Bedford.

Aber immerhin einen positiven Aspekt habe die Verbreitung des Virus mit sich gebracht, sagt Bedford: Forscher auf der ganzen Welt unterstützen sich via Internet und veröffentlichten rasend schnell ihre Erkenntnisse. «Es hat die Kommunikation der Wissenschaftler untereinander komplett verändert. Forscher auf der ganzen Welt sind so zusammengekommen und haben sich virtuell verbündet - und das beobachte ich mit viel Demut und Dank.»

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