Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Modifizierte T-Zellen verhindern Abstossungsreaktion bei Organtransplantation

16.01.2019

Swiss Nanoscience Institute/University of Basel, Biozentrum

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von T-Zellen ohne Coronin 1.

Die Abstossung transplantierter Organe ist eines der Hauptprobleme bei Transplantationen. Die Drosselung des Immunsystems, um die Abstossung von Organen zu verhindern, öffnet jedoch lebensbedrohlichen Infektionen die Tür. Forschende am Biozentrum der Universität Basel haben nun einen Weg gefunden, um die Abstossung des transplantierten Organs zu verhindern und gleichzeitig die Bekämpfung von Infektionen aufrechtzuerhalten.

Wird der Körper mit «fremdem» Material konfrontiert, seien es Viren, Bakterien, Pilze, aber auch transplantierte Spenderorgane, kommen Immunzellen, sogenannte T-Zellen, zum Einsatz. Sie deaktivieren und vernichten die «Fremden». Gemeinsam mit weiteren Forschungsgruppen hat das Team von Prof. Jean Pieters am Biozentrum der Universität Basel durch die Manipulation des Proteins Coronin 1 einen Weg gefunden, die Immunreaktion des Körpers gegen das Spenderorgan selektiv zu unterdrücken.

Verringert man die Proteinmenge in T-Zellen, werden transplantierte Organe vom Körper nicht mehr bekämpft. Die T-Zellen halten Viren, Bakterien und Pilzinfektionen jedoch weiterhin in Schach. Die Ergebnisse der Studie könnten möglicherweise neue Ansätze liefern, um Abstossreaktionen bei Organtransplantationen zukünftig zu reduzieren.

Schutz vor Infektionen trotz verhinderter Abstossungsreaktion

T-Zellen sind unerlässlich, um Eindringlinge im Körper zu erkennen und zu zerstören. Aber auch transplantierte Organe werden von ihnen als Fremdgewebe erkannt und angegriffen. Das Protein Coronin 1 steuert diese Immunzellen. Dem Team von Jean Pieters konnten nun im Mausmodell einen Zusammenhang zwischen der von T-Zellen ausgelösten Abstossungsreaktion und Coronin 1 herstellen.

«Wir haben herausgefunden, dass nach dem Entfernen von Coronin 1 die T-Zellen die Immunreaktion gegenüber dem transplantierten Organ nicht nur massiv unterdrücken, sondern die Abstossung sogar aktiv verhindern», berichtet Erstautor Rajesh Jayachandran. «Wir waren zudem erstaunt, dass die Coronin-1-armen T-Zellen trotzdem weiterhin Krankheitserreger bekämpfen können.»

Transplantationen ohne Abstossungsreaktion

Die Forschungsgruppe von Jean Pieters fand bereits heraus, dass Coronin 1 von Krankheitserregern benutzt wird, um in den Immunzellen zu überleben. Die neue Studie zeigt nun, dass dieses Protein in T-Zellen einen Signalweg moduliert, der den Botenstoff cAMP produziert. In Abwesenheit von Coronin 1 steigt der cAMP-Spiegel in T-Zellen drastisch an, wodurch die T-Zellen sich verändern und das transplantierte Organ tolerieren.

Das Forschungsteam stellte zudem fest, dass es bei Infektionen nach wie vor möglich ist, diese T-Zellen zur Bekämpfung der eingedrungenen Erreger zu stimulieren. Die eingedrungenen Mikroben regen die Produktion bestimmter Moleküle an, die die Wirkung von cAMP neutralisieren.

Selektive Immunabwehr

Die Ergebnisse der Studie zeigen nun einen Weg auf, wie sich die Immunreaktion des Körpers beeinflussen und die Immunantwort des Wirts selektiv abschaltet lässt. Inwiefern dies Türen zur Entwicklung von Therapien gegen Abstossungsreaktionen bei Transplantationen öffnen könnte, wird die Zukunft zeigen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Universität Basel
  • News

    Vielfalt im Gehirn

    Wie ist es möglich, dass sich im Gehirn so unterschiedliche und hochspezifische Nervenzellen bilden? Ein mathematisches Modell von Forschern am Biozentrum der Universität Basel zeigt, dass es unterschiedliche Varianten von Genen sind, die per Zufall eine solche Vielfalt ermöglichen. Trotz d ... mehr

    Im Reissverschlussverfahren: Wie Zellen neue Blutgefässe bilden

    Die Blutgefässbildung beruht auf der Fähigkeit der Gefässzellen, sich zu bewegen und dabei trotzdem fest miteinander verbunden zu bleiben. Dadurch können die Gefässe wachsen und sich verzweigen, ohne dass Blut austritt. In «Nature Communications» beschreiben Wissenschaftler vom Biozentrum d ... mehr

    Erhöhte Phosphatzufuhr steigert den Blutdruck bei gesunden Erwachsenen

    Wird mehr Phosphat über die Nahrung aufgenommen, steigen Blutdruck und Pulsrate auch bei gesunden jungen Erwachsenen an. Das zeigt eine Studie unter Leitung der Universität Basel, die das «Journal of the American Society of Nephrology» veröffentlicht hat. Sie machen den Schmelzkäse streichf ... mehr

  • Videos

    Virtual Reality in Medicine: New Opportunities for Diagnostics and Surgical Planning

    Before an operation, surgeons have to obtain the most precise image possible of the anatomical structures of the part of the body undergoing surgery. University of Basel researchers have now developed a technology that uses computed tomography data to generate a three-dimensional image in r ... mehr

    Erste Filmaufnahmen von Kernporen

    Mithilfe eines extrem schnellen und präzisen Rasterkraftmikroskops haben Forscher der Universität Basel erstmals «lebendige» Kernporenkomplexe bei der Arbeit gefilmt. mehr

  • Universitäten

    Universität Basel

    Tradition - In Basel steht die älteste Universität der Schweiz. Sie wurde 1460 auf Initiative von Stadtbürgern gegründet. Sie ist eine moderne, mitten in der Stadt gelegene Hochschule mit einem attraktiven Forschungs-, Lehr- und Dienstleistungsangebot. Selbstverwaltet - Seit 1996 geniesst ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.