Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Hüftgelenk



 

Das Hüftgelenk (lat. Articulatio coxae) ist ein Gelenk. Der Oberschenkelknochen (Femur) und das Becken (Pelvis) bilden dabei die knöchernen Gelenkpartner.

Inhaltsverzeichnis

Gelenkflächen

 

Das obere Ende des Oberschenkelknochens bildet ein großer kugelförmiger Kopf (Caput ossis femoris), der zur Mitte zeigend (medial) verläuft. Dieser bildet den Gelenkkopf.

Die Gelenkpfanne entsteht aus einer schalenförmigen Vertiefung am seitlichen (lateralen) Rand des Beckenknochens, dem so genannten Acetabulum. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit mit einem Essignäpfchen ab. Das Acetabulum wird von allen drei Beckenknochenteilen (Os ilium, Os ischii und Os pubis) gebildet. Zur Vergrößerung der Pfanne existiert eine Knorpellippe am Außenrand des Acetabulum (Labrum acetabulare).

Bänder

Das Hüftgelenk wird durch vier Bänder stabilisiert und besitzt zusätzlich ein Band, welches den Hüftkopf versorgt:

  • Das Ligamentum iliofemorale („Darmbeinschenkelband“) ist mit ca. 350 kg Zugfestigkeit das stärkste Band im menschlichen Körper. Es verläuft von der vorderen oberen Beckenspitze (Spina iliaca anterior superior) und dem Rand des Pfannendachs bis zur Linie (Linea intertrochanterica) zwischen den beiden Umdrehern des Oberschenkelknochens (Trochanter major=großer bzw. minor=kleiner) und läuft dort in einen seitlichen und einen zur Mitte zeigenden Zügel (Pars lateralis bzw.  medialis) aus. Gemeinsam verhindern beide Zügel ein Nach-hinten-Kippen des Beckens und stabilisieren somit die Standbeinphase, also die Streckung (Extension). Der zur Mitte zeigende Zügel stabilisiert zusätzlich die Drehbewegung nach außen (Außenrotation) und die Abspreitzbewegung (Abduktion), der seitliche Zügel stabilisiert die Drehbewegung nach innen (Innenrotation).
  • Das Ligamentum ischiofemorale („Sitzbeinschenkelband“) verläuft vom Sitzbein (Os ischii) zum großen Umdreher des Oberschenkelknochens und der seitliche Zügel wieder nach vorne und strahlt dabei in einen Faserring am Oberschenkelknochenhals (Zona orbicularis) ein. Es schränkt die Drehbewegung nach außen ein.
  • Das Ligamentum pubofemorale („Schambeinschenkelband“) ist das Schwächste der Hüftgelenksbänder. Es verläuft vom Schambein (Ramus superior ossis pubis, genauer von der Crista und Membrana obturatoria) zum kleinen Umdreher des Oberschenkelknochens (Trochanter minor) und strahlt in die Gelenkkapsel ein. Es schränkt die Abspreitzbewegung und die Streckung ein.
  • Das Ligamentum transversum acetabuli verschließt die Lücke in der Hüftgelenkspfanne (Incisura acetabuli).
  • Das Ligamentum capitis (ossis) femoris („Oberschenkelknochenkopfband“) verläuft von einer kleinen Vertiefung im Oberschenkelknochenkopf (Fovea capitis femoris) in die Pfannengrube (Fossa acetabuli, genauer Incisura acetabuli). Es hat keine mechanische Funktion. Es beinhaltet die Arterie, die u. a. den Hüftkopf versorgt (Arteria capitis femoris). Bei Pferden besitzt es eine Abspaltung (Ligamentum accessorium capitis ossis femoris), welche sich am Schambein anheftet.

Gelenkkapsel

 

Die Gelenkkapsel des Hüftgelenks (Capsula articularis coxae) ist dick und fest. Sie zieht zum knöchernen äußeren Rand der Pfannenlippe (Labrum acetabuli) bis zur Linie zwischen den beiden Umdrehern des Oberschenkelknochens und hinten (dorsal) oberhalb des Randes (Crista intertrochanterica) zwischen den großen Rollhügeln des Oberschenkelknochens (Condylus lateralis bzw. medialis).

Freiheitsgrade

Das Hüftgelenk ist ein Nussgelenk, welches als Unterform des Kugelgelenks alle Bewegungsrichtungen als Freiheitsgrade zulässt:

  • Beugung: bis ca. 140°
  • Streckung: bis ca. 20°
  • Abspreitzbewegung: bis ca. 50° (bei Streckung des Hüftgelenks)
  • Heranführungsbewegung: bis ca. 30° (bei Streckung des Hüftgelenks)
  • transversale Abspreitzbewegung: bis ca. 80° (bei 90° Beugung im Hüftgelenk)
  • transversale Heranführungsbewegung: bis ca. 20° (bei 90° Beugung im Hüffgelenk)
  • Drehbewegung nach innen: bis ca. 40° (bei Streckung des Hüftgelenks)
  • Drehbewegung nach außen: bis ca. 30° (bei Streckung des Hüftgelenks)
  • Drehbewegung nach innen: bis ca. 40° (bei 90° Beugung im Hüftgelenk)
  • Drehbewegung nach außen: bis ca. 50° (bei 90° Beugung im Hüftgelenk)

Winkel

Das Hüftgelenk besitzt zwei entscheidende Winkel:

  • Der Winkel, in dem der Oberschenkelknochenkopf im Bezug auf die schalenförmigen Vertiefung am seitlichen Rand des Beckenknochens steiler nach oben verschoben verläuft (Corpus-Collum-Dyaphysen-Winkel=CCD-Winkel). Dieser beträgt beim Kind ca. 140°, beim Erwachsenen ca. 126° und beim alten Menschen ca. 120°.
  • Der Winkel, in dem der Oberschenkelknochenhals im Bezug auf die schalenförmige Vertiefung am seitlichen Rand des Beckenknochens nach vorne verschoben steht (Antetorsionswinkel nach Waidelich). Dieser beträgt beim Erwachsenen ca. 12°.

Muskulatur mit Wirkung auf das Hüftgelenk

Die innere Lendenmuskulatur stellen zwei Teilmuskeln des Musculus iliopsoas (Musculus iliacus und Musculus psoas major) dar. Sie beugen das Hüftgelenk, der Musculus iliacus bewirkt außerdem eine leichte Heranführungsbewegung und der Musculus psoas major eine leichte Auswärtsdrehung. Der nur bei etwa 50 % der Menschen vorkommende Musculus psoas minor unterstützt den Musculus psoas major. Bei Tieren hat er keine Wirkung auf das Hüftgelenk, da er selbständig am Darmbein ansetzt.

Weitere Beuger des Hüftgelenks sind der Musculus sartorius, der Musculus tensor fasciae latae (auch „Sprintermuskel“ genannt), der Musculus rectus femoris und der Musculus popliteus.

Der große Gesäßmuskel ist beim Menschen der kräftigste Strecker des Hüftgelenks, bei Tieren ist dies der mittlere Gesäßmuskel. Der große Gesäßmuskel bewirkt außerdem eine Auswärtsdrehung, die oberen Fasern eine Abspreitzbewegung und die unteren Fasern eine Heranführungsbewegung. Der mittlere Gesäßmuskel und der kleine Gesäßmuskel bewirken beim Menschen eine Einwärtsdrehung und Abspreitzbewegung des Oberschenkels, bei Tieren wirken sie als Hüftgelenkstrecker. Der Musculus piriformis (auch „Birnenmuskel“ genannt) bewirkt eine Auswärtsdrehung des Oberschenkels.

Die langen Oberschenkelmuskeln Musculus semitendinosus, Bizepsmuskel und Musculus semimembranosus wirken auf das Hüftgelenk vorwiegend als Strecker.

Die an der Innenseite des Hüftgelenks angeordneten Adduktoren Musculus pectineus, langer Adduktor, kurzer Adduktor, großer Adduktor und Musculus gracilis führen den Oberschenkel an den Körper heran.

Die tiefe hintere Schicht der hinteren, äußeren Hüftmuskulatur wird auch als „kleine Beckengesellschaft“ bezeichnet. Sie besteht aus den beiden Musculi obturatorii (innerer und äußerer), den beiden Musculi gemelli (oberer und unterer) und dem Musculus quadratus femoris. Alle Muskeln bewirken eine Auswärtsdrehung.

Erkrankungen

 

Haupterkrankungen des Hüftgelenkes beim Menschen sind:

Bei Haushunden spielen vererbte Fehlbildungen des Hüftgelenkes (Hüftgelenksdysplasie bei Hunden) eine große Rolle. Auch Hüftkopfnekrosen kommen bei Hunden vor. Frakturen können bei allen Tieren auftreten.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hüftgelenk aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.