Augenlicht für Blinde

16.06.2005

Sehhilfen sind oft die letzte Hoffnung, wenn das Augenlicht schwindet. Forscher des Instituts für Werkstoffe der Elektrotechnik der RWTH Aachen arbeiten unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Wilfried Mokwa an der Herstellung einer Prothese, die sogar Blinden wieder das Sehen ermöglichen soll. Das sogenannte Retina-Implantat soll Patienten mit unheilbaren Netzhauterkrankungen in Zukunft etwas Sehkraft wiedergeben.

Bei Patienten, die an der Erbkrankheit Retinitis Pigmentosa leiden, sterben die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut langsam ab. Eine Besonderheit der Krankheit liegt darin, dass nur die lichtempfindlichen Zellen der Retina zerstört werden. Die dahinter liegenden Nervenzellen, die die Informationen ans Gehirn weiterleiten, bleiben bis zu 30 Prozent erhalten. Könnten die visuellen Reize also die beschädigte Netzhaut - zum Beispiel über ein Kabel - umgehen, wären die Betroffenen wieder in der Lage zu sehen. Das Ziel der Wissenschaftler ist es, ein Implantat zu entwickeln, das die visuellen Reize direkt an die Nervenzellen weitergibt.

Seit 1996 wird an der RWTH Aachen an der Sehprothese gearbeitet. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Duisburg, der Universität in Gießen sowie drei mittelständischen Unternehmen entwickeln die Wissenschaftler der RWTH im Rahmen der dritten Phase des Projekts "Retina-Implant - EPI-RET- 3" die Sehhilfe für einen ersten Einsatz im Menschen weiter. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Prothese besteht aus zwei Teilen, einer Hightech-Brille und einem Implantat, das ins Auge eingepflanzt wird. Das Implantat wird am Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik I der RWTH Aachen hergestellt.

In die Brille wird eine kleine Videokamera und ein Encoder eingebaut. Der Encoder rechnet die Bildinformation der Kamera in Signale um, die die Nerven "verstehen". Dann sendet er die Signale drahtlos an einen Empfängerchip, der in die Augenlinse implantiert wird. Von hier werden die Bildsignale über winzige Kabel auf eine Mikrokontaktfolie übertragen. Diese implantierte Folie liegt direkt auf der Netzhaut und stimuliert über Elektroden die Nervenzellen, die zum Sehnerv führen.

Eine Einschränkung in der Anwendung der Sehprothese besteht darin, dass die Betroffenen vermutlich niemals perfekt sehen können. Die Anzahl der Elektroden auf der Netzhaut ist auf etwa 200 bis 300 beschränkt. Wird dem Auge mehr Energie zugeführt, wird es zu warm, was zur Zerstörung des Auges führt. Aus diesem Grund ist die Energiezufuhr limitiert. Somit ist auch die Auflösung der übermittelten Bilder begrenzt: Es werden nur Umrisse wahrgenommen werden. Außerdem wird die Implantation der Sehprothese nur bei vollständig Erblindeten durchgeführt werden. Das Risiko, durch die Operation eine Restwahrnehmung zu zerstören, ist zu groß.

Die dritte Phase des Forschungsprojekts hat gerade begonnen. Anfang 2006 werden die ersten Kurzzeituntersuchungen an Patienten durchgeführt. In ungefähr fünf bis sieben Jahren soll das Implantat zur Marktreife geführt werden.

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