Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Wild lebende Mäuse mit natürlichem Schutz gegen Borreliose

05.04.2013

UZH

Zecken saugen sich für ihre Blutmahlzeit bevorzugt an den Ohren der Mäuse fest. Über den Speichel von befallenen Zecken gelangen Borrelia-Bakterien ins Blut der Mäuse

Wie Menschen infizieren sich Mäuse mit Borrelien. Doch nicht alle Mäuse, die mit diesen Bakterien in Berührung kommen, erkranken an der gefürchteten Borreliose. Tiere mit einer bestimmten Genvariante sind immun gegen die Bakterien, wie Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Lund belegen. Im Freien lebende Mäuse sind der Hauptwirt von Borrelien, die von Zecken übertragen werden.

Frühjahrszeit ist Zeckenzeit. Die Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Krankheit in der Schweiz: Rund 10‘000 Menschen infizieren sich jährlich mit dem Krankheitserreger. Der eigentliche Wirt von Borrelien sind jedoch wildlebende Mäuse; gleich wie beim Menschen wird auch bei Mäusen der Erreger durch Zecken übertragen. Interessanterweise sind nicht alle Mäuse gleich anfällig auf das Bakterium, einzelne Tiere sind immun gegen den Erreger. Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Lund zeigen unter der Leitung der Evolutionsbiologin Barbara Tschirren, dass die unterschiedliche Anfälligkeit der Tiere genetisch bedingt ist.

Schützende Genvariante

Tschirren und Kollegen untersuchten in einer gross angelegten Feldstudie wildlebende Mäuse auf eine Infektion mit Borrelien. Borrelia afzelii, so der wissenschaftliche Name des Bakteriums, nährt sich aus dem Mäuseblut. Die Forscher stellten fest, dass Mäuse, die eine bestimmte Variante des Antigen-Rezeptors TLR2 aufweisen, rund dreimal weniger anfällig auf Borrelien waren. Dazu Tschirren: «Das Immunsystem von Mäusen mit dieser Rezeptorvariante erkennt den Erreger besser und kann schneller eine Immunantwort geben, um die Borrelien frühzeitig zu vernichten.» Infizierte Mäuse haben unter Laborbedingungen ähnliche Krankheitssymptome wie Menschen – insbesondere Gelenkbeschwerden. In der freien Natur überleben infizierte Mäuse daher vermutlich nicht lange, geschwächte Tiere fallen innerhalb kurzer Zeit Füchsen und Raubvögeln zum Opfer.

Wettrüsten zwischen Mäusen und Borrelien

Die schützende Genvariante ist vorteilhaft für ihre Träger und setzt sich gemäss den Forschern langsam in der Mäusepopulation durch. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass eines Tages sämtliche Mäuse gegen Borrelien resistent sein werden. «Die zunehmende Resistenz beim Wirt wird auf jeden Fall zu Anpassungen bei den Borrelien führen», prognostiziert Evolutionsbiologin Tschirren, «durch das Hochrüsten zwischen den Mäusen und dem Erreger können wir die evolutionäre Anpassung beobachten.»

Auch Menschen haben den Antigen-Rezeptor TLR2, doch die bei den Mäusen beobachtete resistente Genvariante kommt nicht vor. Ob das evolutionäre Wettrüsten zwischen Mäusen und Borrelien für Menschen Konsequenzen haben wird, ist ungewiss. Gemäss Tschirren muss das Bakterium für den Menschen nicht zwingend aggressiver werden.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Lund University
Mehr über Universität Zürich
  • News

    Versteckte Genvariation ermöglicht evolutionäre Sprünge

    Laborpopulationen von Bakterien, die versteckte genetische Varianten ansammeln, sind zu überraschenden Evolutionssprüngen fähig. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, verleiht diese «kryptische» Genvariation den Bakterien viel mehr Möglichkeiten, sich an rasche Umweltveränderunge ... mehr

    Versteckte Genvariation ermöglicht evolutionäre Sprünge

    Laborpopulationen von Bakterien, die versteckte genetische Varianten ansammeln, sind zu überraschenden Evolutionssprüngen fähig. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, verleiht diese «kryptische» Genvariation den Bakterien viel mehr Möglichkeiten, sich an rasche Umweltveränderungen a ... mehr

    Verdächtige Immunzellen der Multiplen Sklerose entlarvt

    Forschende der Universität Zürich haben jene Abwehrzellen identifiziert, die wahrscheinlich eine Schlüsselrolle bei der Multiplen Sklerose (MS) spielen. Die MS-typischen T-Helfer-Zellen gelangen vom Blut ins Zentrale Nervensystem, wo sie zu Entzündungen führen und die Nervenzellen schädigen ... mehr

Mehr über Lund University
  • News

    Bakterien könnten eine zukünftige Stromquelle werden

    In den letzten Jahren haben Forscher versucht, den elektrischen Strom einzufangen, den Bakterien durch ihren eigenen Stoffwechsel erzeugen. Bisher war die Übertragung des Stroms von den Bakterien auf eine Empfangselektrode jedoch überhaupt nicht effizient. Jetzt haben Forscher von Instituti ... mehr

    Können wir das Gehirn reparieren?

    Der Austausch von Zellen kann in Zukunft eine zunehmende Rolle bei der Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit (PD) spielen. In einer speziellen Beilage des Journal of Parkinson's Disease beschreiben Experten, wie neu entwickelte Stammzelltechnologien zur Behandlung der E ... mehr

    Große Menschen haben höheres Thrombose-Risiko

    (dpa) Große Menschen haben ein höheres Risiko für eine Thrombose-Erkrankung. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen nimmt mit der Körpergröße die Gefahr zu, das eine Vene durch ein wanderndes Blutgerinnsel verstopft, berichten schwedische Forscher im Fachblatt «Circulation: Cardiovascular G ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.