Prävention wirkt: Neue Kampagne zeigt, wie wir unser Gehirn länger gesund halten können
Bis zu 90 Prozent der Schlaganfälle gelten als vermeidbar
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Hirnstiftung haben auf dem Neurologiekongress den Startschuss für eine gemeinsame Aufklärungskampagne zu Demenz, Parkinson und Schlaganfall gegeben. Unter www.praevention-wirkt.de finden Interessierte wissenschaftlich fundierte Informationen, bewegende Geschichten von Betroffenen und alltagstaugliche Empfehlungen. Die zentrale Botschaft lautet: Für Prävention ist es nie zu früh und nie zu spät.
Viele Menschen glauben, neurologischen Erkrankungen wie Demenz, Parkinson oder Schlaganfall weitgehend ausgeliefert zu sein. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Gesundheit des Gehirns positiv zu beeinflussen – und das in jedem Lebensalter. Mit der neuen Aufklärungskampagne „Prävention wirkt“ zeigen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung, was jeder Einzelne für seine Gehirngesundheit tun kann.
„Neurologie ist mehr als Reparaturmedizin: Wir müssen stärker darauf setzen, die Gesundheit des Gehirns zu bewahren, Erkrankungen zu verhindern und ihren Verlauf frühzeitig günstig zu beeinflussen. Dafür tragen auch wir Neurologinnen und Neurologen Verantwortung“, erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg das Engagement ihrer Fachgesellschaft.
Neurologische Erkrankungen betreffen Millionen Menschen
Neurologische Erkrankungen gehören zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Allein in Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz und etwa 400.000 Menschen mit Parkinson. Hinzu kommen rund 1,8 Millionen Menschen, die mit den Folgen eines Schlaganfalls leben. Jedes Jahr erleiden etwa 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Hinter diesen Zahlen stehen persönliche Schicksale: Neurologische Erkrankungen können die Lebensqualität und Selbstständigkeit erheblich einschränken und stellen häufig auch Angehörige vor große Herausforderungen. Dabei können vorbeugende Maßnahmen viel bewirken. Sie können helfen, das Erkrankungsrisiko zu reduzieren, den Beginn bestimmter Erkrankungen hinauszuzögern oder die Lebensqualität nach einer Diagnose zu verbessern. Prävention eröffnet damit konkrete Möglichkeiten, länger gesund und selbstbestimmt zu leben.
Demenz, Parkinson, Schlaganfall: Was Prävention bewirken kann
Die Kampagne konzentriert sich auf drei neurologische Erkrankungen und zeigt, wie unterschiedlich Prävention aussehen kann.
Demenz: Nach Einschätzung einer internationalen Expertenkommission, der Lancet Commission, könnten bis zu 45 % der Demenzfälle durch die Beeinflussung bekannter Risikofaktoren verhindert oder verzögert werden. Dazu gehören beispielsweise regelmäßige Bewegung, die Behandlung von Bluthochdruck, die Versorgung von Hör- und Sehbeeinträchtigungen sowie geistige und soziale Aktivität.
Parkinson: Auch nach der Diagnose kann Prävention viel bewirken. Frühzeitige Maßnahmenkönnen helfen, Fähigkeiten zu erhalten und Beschwerden zu lindern. Regelmäßige Bewegung und eine aktive Alltagsgestaltung können dazu beitragen, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu bewahren.
Schlaganfall: Viele Schlaganfälle, die Schätzungen reichen von 70 % bis 90 %, lassen sich durch die Behandlung beeinflussbarer Risikofaktoren vermeiden. Besonders wichtig sind die Kontrolle des Blutdrucks, ausreichend Bewegung und die Behandlung weiterer Gefäßrisiken wie Herzrhythmusstörungen. Wer die Warnzeichen eines Schlaganfalls kennt und im Notfall sofort die 112 wählt, kann zudem entscheidend dazu beitragen, schwere Folgen zu begrenzen. Und nach einem Schlaganfall kann eine konsequente Sekundärprävention das Risiko für einen erneuten Schlaganfall signifikant senken.
Persönliche Geschichten, die Mut machen
Im Mittelpunkt der Kampagne stehen Menschen, die selbst von neurologischen Erkrankungen betroffen sind. In drei eigens produzierten Filmen berichten sie offen über ihre Erfahrungen mit Demenz, Parkinson und den Folgen eines Schlaganfalls. Sie erzählen von Herausforderungen, ihrem Umgang mit der Erkrankung und davon, was ihnen hilft, ihren Alltag zu gestalten und wie sie den Erkrankungsfolgen aktiv entgegenwirken.
Die Kampagne möchte damit vor allem eines vermitteln: Auch kleine Veränderungen im Alltag können einen Unterschied machen. Zwar lässt sich nicht jede neurologische Erkrankung verhindern. Aber es lohnt sich, die vorhandenen Möglichkeiten zu kennen und zu nutzen, um das Erkrankungsrisiko zu senken oder das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Ob mehr Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, die Kontrolle von Risikofaktoren oder soziale Aktivitäten: Die Kampagne macht Mut, motiviert und zeigt ganz praxisnah, dass neurologische Prävention nicht kompliziert sein muss und sich in vielen Bereichen des täglichen Lebens umsetzen lässt.
Von Expertenvideos bis zum „Gehirn-Glücksrad“
Ergänzt werden die persönlichen Geschichten durch neurologische Fachinformationen. DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg erläutert die grundsätzliche Bedeutung der Prävention für die Gehirngesundheit. PD Dr. Christiana Franke informiert über Demenzprävention, PD Dr. Eva Schäffer über präventive Maßnahmen bei Parkinson und Prof. Dr. Götz Thomalla über die Vorbeugung von Schlaganfällen. Die zentrale Plattform www.praevention-wirkt.de bietet darüber hinaus leicht verständliche Hintergrundinformationen, Antworten auf häufige Fragen und praktische Anregungen für den Alltag. Dazu gehören Checklisten, eine Sammlung gesunder Rezepte und ein interaktives „Gehirn- Glücksrad“, das mit kleinen Tipps dazu motiviert, etwas für die eigene Gehirngesundheit zu tun. Wer weiterführende Unterstützung sucht, findet zudem Zugang zu den unabhängigen Informationsangeboten der Deutschen Hirnstiftung.
„Gerade bei neurologischen Erkrankungen brauchen Menschen verlässliche Informationen auf dem neuesten medizinischen Stand ohne jegliche Interessenskonflikte. Dafür steht die Deutsche Hirnstiftung, und diesem Anspruch folgt auch unsere gemeinsame Kampagne. Dass sie vollständig aus Eigenmitteln und ohne Zuwendungen der Pharmaindustrie finanziert wurde, ist für uns eine Frage der Glaubwürdigkeit“, erklärt Prof. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung.