31.08.2021 - Max-Planck-Institut für Chemie

Aerosol-Forscherin Yafang Cheng mit Falling Walls-Auszeichnung „Science Breakthroughs of the year“ geehrt

Dr. Yafang Cheng wurde als eine von zehn Gewinnern in der Kategorie Physical Sciences des Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2021 ausgewählt. Ihr Thema „Breaking the Wall to understanding COVID-19 transmission through aerosols.“

„Hochkarätige Forscher auf der ganzen Welt verschieben die Grenzen, um einige der wichtigsten wissenschaftlichen Durchbrüche unserer Zeit zu erzielen“, beschreibt die Falling Walls Foundation den Hintergrund der jährlichen Suche nach den Besten in der Wissenschaft auf ihrer Website. Mit den Falling Walls Science Breakthroughs sollen „international anerkannte, etablierte Wissenschaftler und führende Köpfe ausgezeichnet werden, die sich mit den Naturphänomenen der Erde, der Atmosphäre und des Weltraums befassen und deren bahnbrechende Arbeit zur Lösung der größten Herausforderungen der Welt beiträgt."

Dr. Cheng ist Leiterin einer Minerva-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) in Mainz. Sie und ihr Team entwickeln und verwenden innovative experimentelle Methoden und zukunftsweisende Modellierungstechniken. Damit erforschen Sie die Bildung, Wechselwirkung und Auswirkung von Aerosolen, die aus feinen Flüssigkeitströpfchen oder festen Partikeln bestehen und in der Luft schweben.

Die herausragende Qualität und Relevanz von Yafang Chengs Forschung zur Aerosolübertragung von COVID-19 habe die internationale Falling Walls-Jury beeindruckt, lobte Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Vorsitzender des Kuratoriums der Falling Walls-Konferenz, in seinem Gratulationsschreiben. Yafang Cheng ist eine von zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die in diesem Jahr in dieser Kategorie ausgezeichnet worden sind. Die Preisverleihung findet im Rahmen der Falling Walls Konferenz am 8. und 9. November 2021 in Berlin statt.

Wirksame Senkung der Coronavirus-Übertragung

Dr. Cheng erhielt den Preis für ihren Durchbruch bei der Erklärung, wie Masken die Aerosolübertragung von SARS-CoV-2 wirksam begrenzen und zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie beitragen. Sie veröffentlichte kürzlich eine Studie, die erklärt, wie die Wirksamkeit von Gesichtsmasken von verschiedenen Umweltbedingungen abhängt und einen bevölkerungsweiten Einfluss auf den Verlauf der COVID-19-Pandemie hat. Die Untersuchungen wurden in Zusammenarbeit mit Kollegen des Max-Planck-Instituts für Chemie, der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Charité-Universitätsmedizin Berlin und weiteren Partnern aus China und den USA durchgeführt. In diesem interdisziplinären und internationalen Projekt nutzten die Forscher eine Vielzahl von Beobachtungsdaten und einen neuartigen Ansatz, um das Infektionsrisiko von SARS-CoV-2 und die Wirksamkeit von Masken auf Bevölkerungsebene zu bestimmen.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass in der Regel nur ein kleiner Teil der ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolpartikel Viren enthält. Meist ist die Virenkonzentration in der Luft so gering, dass selbst einfache chirurgische Masken die Verbreitung von COVID-19 sehr wirksam eindämmen“, erklärt Yafang Cheng, Leiterin der Minerva-Forschungsgruppe am MPIC. „Unsere Studie liefert ein detailliertes und neuartiges technisches Verständnis der durchschnittlichen Wirksamkeit von Masken in der Bevölkerung. Damit können wir erklären, warum Regionen, in denen die meisten Menschen Masken tragen, die Pandemie besser unter Kontrolle haben.“

„Die Herausforderung besteht nun nicht mehr nur darin, ob und wie wir den Kampf gegen diese Pandemie gewinnen können, sondern vor allem, wie schnell wir dies tun können, um mehr Leben zu retten und die Wahrscheinlichkeit weiterer gefährlicher Mutationen zu verringern", fügt sie hinzu. „Da die Wirksamkeit von Masken bei niedrigeren Viruskonzentrationen in der Luft höher ist, können wir durch die Kombination von Masken mit anderen Maßnahmen wie Lüftung, Distanzierung und Impfung Synergieeffekte erwarten. Besonders wichtig ist die Kombination von Maßnahmen für potenziell virenreiche Umgebungen, wie medizinische Zentren und überfüllte Innenräume, vor allem bei ansteckenden Varianten des Virus.“
Ulrich Pöschl, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie, stimmt dem zu und bestätigt, dass "die in Yafang's Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse einen wissenschaftlichen Durchbruch darstellen, der dazu beitragen wird, die anhaltende Debatte über die Nützlichkeit von Masken zu klären und eine effiziente Eindämmung der COVID-Pandemie zu fördern."

Mehrfach ausgezeichnete Forschung

Vor kurzem wurde Yafang Cheng bereits mit dem Ascent Award der American Geophysical Union, dem Schmauss-Preis der Gesellschaft für Aerosolforschung und dem Minerva-Programm der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Sie erhielt diese Preise für ihre herausragenden Beiträge zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen atmosphärischen Aerosolen und deren Auswirkungen auf Luftqualität und Klima.

Insbesondere haben Yafang Cheng und ihr Forschungsteam bahnbrechende Erkenntnisse über Fest-Flüssig-Phasenumwandlungen, chemische Reaktionen, Säuregehalt und optische Eigenschaften von Schwebstoffen und Nanopartikeln aus Kohlenstoff, organischen Substanzen, anorganischen Salzen und Wasser gewonnen.

Die Forscherin hat mehr als 120 Arbeiten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht, darunter mehrere Artikel in interdisziplinären Spitzenzeitschriften (Science, PNAS usw.) und „Hot Papers“, die besonders häufig zitiert werden (Top 0,1%, Web of Science).

Darüber hinaus war Dr. Cheng Mitglied des Lenkungsausschusses der Exploratory Round Table Conferences (ERTC) der Max-Planck-Gesellschaft und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) und arbeitet eng mit anderen führenden Forschern auf der ganzen Welt zusammen.

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