Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Bakterien gegen den Klimawandel

Mikrobiologen entdecken Bakterien, die der Methanbildung sowie damit auch dem Klimawandel entgegenwirken

20.02.2019

DSMZ

Mikroorganismen können Schlüsselpositionen in den biogeochemischen Kreisläufen der Ökosysteme und damit beim Klimawandel einnehmen. Ein solcher Prozess ist z.B. die Sulfatreduktion in Mooren

Die Mikrobiologen Prof. Dr. Alexander Loy und Dr. Bela Hausmann vom Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien haben in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Michael Pester vom Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig eine seltene Bakterienart (Candidatus Desulfosporosinus infrequens) entdeckt, die der übermäßigen Bildung des Treibhausgases Methan in Mooren entgegenwirkt. Diese Bakterien setzen zur Energiegewinnung Sulfat zu Sulfid um und nehmen gegenüber dem Prozess der Methanbildung eine wichtige Kontrollfunktion ein. Dabei stehen sie mit methanbildenden Archaeen in einem andauernden Konkurrenzkampf um Nährstoffe, vermindern so deren Aktivität und verhindern dadurch, dass noch mehr Methan gebildet wird. Das beugt einer zusätzlichen Klimaerwärmung vor.

In einem jetzt in der Fachzeitschrift mBio publizierten Artikel konnten die Forscher aus Wien und Braunschweig in einem systembiologischen Ansatz gemeinsam zeigen, dass die neue sulfatreduzierende Bakterienart (Candidatus Desulfosporosinus infrequens) durch ihre hohe Aktivität der übermäßigen Bildung von Methan in Mooren entgegenwirken kann – und das trotz ihrer geringen Häufigkeit. Moore sind als natürliche Feuchtgebiete für etwa 30 Prozent der weltweiten Emissionen des Treibhausgases Methan verantwortlich. Warum sich die Bakterien trotz hoher Aktivität nicht stärker vermehren, erklären die Wissenschaftler mit folgendem Prinzip: Die Bakterien müssen mit den im Moor vorherrschenden sauren pH-Bedingungen zurechtkommen und stecken deshalb vermutlich ihre gesamte Energie in den Erhalt der Zelle statt in ihr Wachstum.

Leibniz Institut DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH

News weiterempfehlen PDF Ansicht / Drucken News zur Merkliste

Teilen bei

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Treibhausgase
  • Sulfate
  • Sulfide
  • Klimawandel
Mehr über Leibniz Institut DSMZ
Mehr über Universität Wien
  • News

    Wolfram als interstellarer Strahlenschutz?

    Ein Siedepunkt von 5900 Grad Celsius und diamantartige Härte in Kombination mit Kohlenstoff: Wolfram ist das schwerste Metall, das dennoch biologische Funktionen aufweist – vor allem bei hitzeliebenden Mikroorganismen. Ein Team um Tetyana Milojevic von der Fakultät für Chemie an der Univers ... mehr

    Per Anhalter in die Krebszelle: Die nächste Generation von Platintherapeutika

    Ein interdisziplinäres Team der Universität Wien und Medizinischen Universität Wien hat eine neue Platinverbindung mit großem Potenzial als Krebstherapeutikum entwickelt. Dem Team um Christian Kowol vom Institut für Anorganische Chemie, Universität Wien und Petra Heffeter vom Institut für K ... mehr

    Weniger Treibhausgase mit "Comammox"-Bakterien

    Der Stickstoff-Kreislauf der Erde wird vom Menschen, insbesonders durch Düngung in der industriellen Landwirtschaft, massiv beeinflusst. Zu den dramatischen ökologischen Folgen gehört die Freisetzung von Lachgas, welches die Ozonschicht zerstört und ein fast 300-mal stärkeres Treibhausgas a ... mehr

  • Videos

    Ötzi Forschung: Das Erbe der Steinzeit-Bakterien

    Was verrät uns Ötzis Mageninhalt über die Besiedelungsgeschichte Europas? Der Bioinformatiker Thomas Rattei von der Uni Wien hat das Magenbakterium Helicobacter pylori analysiert und eine überraschende Entdeckung gemacht. mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.