24.03.2009 - Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Genetische Risikofaktoren für den plötzlichen Herztod gefunden

Ein internationales Wissenschaftskonsortium hat im menschlichen Genom verbreitete Genvarianten gefunden, die auf ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod hinweisen können. Dieser Zusammenhang findet sich auch in der Heinz Nixdorf Recall Studie, die in Zusammenarbeit mit Bonner Humangenetikern an diesem internationalen Konsortium beteiligt ist. Die Ergebnisse der genomweiten Studie sind vorab online in der Zeitschrift Nature Genetics veröffentlicht. Die Forscher erhoffen sich, dass es mit Hilfe dieser Genvarianten zukünftig gelingen wird, das individuelle Risiko bei Patienten frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls geeignete Therapieschritte einleiten zu können.

Unter Leitung von Dr. Arne Pfeufer vom Helmholtz Zentrum München haben Wissenschaftler des internationalen Wissenschaftskonsortiums QTSCD die Elektrokardiogramme (EKG) von mehr als 15.000 Personen aus Deutschland, Italien und den USA untersucht und dabei zwölf Genvarianten gefunden, die für ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod stehen. In ihrer Summe und im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren können diese Genvarianten über das jeweilige individuelle Krankheitsrisiko entscheiden.

Dieser Zusammenhang findet sich auch in der Heinz Nixdorf Recall Studie, einer Stichprobe von 4.814 Menschen aus dem Ruhrgebiet, die mit einer Substichprobe an diesem internationalen Konsortium beteiligt war. "Solche Erkenntnisse gelingen heutzutage nur im Rahmen internationaler Zusammenarbeit" erklären unisono die Studienleiter, die Essener Professoren Erbel (Kardiologie) und Jöckel (Epidemiolgie), die gemeinsam mit Dr. Mühleisen aus der Arbeitsgruppe des Bonner Humangenetikers Prof. Nöthen zu den Koautoren dieser Publikation zählen. "Zugleich stärken solche Ergebnisse unsere Zusammenarbeit und zeigen, dass die Kooperationen innerhalb Nordrhein-Westfalens über Universitätsgrenzen hinweg richtig und zielführend sind" ergänzt Prof. Jöckel. Aus dieser Kooperation werden auch in Zukunft noch wichtige Erkenntnisse resultieren, darin sind sich alle drei Wissenschaftler einig.

Originalveröffentlichung: Pfeufer, A. et al.; "Common variants at ten loci modulate the QT interval duration in the QTSCD Study"; Nature Genetics online-Veröffentlichung 22 March 2009

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Helmholtz
  • Deutschland
Mehr über Universität Bonn
  • News

    Wie Staphylokokken sich gegen Antibiotika schützen

    Das Hautbakterium Staphylococcus aureus entwickelt oft Antibiotika-Resistenzen. Es kann dann schwer zu behandelnde Infektionen verursachen. Forschende der Universität Bonn haben aufgeklärt, wie raffiniert sich ein bestimmter Staphylococcus aureus-Stamm gegen das wichtige Antibiotikum Vancom ... mehr

    Epigenetik: Immunisierung geht auf Nachkommen über

    Wirkt sich eine Infektion auch auf die Immunisierung nachfolgender Generationen aus? Forschende der Radboud University (Niederlande) haben dies zusammen mit den Universitäten Bonn, des Saarlands, Lausanne (Schweiz) und Athen (Griechenland) untersucht. Mäuseväter, die zuvor eine Infektion mi ... mehr

    Immunzellen im Gehirn teilen sich die Arbeit auf

    Um toxische Proteine schneller abzubauen, können sich Immunzellen im Gehirn bei Bedarf zu Verbünden zusammenschließen. Das zeigt eine gemeinschaftliche Studie der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des Institut François Jacob in Frankreich ... mehr

Mehr über Helmholtz Zentrum München
Mehr über Uniklinik Essen
  • News

    Blutwerte erlauben Prognose über Covid-19-Verlauf

    (dpa) Bei einer Covid-19-Erkrankung lässt sich anhand von zwei Typen von Abwehrzellen im Blut vorhersagen, ob ein Patient einen schweren Verlauf oder nur milde Symptome entwickelt. Dies ergibt eine Studie an 40 Covid-19-Patienten im chinesischen Wuhan. Die Befunde seien in Deutschland bei m ... mehr

    Fresszellen gegen Killerzellen

    Beim Bekämpfen von Infektionen sind sie erste Klasse: Neutrophile Granulozyten, Fresszellen des Immunsystems. Sie stehen allerdings auch im Verdacht, Krebs zu fördern. Ein Forscherteam der Universität Duisburg-Essen (UDE) unter der Leitung von Prof. Sven Brandau von der Hals-Nasen-Ohren-Kli ... mehr

    Neuer Biomarker für Alzheimer?

    Biomarker gelten bei Alzheimer als gute diagnostische Indikatoren. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der UDE und des UK Essen haben daher nach einem neuen Biomarker gesucht, der schon im Blut leicht nachgewiesen werden kann und damit weniger kostspielig ist. Dabei sind die Forscher ... mehr