Jetzt geht es den Algen auf Häuserfassaden und Dächern an den Kragen

29.09.2005

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat ein gemeinsam von der Arbeitsgruppe Angewandte Ökologie des Instituts für Biowissenschaften der Universität Rostock (Prof. Dr. Ulf Karsten) und der Arbeitsgruppe Experimentelle Phykologie der Universität Göttingen (Prof. Dr. Thomas Friedl) beantragtes Projekt über die artliche Zusammensetzung und ökophysiologische Leistungsfähigkeit von aero-terrestrischen Mikroalgen auf anthropogenen Hartsubstraten genehmigt.

Dieses bundesweit einmalige Forschungsvorhaben beschäftigt sich erstmalig ab Oktober 2005 mit der Veralgung von Häuserfassaden und Dachziegeln aus biologischer Sicht. Der Massenbewuchs von Gebäudeoberflächen mit grünen Mikroalgen führt nicht nur zu optischen Beeinträchtigungen, sondern kann auch aufgrund biologischer Aktivitäten, wie dem Ausscheiden organischer Säuren und Schleime, oder der Komplexierung von Calcium- und Magnesium-Ionen, die Verwitterung (Biokorrosion) beschleunigen und somit zu großen ökonomischen Schäden führen. Die Veralgung stellt gerade bei kulturhistorisch bedeutsamen Gebäuden und Objekten (bspw. Höhlenmalereien und Fresken) ein großes Problem dar.

Aber auch gesundheitliche Probleme von Hausbewohnern gilt es zu unterbinden, denn die Zellreste absterbender Algen werden bevorzugt von Pilzen und Bakterien abgebaut. Gerade Pilzsporen weisen jedoch ein hohes allergenes Potential, insbesondere für Asthmatiker, auf. Deshalb sollen in dem Projekt mit Hilfe modernster molekularbiologischer und ökophysiologischer Methoden die Biodiversität und Taxonomie der Algen, sowie deren Anpassungsstrategien an die lufttrockene Lebensweise aufgeklärt werden. Gegen Schadwirkungen der Veralgungen kann erst dann sinnvoll und in umweltverträglicher Weise vorgegangen werden, wenn die zelluläre Leistungsfähigkeit unter schwankenden Umweltfaktoren und die Besiedlungsstrategien der Algen entschlüsselt sind. Insgesamt fließen für die nächsten drei Jahre Forschungsgelder an beide Universitäten, mit denen insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert werden soll.

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