Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Grünkohl beugt am besten gegen Krebs vor

Norddeutsche Arten sind besonders gesund

03.06.2016

Birgit Bruns/Universität Oldenburg

Grünkohl

Grünkohl beugt deutlich besser gegen Krebserkrankungen vor als andere Gemüsearten. Das geht aus einer gemeinsamen Studie der Universität Oldenburg und der Jacobs University in Bremen hervor. Auf der Suche nach dem perfekten Grünkohl haben Wissenschaftler rund 40 Sorten des Gemüses aus Deutschland, Italien und den USA untersucht. Die Ergebnisse sollen nun für neue Grünkohlzüchtungen genutzt werden.

Ein Kultgemüse ist Grünkohl schon seit Jahrzehnten – besonders im Nordwesten Deutschlands. Lange galt er hierzulande vor allem als deftiges Wintergemüse. Mittlerweile entdecken jedoch immer mehr Menschen, dass Grünkohl in der Küche deutlich vielseitiger eingesetzt werden kann. Zusammen mit anderen Obst- und Gemüsesorten wird er zum Beispiel zu gesunden, grünen Smoothies verarbeitet. Auch weltweit wird Grünkohl immer beliebter.

Zwei Arbeitsgruppen unter der Leitung des Oldenburger Biologen Prof. Dr. Dirk Albach und des Bremer Chemikers Prof. Dr. Nikolai Kuhnert haben sich auf die Suche nach dem schmackhaftesten und gesündesten Grünkohl begeben. Sie suchten nach Grünkohlarten, die besonders arm an Bitterstoffen und besonders reich an krebsvorbeugenden Substanzen sind. Dabei machten sie eine erstaunliche Entdeckung: „Bislang galt Brokkoli als bestes Anti-Krebs-Gemüse“, sagt Kuhnert. „Umso mehr hat es uns überrascht, dass manche Grünkohlarten zehnmal mehr krebsvorbeugende Substanzen enthalten als Brokkoli.“

Diese besondere Wirkung verdanken diese Grünkohlarten einem hohen Anteil an sogenannten Glucosinolaten. Hierbei handelt es sich um pflanzeneigene Stoffe, die den Grünkohl vor gefräßigen Insekten schützen. Sie machen ihn vor allem für hungrige Raupen zu einer gefährlichen bis tödlichen Mahlzeit. Menschen dagegen können von diesen Substanzen profitieren. Denn beim Zerkleinern des Kohls werden die Glucosinolate in Senföle umgewandelt. „Einige dieser Senföle wirken nachweislich chemopräventiv. Sie können also dabei helfen, Krebserkrankungen vorzubeugen“, sagt Kuhnert. Besonders norddeutsche Grünkohlarten wie Frostara, Neuefehn oder Rote Palme wiesen einen hohen Anteil von solchen besonders gesunden Senfölen auf. Die Ergebnisse der Studie wurden jüngst im Journal of Agriculture and Food Chemistry veröffentlicht.

Für Verbraucher dürfte es jedoch derzeit noch schwer erkennbar sein, ob sie sich gerade besonders gesunden Grünkohl in den Einkaufskorb gelegt haben. Denn anders als bei Kartoffeln wird bei Grünkohl der Sortenname im Handel meistens nicht genannt. Dennoch könnten Verbraucher künftig von den Forschungsergebnissen profitieren. Biologe Albach und sein Team sind aktuell damit beschäftigt, die schmackhaftesten und gesündesten Arten miteinander zu kreuzen, um die besten Eigenschaften verschiedener Grünkohlarten miteinander zu vereinen. So soll eine neue Grünkohlsorte entstehen, die das Potenzial hat, sich als Standard am Markt durchzusetzen: „Dafür muss sich aber auch die Essgewohnheit ändern, denn die gesunden Inhaltsstoffe bleiben am besten in Salaten erhalten“, so Albach.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Krebs
  • Universität Oldenburg
  • Jacobs University
Mehr über Jacobs University
  • News

    Tilo Halaszovich: Der Starthelfer

    „Wir haben auf dem Campus ein wahnsinniges Gründerpotenzial. Die jungen Leute wollen etwas bewegen, sie suchen nach einem Ventil und sie sind begeistert von dieser Möglichkeit“, erzählt Tilo Halaszovich. Seit kurzem können die Studierenden an der Jacobs University Bremen im Rahmen ihres Stu ... mehr

    Enzyme besser nutzen

    Bei der Biokatalyse werden Enzyme zur Beschleunigung von chemischen Reaktionen verwendet. Sie spielt in vielen Bereichen eine Rolle, etwa bei der Herstellung von Bier, Wein und Käse oder der pharmazeutischen Industrie. Ein Forschungsprojekt an der englischsprachigen Jacobs University unter ... mehr

    Biomarker besser nachweisen

    Um Krankheiten besser zu erforschen und zu heilen, müssen Forscher und Ärzte krankheitsrelevante biologische Substanzen wie Proteine und Nukleinsäuren, sogenannte Biomarker, in Blut oder Urin des Patienten nachweisen - und zwar in geringen Mengen und mit hoher Präzision. Die Forscher Dr. Su ... mehr

Mehr über Uni Oldenburg
  • News

    Anaerobe Bakterien als Schatztruhe

    Sie mögen Alkohol und Milchsäure, vor allem aber aromatische Verbindungen wie Toluol oder Ethylbenzol: Eine außergewöhnliche Gruppe von Bakterien hat sich darauf spezialisiert, besonders stabile organische Verbindungen abzubauen, ohne dabei auf Sauerstoff als Reaktionshelfer zurückgreifen z ... mehr

    Pflanzenforschung: Neuer Mechanismus bei der Genregulation gefunden

    Ein Team von Wissenschaftlern um den Oldenburger Pflanzengenetiker Prof. Dr. Sascha Laubinger hat einen neuen genetischen Mechanismus entdeckt, der Pflanzen ermöglicht, schnell auf Stress wie Kälte oder Wassermangel zu reagieren. Durch gezielte molekulargenetische Experimente mit der Ackers ... mehr

    Netzhauterkrankung: Forscher identifizieren verändertes Gen

    Ein einziges verändertes Gen im menschlichen Erbgut kann große Effekte haben. Die sogenannte Makula-Dystrophie, bei der die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut des Auges erkrankt ist, lässt sich auf eine solche sogenannte Punktmutation zurückführen. Wissenschaftlern um die Oldenbur ... mehr

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.