Merck übernimmt Silence Therapeutics
Merck will mit Akquisition seine Pipeline im Bereich seltene Erkrankungen um innovativen siRNA-Wirkstoff erweitern
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Merck hat eine endgültige Vereinbarung zur Akquisition von Silence Therapeutics plc bekannt gegeben. Das auf die klinische Entwicklung spezialisierte, globale Biotechnologieunternehmen mit Firmensitz in London, Großbritannien, leistet Pionierarbeit bei der Konzeption und Entwicklung von Therapien auf Basis von siRNA (short interfering RNAs/ kleine interferierende RNA) in Bereichen mit hohem ungedecktem medizinischen Behandlungsbedarf.
Der Kaufpreis von 20 $ in bar je American Depositary Share (ADS), wobei jede ADS drei Stammaktien von Silence Therapeutics repräsentiert (oder 6,6667 $ je Stammaktie), entspricht einem Unternehmenswert von 1,1 Mrd. $ und einem Eigenkapitalwert von rund 1,3 Mrd. $. Das entspricht einem Aufschlag von 82 % auf den volumengewichteten 30-Tage-Durchschnittskurs von 10,99 $, bezogen auf den Handelsschluss am 16. Oktober 2026, dem letzten Handelstag vor Bekanntgabe der Transaktion. Der Vollzug der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Erfüllung üblicher Vollzugsbedingungen.
„Mit der geplanten Akquisition von Silence Therapeutics wollen wir unsere Kompetenzen erweitern, um noch mehr Menschen mit seltenen Erkrankungen zielgerichtete Behandlungsoptionen zur Verfügung stellen zu können“, sagte Kai Beckmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung und Group CEO von Merck. „Nach der Übernahme von SpringWorks Therapeutics im vergangenen Jahr richten wir unsere Pipeline weiter auf hochspezialisierte Bereiche mit ungedecktem Behandlungsbedarf aus und setzen dabei nach wie vor auch auf externe Innovationen. Mit der geplanten Transaktion verfolgt Merck seine Strategie konsequent weiter, attraktive Endmärkte auch durch gezielte M&A-Aktivitäten zu erschließen und so mittel- bis langfristig nachhaltigen Wert zu schaffen.“
Im Zuge der geplanten Übernahme erweitert Merck seine Pipeline um die siRNA-Prüftherapie Divesiran, ein vor dem Übergang in die klinische Phase 3 stehender potenzieller „best-in-class“-Wirkstoff, der derzeit für die Behandlung von Polycythaemia vera (PV) mit erforderlicher Aderlasstherapie entwickelt wird. Divesiran wird einmal alle drei Monate subkutan verabreicht.
Bei PV handelt es sich um eine chronische myeloproliferative Neoplasie – eine Form von seltenem Blutkrebs –, die durch eine Überproduktion roter Blutkörperchen gekennzeichnet ist und mit einem höheren Sterberisiko aufgrund kardiovaskulärer und thrombotischer Ereignisse einhergehen kann.
Divesiran ist darauf ausgelegt, TMPRSS6 gezielt zu unterdrücken (Silencing). Das Gen ist an der Regulierung von Hepcidin beteiligt, dem zentralen Regulator des Eisenstoffwechsels im menschlichen Körper. Durch die Erhöhung des Hepcidin-Spiegels zielt Divesiran darauf ab, die Eisenverfügbarkeit für die Erythropoese zu begrenzen, den Hämatokritwert zu kontrollieren und potenziell den Bedarf an regelmäßigen therapeutischen Aderlässen zu reduzieren.
In der Phase-2-Studie SANRECO erreichte Divesiran den primären Endpunkt mit einer Ansprechrate von 88 % gegenüber 19 % unter Placebo (p < 0,0001) und reduzierte die durchschnittliche Anzahl von erforderlichen Aderlässen auf 0,2 pro Patient gegenüber 2,1 unter Placebo zwischen Woche 0 und 36 (p < 0,0001), unabhängig von einer laufenden zytoreduktiven Therapie. Divesiran erwies sich als gut verträglich und im Rahmen der Studie wurden keine neuen Sicherheitsbefunde festgestellt. Reaktionen an der Injektionsstelle traten nur selten auf und klangen von selbst ab. Es gab zwei Fälle von Anämie vom Schweregrad 1, die von einem Prüfarzt als behandlungsbedingt eingestuft wurden.
„Mit der geplanten Akquisition von Silence Therapeutics kommen wir dem strategischen Ziel unseres Unternehmensbereichs Healthcare, ein führender globaler Anbieter innovativer Spezialmedikamente zu werden, einen großen Schritt näher“, sagte Danny Bar-Zohar, Mitglied der Geschäftsleitung und CEO des Unternehmensbereichs Healthcare von Merck. „Zu dem siRNA-Wirkstoff Divesiran von Silence Therapeutics liegen vielversprechende Wirksamkeitsdaten aus der Phase 2 vor. Sein Dosierungsschema mit Verabreichung alle drei Monate gilt als potenziell „best-in-class“ und sein Sicherheitsprofil scheint gut beherrschbar zu sein. Von Vorteil ist auch, dass die anvisierte Patientenpopulation klar definiert und homogen ist. Zudem eröffnet uns die geplante Übernahme den Einstieg in die Hämatologie mittels eines biologisch validierten Wirkmechanismus. Mit dieser Transaktion treiben wir unsere Bemühungen voran, eine differenzierte und nachhaltige Pipeline auszubauen, um mehr Patientinnen und Patienten schneller innovative Therapien zur Verfügung zu stellen.“
„Wir freuen uns, diese Vereinbarung mit Merck getroffen zu haben. Sie ist das Ergebnis eines wettbewerbsorientierten Verkaufsprozesses und schafft einen erheblichen, unmittelbaren und gesicherten Mehrwert für unsere Aktionäre“, sagte Iain Ross, Interim Principal Executive Officer und Vorsitzender des Board of Directors von Silence Therapeutics. „Diese Transaktion folgt auf potenziell „best-in-class“ Phase-2-Daten für Divesiran bei Polycythaemia vera und spiegelt die bedeutenden Fortschritte wider, die wir bei der Weiterentwicklung unserer differenzierten siRNA-Pipeline erzielt haben. Sie bietet unseren innovativen Programmen zudem eine neue Heimat innerhalb von Merck und platziert Divesiran bei einem Unternehmen, das über die notwendige Größe, die Ressourcen und die kommerziellen Kapazitäten verfügt, um die Phase-3-Entwicklung zu beschleunigen und diese potenzielle „best-in-class“-siRNA-Therapie zu den Patientinnen und Patienten zu bringen, die sie benötigen. Wir sind unseren Mitarbeitenden außerordentlich dankbar für ihr Engagement und ihre Beiträge beim Aufbau von Silence Therapeutics zu dem Unternehmen, das es heute ist.“
Die Transaktion wurde vom Board of Directors von Silence Therapeutics und den zuständigen Gremien von Merck jeweils einstimmig genehmigt. Mit dem Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der Erfüllung der üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich der erforderlichen behördlichen Genehmigungen sowie der Zustimmung der Aktionärinnen und Aktionäre von Silence Therapeutics, im 1. Quartal 2027 gerechnet. Im Zusammenhang mit der Transaktion haben bestimmte Wertpapierinhaber von Silence Therapeutics, die Wertpapiere mit einem Stimmrechtsanteil von ca. 14% an Silence Therapeutics halten, eine Abstimmungs- und Unterstützungsvereinbarung mit Merck abgeschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarungen haben sich die Wertpapierinhaber unter anderem verpflichtet, ihre stimmberechtigten Wertpapiere von Silence Therapeutics zugunsten der Transaktion einzusetzen. Silence Therapeutics ist ein britisches Unternehmen, dessen ADS – eine ADS repräsentiert jeweils drei Stammaktien – an der NASDAQ notiert sind. Entsprechend der üblichen Praxis bei vergleichbaren Transaktionen wird die Transaktion im Wege eines britischen Scheme of Arrangement vollzogen.
Die geplante Akquisition wird durch neu aufgenommene Kredite finanziert.
Merck hat sich zum Ziel gesetzt, mithilfe fortschrittlicher Technologien und Datenwissenschaft die Entdeckung, Entwicklung und Bereitstellung bahnbrechender Medikamente zu beschleunigen. Mit der Akquisition treibt das Unternehmen die Umsetzung seiner übergeordneten Strategie, die Produktivität der Forschung und den Output seiner Pipeline nachhaltig zu steigern, weiter voran. Schwerpunktmäßig konzentriert sich Merck dabei auf Indikationen, bei denen durch adäquate präklinische Tests und frühe klinische Prüfungen Risiken gemindert werden können, um einem größeren Patientenkreis den Zugang zu wirksamen Therapien zu ermöglichen.
Silence Therapeutics beschäftigt an Standorten in Großbritannien, den USA und in Deutschland rund 80 Mitarbeitende.
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