Silicon-Valley-Biotech Phinomics expandiert nach Europa & startet im Bayer Co.Lab Berlin
Das Unternehmen verbindet seine „Deep Biology“-Plattform mit einem der führenden translationalen Forschungs- Ökosysteme Europas.
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Phinomics hat bekannt gegeben, dass es das Bayer Co.Lab Berlin als Basis für seine europäische Expansion ausgewählt hat. Dies ist die erste internationale Präsenz des Unternehmens seit dem Verlassen der Stealth-Phase.
v.l.n.r. Guido Mathews, Simon Cladder, Massa Shoura, Stephen Levene, Ruth Shah
© Simon Cladders
Die Aufnahme in das Bayer Co.Lab ist hart umkämpft: Es handelt sich nicht um einen frei zugänglichen Inkubator, sondern Bayer nimmt nur eine kleine, handverlesene Kohorte von Unternehmen auf, die sich durch bahnbrechendes wissenschaftliches und kommerzielles Potenzial auszeichnen. Mit der Auswahl von Phinomics positioniert das Unternehmen seine Plattform an der Seite führender klinischer, akademischer und pharmazeutischer Partner in einem der am schnellsten wachsenden Life-Science-Ökosysteme Europas. Ziel ist es, Pharma-Kooperationen aufzubauen, um insbesondere die KI-gestützte Onkologie- Wirkstoffforschung weiter voranzutreiben.
Phinomics hat eine geschützte Deep-Biology-Multi-Omics-Plattform entwickelt, die auf extrachromosomaler zirkulärer DNA – dem sogenannten Zirkulom (Circulome) – basiert. Diese genetischen Elemente, die außerhalb des standardmäßigen chromosomalen Genoms existieren, werden zunehmend als entscheidende Treiber für Tumorentwicklung, Onkogenese und Resistenzen gegen Medikamente erkannt und mit mindestens der Hälfte aller Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Obwohl ihre Rolle beim Fortschreiten von Krebs und der phänotypischen Evolution seit Jahrzehnten dokumentiert ist, blieb ihr klinischer Einsatz bisher durch eine vielschichtige technologische Barriere blockiert. Diese reichte von der Isolierungschemie über das Signal-Rausch- Verhältnis bei der Sequenzierung bis hin zum Fehlen geeigneter Rechenwerkzeuge, um sie präzise zu entschlüsseln.
Mithilfe seiner patentierten Direkt-Isolierungsmethoden erfasst Phinomics das Zirkulom mit einer 100-fach höheren Sensitivität und Auflösung als herkömmliche Sequenzierungsansätze. Diese Daten werden anschließend mit genomischen, transkriptomischen, epigenetischen und proteomischen Daten aus gepaarten Tumor- und gesunden Gewebeproben desselben Patienten zusammengeführt. Durch die Integration dieser bisher „verborgenen Ebene“ der Krebsbiologie in einen einheitlichen multi-omischen Wissensgraphen (Knowledge Graph) – kombiniert mit erklärbarer KI (Explainable AI) – zielt Phinomics darauf ab, Krankheitsmechanismen und therapeutische Zielstrukturen (Targets) aufzudecken, die von konventionellen Ansätzen auf Basis fragmentierter oder einzelner Datentypen bisher übersehen werden.
Die klinische Relevanz dieser „verborgenen Ebene“ wird zunehmend durch aktuelle Forschungsergebnisse untermauert. Wegweisende Arbeiten, die von den Gründern von Phinomics mitverfasst wurden – darunter die erste Version ihrer genomweiten Methode zur Isolierung und Kartierung zirkulärer DNA (2017) [1] sowie ein klinisches Konzept zur Rolle von eccDNA bei Tumorheterogenität und Resistenzen (2020) [2] –, haben gemeinsam mit einer schnell wachsenden Zahl unabhängiger Studien zirkuläre DNA als zentrales und klinisch folgenschweres Merkmal von Krebs etabliert. Phinomics wurde mit dem Ziel gegründet, diese Ebene bereits zu Beginn der Wirkstoffforschung sichtbar zu machen, statt erst dann, wenn Resistenzen bereits aufgetreten sind.
„Die nächste Grenze in der KI-gestützten Wirkstoffforschung liegt in der Diversität und Vollständigkeit der Daten. Heutige Modelle können nur aus der Biologie lernen, die wir auch messen können. Skalierung allein löst dieses Problem nicht: Selbst eine Billion Messungen einer einzigen, eng gefassten Ebene lassen ein Modell für den Rest des Systems blind. Seit Jahrzehnten bleibt eine entscheidende Ebene der Krebsbiologie unsichtbar, weil herkömmliche Sequenzierungs-Workflows extrachromosomale DNA nicht erfassen können. Genau hier setzt Phinomics an: Wir erfassen das Zirkulom und integrieren es mit orthogonalen molekularen Daten aus derselben biologischen Probe. So entsteht ein deutlich vollständigeres und biologisch konsistentes Bild der zugrunde liegenden Mechanismen. So legen wir die tiefen mechanistischen und regulatorischen Signalwege offen, die Krankheiten antreiben“, erklärt Dr. Massa Shoura, Gründerin und CEO von Phinomics. „Um unsere Plattform weiterzuentwickeln, brauchen wir mehr als nur Laborflächen. Wir benötigen ein Umfeld, in dem hochentwickelte KI, translationale Wissenschaft und klinische Forschung aufeinandertreffen. Das Bayer Co.Lab Berlin befindet sich genau an dieser Schnittstelle. Die Aufnahme in das Berliner Life-Science-Ökosystem ermöglicht es uns, eng mit Klinikern, Forschern und Industriepartnern zusammenzuarbeiten, um bislang verborgene biologische Zusammenhänge in die nächste Generation onkologischer Therapien zu übersetzen.
Originalveröffentlichung
Massa J Shoura, Idan Gabdank, Loren Hansen, et al.; "Intricate and Cell Type-Specific Populations of Endogenous Circular DNA (eccDNA) in Caenorhabditis elegans and Homo sapiens"; G3 Genes|Genomes|Genetics, Volume 7, 2017-10-1
C. Bailey, M.J. Shoura, P.S. Mischel, et al.; "Extrachromosomal DNA—relieving heredity constraints, accelerating tumour evolution"; Annals of Oncology, Volume 31