Makrophagen im Marathonmodus
Makrophagen-Stoffwechsel als Schlüssel zu granulomatösen Hauterkrankungen entschlüsselt
Anzeigen
Ein internationales Forschungsteam konnte jetzt wesentliche immunologische und biochemische Abläufe bei granulomatösen Hauterkrankungen erhellen. Die in „Science Advances“ veröffentlichten Ergebnisse liefern neue therapeutische Angriffspunkte gegen diese chronisch-entzündlichen Erkrankungen.
Es ist eigentliche eine Abwehrreaktion: Wenn die vom Immunsystem bereitgestellten Fresszellen es nicht schaffen, Krankheitserreger oder anderes körperfremdes Material zu beseitigen, verklumpen diese sogenannten Makrophagen, kapseln die Fremdstoffe ein und schotten sie so vom umliegenden Gewebe ab. Auf diese Weise entstehen kleine Knötchen, die Granulome. Aber auch ohne Eindringlinge oder Fremdmaterial können Granulome bei einer ganzen Reihe chronisch entzündlicher Hauterkrankungen auftreten. Auch andere Gewebe wie Lunge, Leber oder Milz sind dann bisweilen betroffen. Wodurch die Abwehrreaktion bei diesen Erkrankungen ausgelöst wird, bleibt mysteriös.
„Die Betroffenen leiden körperlich und auch seelisch oft erheblich unter den großflächigen Hautentzündungen, die wir derzeit nur symptomatisch behandeln können, weil die Mechanismen der Erkrankung nur unzureichend verstanden sind“, so Prof. Dr. Mario Fabri, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Jena. Er leitet ein Team an den Unikliniken Köln und Jena mit vielen internationalen Partnern, das die Granulomatosen seit Jahren erforscht. Anhand zweier typischer Vertreter dieser Erkrankungen untersuchte das Team den Stoffwechsel der beteiligten Immunzellen.
Dazu verfolgte es den Signalweg der Makrophagen-Aktivierung durch den Botenstoff Interferon-gamma bei Granuloma annulare, einer gutartigen, aber langwierigen Hautentzündung, und bei der Sarkoidose der Haut. Das Ergebnis: Der Botenstoff forciert den Prozess der Zellatmung in den Makrophagen - wie bei Marathonläufern fährt er in den Fresszellen die sauerstoffverbrauchende Energiegewinnung hoch. Manuel Huerta, einer der beiden Erstautoren, stellt fest: „Wir konnten zudem bei beiden Erkrankungen das Protein GBP1 als ein zentrales Glied dieser Wirkungskette identifizieren.“
Diese Ergebnisse haben unmittelbare Relevanz für eine Therapie der Haut-Granulomatosen. Sie stützen frühe klinische Studien, die JAK-Inhibitoren zur Hemmung von Interferon-gamma-Signalen einsetzen. Das Forschungsteam zeigt in seiner Studie noch weitere Ansätze auf. In Gewebekulturen, die aus Patientenproben gezüchtet waren, konnte es die Granulombildung reduzieren, sowohl durch die Hemmung des Proteins GBP-1, als auch durch das Diabetesmedikament Metformin, das in die Atmungskette eingreift. „Unsere Arbeit eröffnet neue Angriffsziele für eine kausale Therapie bei granulomatösen Erkrankungen. Insbesondere könnte die Umwidmung des bereits etablierten Wirkstoffs Metformin eine Behandlungsmöglichkeit sein“, resümiert Henning Klapproth, der andere Erstautor der Arbeit.
Originalveröffentlichung
Manuel Huerta Arana, Henning Klapproth, Michal A. Stanczak, Luisa Bopp, Karla Witschurke, Robert Seitz, Maria Lopéz Martinez, Jan Zamek, Sinika Henschke, Nisha Rana, David O’Sullivan, Joy Steinkamp, Jan-Wilm Lackmann, William Damsky, Esther von Stebut, David E. Sanin, Paola Zigrino, Ramon I. Klein Geltink, Edward J. Pearce, Erika L. Pearce, Mario Fabri; "A STAT1/ETC/GBP1 axis represents a potential therapeutic target for noncommunicable granulomatous skin disease"; Science Advances, Volume 12