Leipziger Start-up stellt Moleküle her, die bislang kein Fermentationsverfahren wirtschaftlich produzieren konnte

Primogene sichert sich 4,1 Millionen Euro, um komplexe bioaktive Inhaltsstoffe mithilfe von Enzymen industriell herzustellen

04.05.2026

Das Leipziger Biotech-Start-up Primogene GmbH hat eine Finanzierung in Höhe von 4,1 Millionen Euro eingesammelt, um komplexe bioaktive Moleküle in industriellem Maßstab auf den Markt zu bringen. Mithilfe einer enzymatischen Plattformtechnologie produziert das Unternehmen Inhaltsstoffe identisch zu natürlichen Molekülen – nachhaltig, kosteneffizient und im industriellen Maßstab. Primogene bedient Märkte von Säuglingsernährung über die Gesundheit von Erwachsenen und Senioren bis hin zu pharmazeutischen Rohstoffen und Körperpflegeprodukten.

Primogene

Die Seed-Runde wird angeführt vom High-Tech Gründerfonds (HTGF); beteiligt sind außerdem der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), better ventures, die Sächsische Beteiligungsgesellschaft (SBG), Golzern Holding GmbH, FS Life Science Investment GmbH sowie Dr. Marc Struhalla (Gründer und CEO der c-LEcta GmbH).

Das neue Kapital fließt in den Ausbau des IP-Portfolios, der Produktionskapazitäten und strategische Partnerschaften.

Der Ausgangspunkt: Muttermilch als Vorbild

Jedes Jahr kommen weltweit rund 13 Millionen Kinder zu früh zur Welt. Muttermilch ist der Goldstandard für die Ernährung von Säuglingen und unterstützt das Immunsystem, die kognitive Entwicklung und den Aufbau des Mikrobioms. Doch gerade bei Frühgeborenen ist der Nährstoffbedarf noch höher: Klinische Studien zeigen die entscheidende Rolle von humanen Milcholigosacchariden (HMOs), insbesondere von Disialyllacto-N-Tetraose (DSLNT), einem komplexen HMO mit signifikanten Vorteilen für die Gesundheit von Frühchen.

Die Produktion solcher Moleküle im industriellen Maßstab war bislang nicht möglich. Etablierte fermentative Produktionsverfahren verursachen erhebliche Kapital- und Betriebskosten und stoßen bei der Produktion komplexer Moleküle an ihre Grenzen.

Genau hier setzt Primogene an: Primogenes enzymatisches Verfahren ermöglicht die Herstellung komplexer Moleküle identisch zur Natur und in großen Mengen – nachhaltig und kosteneffizient. Primogene hat skalierbare Prozesse für DSLNT und weitere komplexe HMOs entwickelt, darunter Difucosyllacto-N-Tetraose I (LNDFH I), das HMO mit der zweithöchsten Konzentration in Muttermilch. Auch ein Blick auf den Markt spricht für sich: Der globale HMO-Markt wächst jährlich um etwa 18–20 %, und über 65 % der 2023 neu eingeführten Säuglingsnahrungsprodukte enthielten mindestens ein HMO.

Eine Plattformtechnologie mit Anwendungen über die gesamte menschliche Lebensspanne

Die Anwendung der Technologie reicht weit über Säuglingsernährung hinaus. Viele der von Primogene hergestellten bioaktiven Moleküle spielen in unterschiedlichen Lebensphasen eine Rolle: Sie unterstützen die Darmgesundheit bei Erwachsenen, verbessern das Gedächtnis im Alter und kommen als funktionale Inhaltsstoffe in der Körperpflege zum Einsatz. Darüber hinaus liefert Primogene hochwertige Rohstoffe für die pharmazeutische und biopharmazeutische Industrie, und trägt durch die europäische Produktion in einem der kritischsten Sektoren zur Resilienz der Lieferkette bei.

Primogene bildet den gesamten Prozess – von der Enzymentwicklung und Produktion über die Biotransformation bis hin zur Aufreinigung – selbst am Unternehmensstandort in Leipzig ab. Die Technologie und das Verfahren werden geschützt durch ein starkes IP-Portfolio in mehreren Produktkategorien.

Kommerzielle Traktion und Forschungskooperationen

Erste Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte wurden in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern entwickelt und sind bereits kommerziell erhältlich. Primogenes pharmazeutische Rohstoffe werden derzeit von Kunden getestet, und Partnerschaften befinden sich im fortgeschrittenen Stadium. Primogene sucht aktiv nach Partnern im Bereich der Säuglingsnahrung und Functional-Food-Produzenten, um seine komplexen HMOs, einschließlich DSLNT, auf den Markt zu bringen.

In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) in Leipzig erforscht Primogene das Potenzial seiner Inhaltsstoffe zur Prävention von Infektionskrankheiten. Parallel arbeitet das Unternehmen mit Intensivstationen für Frühgeborene zusammen, um HMO-Konzentrationen in der Muttermilch von Frühchen-Müttern zu analysieren und klinisch relevante Dosierungen und Anwendungen für Frühgeborene zu definieren.

Skalierung in Leipzig

Primogene wurde 2023 in Leipzig von Dr.-Ing. Reza Mahour, Valerian Grote und Linda Karger gegründet. Mit der neuen Finanzierung will Primogene seine Vision skalieren: bioaktive Inhaltsstoffe herzustellen, die die menschliche Gesundheit in allen Lebensphasen unterstützen. Das Kapital ermöglicht unter anderem den Ausbau der Produktionskapazitäten in Leipzig, die Stärkung des IP-Portfolios und das Wachstum des Teams. Darüber hinaus will das Unternehmen seinen Kundenstamm erweitern und strategische Partnerschaften, insbesondere im Bereich der Säuglingsernährung, etablieren.

„Primogene verbindet tiefe wissenschaftliche Exzellenz mit hoher industrieller Relevanz. Das Unternehmen löst ein zentrales Problem: Komplexe Biomoleküle ließen sich mit herkömmlichen Verfahren bislang kaum wirtschaftlich herstellen. Die Technologie von Primogene ändert das. Das Team setzt schnell um, hört auf Kundenfeedback und zeigt bereits starke Traktion. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte“, sagt Dr. Stephan Ruck, Investment Analyst beim HTGF.

„Die enzymatische Synthese ist der Schlüssel zur Herstellung der nächsten Generation komplexer bioaktiver Moleküle, und Primogene hat Verfahren entwickelt, um mehrere vielversprechende Produkte effizient herzustellen. Ich freue mich, Teil dieser Reise zu sein und zum Erfolg der Firma beizutragen.“, sagt Dr. Marc Struhalla, Gründer und CEO der c-LEcta GmbH.

„Das Kapital ermöglicht uns, die nächste Phase von Primogene aufzubauen, indem wir die Produktion skalieren, das Team vergrößern und den industriellen Verkauf unserer Produkte weiter vorantreiben.“ sagt Dr.-Ing. Reza Mahour, CEO und Mitgründer von Primogene. „Unser Ziel ist es, komplexe naturidentische Inhaltsstoffe im großen Maßstab zugänglich zu machen und damit die menschliche Gesundheit in jedem Alter zu unterstützen.“ fügt Linda Karger, COO und Mitgründerin von Primogene, hinzu.

„Primogene ist ein Paradebeispiel für die Stärke des Leipziger Life-Sciences-Ökosystems. Das Unternehmen adressiert einen klar definierten Engpass in der industriellen Biotechnologie und verfügt über eine skalierbare Technologieplattform mit breitem Anwendungspotenzial. Wir sehen erhebliches Wachstumspotenzial in mehreren attraktiven Märkten und freuen uns darauf, Primogene auf diesem Weg zu begleiten“, sagt Oliver Latz, Senior Investment Manager bei TGFS.

„Der Erfolg von Primogene als innovatives sächsisches Biotechnologieunternehmen ist auch ein Ergebnis des starken Life-Sciences-Ökosystems“, erklärt Frank Tappert, Geschäftsführer der Sächsischen Beteiligungsgesellschaft mbH. „Das Team hat uns überzeugt, und gemeinsam mit den anderen Investoren vertrauen wir auf ihre Expertise, die Technologie im industriellen Maßstab umzusetzen.“

„Primogene adressiert eine echte Marktlücke für naturidentische Inhaltsstoffe mit einer Technologie, die die wirtschaftliche Produktion komplexer Moleküle erheblich erleichtert. Das Team verbindet biotechnologische Tiefe mit einer klaren Produkt- und Umsetzungsperspektive. Diese Kombination hat uns überzeugt“, sagt Tina Dreimann, Gründerin und Geschäftsführerin von better ventures.

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