Meine Merkliste
my.bionity.com  
Login  

Maßgeschneiderte Medikamente aus dem Supercomputer

Verleihung der Alexander von Humboldt-Professur an Bioinformatiker und Chemiker Jens Meiler

07.05.2019

Universität Leipzig / Christian Hüller

Prof. Dr. Jens Meiler

Die Alexander von Humboldt-Stiftung verleiht am 9. Mai Prof. Dr. Jens Meiler in Berlin die hochdotierte Alexander von Humboldt-Professur. Der 44-Jährige zählt zu den weltweit renommiertesten Forschern auf dem Gebiet der computergestützten Wirkstoffentwicklung. Er modelliert mithilfe von digitalen Simulationen und künstlicher Intelligenz Proteine, die attraktive Ansatzpunkte für eine Vielzahl von Medikamenten bilden. Ab Januar 2020 wird er an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig die Pharmazeutische Chemie verstärken.

Die Alexander von Humboldt-Professur ist mit fünf Millionen Euro der höchstdotierte Forschungspreis Deutschlands. Die Auszeichnungen werden am Donnerstagabend durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, und den Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung, Prof. Dr. Hans-Christian Pape, verliehen. Seit 2008 vergibt die Stiftung Auszeichnungen an weltweit führende und im Ausland tätige Forscher. Deutsche Hochschulen können sie dann berufen und ihnen so international konkurrenzfähige Bedingungen für zukunftsweisende Forschung bieten.

Gallionsfigur an der Schnittstelle von Medizin, Lebenswissenschaften und Informatik

Mit Prof. Dr. Jens Meiler ist der Universität Leipzig die erste Berufung einer Professur für Pharmazeutische Chemie innerhalb einer Medizinischen Fakultät in Deutschland gelungen. Prof. Meiler wird ein neues Institut zur Wirkstoffentwicklung aufbauen. Dort sollen im Computer entworfene Moleküle hergestellt und getestet werden. Ziel ist es, die biomedizinische Grundlagenforschung an der Universität Leipzig mit der angewandten Forschung an der Medizinischen Fakultät weiter zu verzahnen. Rektorin Prof. Dr. Beate Schücking würdigt den Wissenschaftler: „Jens Meiler wird an unserer Universität die Pharmazie, die Lebenswissenschaften, die Informatik und die Medizin enger zusammenbringen. Er wird eine Gallionsfigur in diesem interdisziplinären Bereich sein und herausragende Forschung auf dem Gebiet der Wirkstoffentwicklung ermöglichen. Zugleich kann die Universität mit ihm die internationale Sichtbarkeit im Bereich der Lebenswissenschaften weiter erhöhen.“ Nach dem Philosophen Prof. Dr. James Conant und dem Altphilologen und Informatiker Prof. Dr. Gregory Ralph Crane kommt mit Meiler nun die dritte Humboldt-Professur an die Universität. „Unsere Studierenden werden natürlich davon profitieren. Sie haben zukünftig die Chance, in ihrem Studium – seien es Vorlesungen oder Laborpraktika – die Spitze der Forschung kennenzulernen und mitzuwirken“, ergänzt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Josten.

Computeralgorithmen berechnen Struktur von Proteinen zur passgenauen Wirkstoffentwicklung

Jens Meilers Forschungsinteresse gilt der Entwicklung von Computeralgorithmen, welche nicht nur die Wirkstoffentwicklung beschleunigen können, sondern auch zur Entwicklung maßgeschneiderter Medikamente beitragen. Hierzu kombiniert Meiler dreidimensionale Strukturmodelle mit Verfahren der künstlichen Intelligenz. Er simuliert am Computer zum Beispiel die Struktur von Rezeptoren, welche attraktive Ansatzpunkte für Medikamente bilden. Die Rezeptoren befinden sich an der Zelloberfläche und sind wichtig für die Kommunikation der Zelle mit ihrer Umgebung. Ein detailliertes Verständnis des Aufbaus dieser Rezeptoren helfen bei der Entwicklung neuer Medikamente – etwa für Krebs- oder Alzheimerpatienten. Doch diese Rezeptormoleküle sind komplex gefaltet. In digitalen Simulationen spielt Meiler verschiedene Faltungen durch. Seine Algorithmen helfen dabei, die wahrscheinlichste Form des Proteins zu ermitteln und so ein Modell zu erstellen. Die Forscher wissen dann, an welcher Stelle des Moleküls ein Wirkstoff ansetzen sollte, damit er optimal mit dem Rezeptor wechselwirken kann. Danach helfen seine Algorithmen, die geeigneten Wirkstoffe im Computer zu designen, bevor sie im Labor synthetisiert werden.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über Uni Leipzig
  • News

    Bakterien in fermentierten Lebensmitteln interagieren mit unserem Immunsystem

    Milchsäurebakterien sind gut für den Körper und spielen für unsere Gesundheit eine zentrale Rolle. Warum das so ist, war bislang weitgehend unerforscht. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben nun herausgefunden, dass Menschen und Menschenaffen auf ihren Zellen einen Rezeptor besitzen ... mehr

    Neuer Weg zum Ersatz von Stärke für die Biotechnologie durch Photosynthese gefunden

    Wissenschaftlern der Universität Leipzig ist ein wichtiger Schritt in der grünen Biotechnologie gelungen. Die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Wilhelm vom Institut für Biologie fanden einen neuen, eleganten Weg, um einen Stärkeersatz für die Biotechnologie mit Hilfe der Ph ... mehr

    Wissenschaftler erprobt neuen Ansatz in Alzheimer-Forschung

    Warum sterben einige Nervenzellen in Folge der Alzheimerschen Erkrankung ab, andere aber nicht? Genau diesen Fragen geht PD Dr. Dr. Markus Morawski in seinem neuen Forschungsprojekt nach, für das er kürzlich eine Förderung der Alzheimer Forschung Initiative e. V. in Höhe von 120.000 Euro er ... mehr

  • Firmen

    Universität Leipzig

    Von jeher dem Vorbild der universitas litterarum verpflichtet, vereint die 1409 gegründete Universität Leipzig, die zweitälteste Universität Deutschlands, stärker als die meisten späteren Gründungen ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen unter ihrem Dach. Sie besteht aus 14 Fak ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Translationszentrum für Regenerative Medizin

    Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig entwickelt neuartige Diagnostik- und Therapieverfahren für die regenerative Medizin und überträgt diese in die medizinische Praxis. Das interdisziplinäre Forschungsspektrum reicht von neuen Behandlungsoptionen für neurologische ... mehr

  • Universitäten

    Universität Leipzig

    Die Universität Leipzig wurde im Jahr 1409 gegründet. Im Laufe ihrer Geschichte erlebte sie Höhen und Tiefen und entwickelte einen breiten Fächerkanon, der nahezu alle Wissenschaftsbereiche, mit besonderen Akzenten in den Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften, umfasst. Nach umfangre ... mehr

Mehr über Alexander von Humboldt-Stiftung
Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.