Bestimmte Milchfettsäuren wirken bei Asthma positiv

29.05.2006
Die epidemiologische Studie eines Mediziners über asthmakranke Kinder gab Prof. Dr. Gerhard Jahreis den Anstoß: "Im Jahr 2003 hatte sich in einer Untersuchung herausgestellt, dass Kinder, die Milch trinken, weniger oft an Asthma erkranken als Kinder, die keine Milch trinken." Der Ernährungswissenschaftler und sein Team von der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigen sich schon seit Jahren mit Milchfetten und wollten der Sache auf den Grund gehen. "Nun ist nicht so einfach herauszufinden, was genau die positive Wirkung ausmacht - es gibt Hunderte von Substanzen in der Milch", weiß Jahreis. Aber er hatte einen begründeten Verdacht: Bestimmte Formen von konjugierten Linolsäuren (engl.: Conjugated Linoleic Acid, CLA), die aus pflanzlichen Fetten von Gräsern und anderem Futter im Pansen von Wiederkäuern umgebaut werden, wirken entzündungshemmend. Jahreis' Doktorandin Anke Jaudszus und Kollegen haben nun in einer in vitro-Studie, die vor kurzem in "Biochimica Biophysica Acta" (BBA 1737, 111-118, 2005) veröffentlicht worden ist, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Claus Krögel von der Jenaer Uni-Klinik für Innere Medizin I erstmals genau den Zusammenhang zwischen spezifischen CLA-Verbindungen und Asthma untersucht. Dazu haben die Wissenschaftler erforscht, wie sich bestimmte Verbindungen der konjugierten Linolsäuren auf die Interaktion von Eosinophilen und bronchialen Epithelzellen (Typ BEAS-2B) auswirken, die von Asthma-bronchiale-Erkrankten stammen. Im Mittelpunkt standen dabei zwei biologisch besonders aktive Isomere: "cis-9, trans11-CLA" und "cis-10, trans 12-CLA". Beide unterscheiden sich lediglich in der Anordnung ihrer Doppelbindungen - aber diese Unterschiede erwiesen sich bei der Untersuchung ihrer spezifischen Wirkweisen als erheblich: Besonders "cis-9, trans11-CLA" verhindert die Bildung eines proteins (Eosinophiles kationisches Protein, ECP), das eine wichtige Rolle bei der Entzündungsentstehung spielt. Zudem wirkt sich diese CLA-Verbindung positiv auf die Reduzierung entzündungsfördernder Cytokine aus. Sehr viel schlechtere - teils sogar gegenteilige - Wirkungen haben dagegen "cis10-, trans 12-CLA" und Linolsäure (LA). Die Milchfettsäure mit der günstigen entzündungshemmenden Wirkung, "cis-9, trans 11-CLA" kommt vermehrt in Milch von Schafen und Kühen vor, die v. a. Grünfutter fressen. Die Ergebnisse dieser molekularbiologischen Untersuchungen deuten mögliche neue Wege an, um durch spezifische Ernährung eine Asthma-Prävention zu erzielen - besonders für Kinder. Für diese Patientengruppe sind die Erkenntnisse besonders relevant, da die Zahl der Asthma-Erkrankungen ständig steigt. Bevor die Jenaer Untersuchungen aber Konsequenzen für die Therapie der Erkrankung ermöglichen, müssen die Ergebnisse im Tierversuch und später auch am Menschen überprüft werden.

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