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Arterielle Hypertonie



Klassifikation nach ICD-10
I10.0 Arterieller Hypertonus
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Die Arterielle Hypertonie, oft verkürzt auch Hypertonie, Hypertonus oder Hypertension oder im täglichen Sprachgebrauch Bluthochdruck genannt, ist ein Krankheitsbild, bei dem der Blutdruck chronisch erhöht ist. Folgeschäden wie die koronare Herzkrankheit und Schlaganfall stellen eine Haupttodesursache in den Industrieländern dar. Altersabhängig sind 10–30 % der Bevölkerung davon betroffen.

Der Blutdruck ist der in Blutgefäßen und Herzkammern herrschende Druck. Er ist abhängig von der Pumpkraft des Herzens, dem Gefäßwiderstand und dem Blutvolumen. Wenn der Druck dauerhaft zu hoch ist, werden über die Jahre die Blutgefäße geschädigt; es drohen Folgeerkrankungen, die den gesamten Körper betreffen können.

Der Blutdruck wird mit zwei Werten angegeben. Als optimaler Blutdruck gilt ein Wert unter "120 zu 80" (120 / 80). Der erste Wert gibt dabei den systolischen Blutdruck an, dies ist der höchste Druck, der bei der Kontraktion des Herzens erreicht wird. Der zweite Wert beschreibt den diastolischen Blutdruck - darunter versteht man den geringsten Druck, der in den Schlagadern herrscht, während das Herz sich mit Blut füllt.

Es gibt, abhängig vom Alter, bestimmte Normalwerte. Ist der Blutdruck anhaltend erhöht, liegt eine Hypertonie (erhöhter Blutdruck) vor. Allgemeinen gilt ein Blutdruck in Ruhe ab 140/90 als erhöht.

Nach WHO-Kriterien gilt ein systolischer Blutdruck höher als 120 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck höher als 80 mmHg als grenzwertig, ein systolischer Blutdruck höher als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck größer als 90 mmHg definiert eine Hypertonie.

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Inhaltsverzeichnis

Epidemiologie

Die Krankheitshäufigkeit der arteriellen Hypertonie ist in den Industrieländern seit den 80er Jahren konstant hoch. Sie liegt bei 10-20 % der Gesamtbevölkerung. Mit 80 Jahren haben 30 % der Mitteleuropäer einen systolischen Blutdruck > 160 mmHg (Renz-Polster: 2004).

In westlichen Industrieländern lebt etwa jeder zweite Erwachsene mit einem Blutdruck mit Werten über 140/90 mmHg. In der Altersgruppe zwischen 25 und 29 Jahren ist der Druck in den Gefäßen bei etwa jeder zehnten Frau und etwa jedem vierten Mann zu hoch. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Häufigkeit des Bluthochdrucks stark zu. Bei den über 60-jährigen weist nur noch etwa jeder Vierte normale Blutdruckwerte auf. In Deutschland findet sich die höchste Hypertonie-Prävalenz in Europa und bei der Schlaganfall-Mortalität steht Deutschland mit an Europas Spitze.[1] Hypertonie ist einer der häufigsten Beratungsanlässe in einer allgemeinmedizinischen Praxis. [2]

Ein wichtiger blutdrucksteigernder Faktor kann Arbeit sein. Von Arbeitenden mit einem durchschnittlichen Alter von 44 Jahren hatten nur 35 % einen normalen Blutdruck und von den Bluthochdruckkranken hatten nur 7,5 % unter blutdrucksenkender Therapie normale Blutdruckwerte. Das zeigten Blutdrucklangzeitmessungen während der Arbeit, die über 5 Jahre hinweg immer wieder gemacht wurden. [3]. Die Zielwerte für Blutdruck werden in Deutschland meistens nicht erreicht: Nur maximal jeder fünfte Hypertonie-Patient in Deutschland hat einen Blutdruck unter 140/90 oder bei erhöhtem Risiko (z. B. Diabetes) unter 130/80 mmHg[4] Von 20 Mio. Menschen, die in Deutschland unter Hypertonie litten, würden nur 10% der Männer und 21% der Frauen richtig behandelt. Zwar würden 75% der hypertonen Diabetiker behandelt, aber nur 7,5% erreichten den Zielwert von unter 130/80 mmHg.[5]

In Österreich schätzt zwar beinahe jeder diese Erkrankung als ernste Bedrohung ein, jedoch nur ca 50 % wissen über ihren Blutdruck auch Bescheid - im Gegensatz zu den USA, wo 70 % der Befragten ihre Blutdruckwerte kennen. In Österreich sind gut 1 Million Hypertoniker bekannt. Somit kann von einer weiteren Million ausgegangen werden, die als Hypertoniker unerkannt leben.

Allerdings sind auch von den bekannten Hochdruckpatienten in Österreich nur ca. 30 % in Behandlung. Von diesen sind wiederum nur 10 % so eingestellt, dass von einem befriedigenden Ergebnis gesprochen werden kann, wogegen die behandelnden Ärzte der Meinung sind, 55 % der Patienten gut eingestellt zu haben.

Ursachen

Für gewöhnlich wird zwischen primärer und sekundärer Hypertonie unterschieden. Damit möchte man deutlich machen, dass Hypertonie einerseits Folge (sekundäre Hypertonie) einer anderen Grunderkrankung und andererseits Ursache, bzw. Krankheit selbst sein kann (primärer Hypertonie).

Sekundäre Hypertonie

Die sekundäre Hypertonie ist eine Bluthochdruckerkrankung, deren Ursache andere Grundkrankheiten sind. Dies ist bei 5 - 15 % aller Hochdruck-Patienten der Fall. Nicht zu den hier beschriebenen, chronischen Formen von Bluthochdruck zählen vorübergehende Blutdruckerhöhungen durch Erkrankung, Medikamente oder Schwangerschaft. Zumindest theoretisch sind diese Fälle durch Beseitigung der Grunderkrankung kausal heilbar.

Nierenerkrankungen

Akute oder chronische Entzündungen in der Niere oder dem Nierenbecken, Zystenbildung, Tumoren oder Gefäßverengungen der Nierenarterien (Nierenarterienstenose) können einen Bluthochdruck zur Folge haben.

Störungen im Hormonhaushalt

Verschiedene Erkrankungen wie das Conn-Syndrom (klassische Form oder normokaliämische Form, bis zu 8 % der Fälle), Phäochromozytom, adrenogenitales Syndrom (AGS) oder die Akromegalie können den Hormonhaushalt stören und dadurch zu einem Bluthochdruck führen.

Angeborene Missbildungen der Hauptschlagader

Bei einer Aortenisthmusstenose besteht eine Verengung der Hauptschlagader im Aortenbogen, also der Krümmung der Schlagader oberhalb vom Herzen. Durch diese Verengung steigt der Blutdruck an.

Primäre (essentielle) Hypertonie

90-95 % der Patienten müssen jedoch als primäre oder essentielle Hypertoniker angesehen und langdauernd oder lebenslang mit blutdrucksenkenden Maßnahmen behandelt werden. Die Ursachen der Hypertonie sind bei diesen Patienten multifaktoriell und weiterhin nicht abschließend geklärt. Daher ist die primäre Hypertonie auch eine Ausschlussdiagnose und darf erst gestellt werden, wenn andere Ursachen sicher ausgeschlossen werden können.

Symptome

Eine Hypertonie verläuft meist ohne Symptome oder verursacht bei mäßig erhöhten Blutdruckwerten oft nur uncharakteristische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Nasenbluten (Epistaxis) oder Abgeschlagenheit. Bei stark erhöhten Blutdruck können Luftnot (Dyspnoe) bei Belastung, Angina pectoris, Übelkeit und Sehstörungen auftreten.

Wird die Hypertonie nicht durch eine Kontrolle des Blutdrucks entdeckt, macht sie sich häufig erst durch ihre Spätschäden bemerkbar.

Folgen und Komplikationen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bluthochdruck ist als Risikofaktor für die Entwicklung der Arteriosklerose anerkannt. Kommen zum Risikofaktor Bluthochdruck noch Adipositas (starkes Übergewicht) sowie ein weiterer Risikofaktor – etwa Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Cholesterin-, bzw. LDL-Werte) – hinzu, besteht eine signifikant erhöhte Gefahr, im Laufe des Lebens eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden.

Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga werden 45 % der Todesfälle bei Männern, 50 % der Todesfälle bei Frauen durch Herz-Kreislauferkrankungen verursacht, welche mit arterieller Hypertonie in Zusammenhang stehen, wie Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Nierenversagen, Schlaganfall, und Arterielle Verschlusskrankheit.

Die Inzidenz der KHK-Todesfälle hängt annähernd linear vom Blutdruck ab; sie steigt von 10/10.000 Personenjahre (normaler Blutdruck) bis auf 60/10.000 Personenjahre (systolischer Druck > 180 mmHg). Da leichte und mittlere Blutdruckerhöhungen viel häufiger sind als extreme Drücke von mehr als 180 mmHg, erleiden insgesamt deutlich mehr Menschen mit mittleren Blutdruckwerten kardiovaskuläre Ereignisse. Das bedeutet aber auch, dass gerade Menschen mit nur etwas erhöhtem Blutdruck ebenfalls erkannt und behandelt werden müssen, um die hohe Zahl von kardiovaskulär bedingten Todesfällen deutlich abzusenken.

Die arterielle Hypertonie ist nach dem Zigarettenrauchen der zweitwichtigste und gleichzeitig der häufigste Risikofaktor für das Auftreten einer Herzkreislauferkrankung. Heutzutage stirbt jeder zweite (51 %) Deutsche und Österreicher an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Allein 16.000 Österreicher versterben jährlich an einem Herzinfarkt. Es wird geschätzt, dass es alleine durch die Umsetzung der neuen Richtlinien in Österreich 1500 Herzinfarkttote pro Jahr weniger gäbe. Würden 100 Hochdruckpatienten 1 Jahr lang medikamentös gut eingestellt, könnte 1 Todesfall verhindert werden.

Weitere Organschäden

Der Bluthochdruck kann auch zu Veränderungen der Netzhautgefäße des Auges führen, so dass ein Fundus hypertonicus oder bei einer Bluthochdruckkrise auch eine seltene hypertensive Retinopathie auftreten kann.

Ebenfalls wird die Niere durch anhaltenden hohen Blutdruck geschädigt und es kommt zur Einschränkung der Nierenfunktion.

Hypertensive Krise / Hypertensiver Notfall

Die hypertensive Krise ist eine plötzlich auftretende, symptomlose Fehlregulation des Blutdrucks im systemischen Kreislauf mit einem Blutdruck von größer als 230/130 mmHg. Bei lebensbedrohlichen kardialen und/oder neurologischen Symptomen und einem Blutdruck >230/130 mmHg spricht man von einem hypertensivem Notfall.

Diagnostik

Die Diagnostik umfasst die Diagnosestellung mittels mehrfacher Blutdruckmessung, die Suche nach Ursachen sowie von eingetretenen Organschäden.

Blutdruckmessung

Hauptartikel: Blutdruckmessung

Die Messung des arteriellen Blutdrucks, im allgemeinen mit BD oder BP abgekürzt, erfolgt heute nur noch selten nach der obsoleten Methode von Riva-Rocci mittels Armmanschette mit Quecksilbersäule und Tasten des Pulses. In der Routinediagnostik kommt meist die oszillometrische Messung, oder die von Korotkow modifizierte Methode mit Armmanschette und Auskultation der Pulsationsgeräusche zum Einsatz.

Dennoch kann man immer noch die Abkürzung „RR“ für diese spezielle nicht-blutige Messung des arteriellen Blutdrucks finden. Die Höhe des Blutdrucks wird häufig noch in Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg, Torr), der alten Einheit für den Druck angegeben, während diese Einheit außerhalb der Medizin durch die SI-Einheit Pascal abgelöst wurde.

Das Phänomen, dass Menschen mit sonst normalem Blutdruck bei Messungen durch medizinisches Personal wiederholt erhöhte Blutdruckwerte aufweisen wird oft als Weißkittelhypertonie bezeichnet. Daher sollten diese „Gelegenheitsmessungen“ durch Selbstmessungen des Patienten und möglichst auch durch automatische 24-Stunden-Messungen ergänzt werden. Es ist auch möglich, belastungsabhängige Blutdruckspitzen durch Untersuchung am Fahrrad-Ergometer zu erfassen.

Weitere Untersuchungen

Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung sind Labor- und Urindiagnostik, EKG, Echokardiografie und eine Ophthalmoskopie (Augenhintergrundsspiegelung) weitere wichtige diagnostische Mittel.

Klassifikationen

WHO/Fachgesellschaften

Die von der WHO[6] und den deutschen medizinischen Fachgesellschaften[7] vertretenen Normwerte lauten :

Bewertung systolisch (mm Hg) diastolisch (mm Hg)
optimaler Blutdruck < 120 < 80
normaler Blutdruck 120-129 80-84
hoch-normaler Blutdruck 130-139 85-89
milde Hypertonie (Stufe 1) 140-159 90-99
mittlere Hypertonie (Stufe 2) 160-179 100-109
schwere Hypertonie (Stufe 3) > 180 > 110
isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90

Die in den USA veröffentlichten Richtlinien (JNC7-Report) unterscheiden sich nur geringfügig davon; So definieren sie etwa keine zusätzliche Stufe 3.[8]

Einteilung nach Organschäden (WHO)

Die Hypertonie lässt sich je nach Organschädigung von Gefäßen, Augen, Herz, Nieren etc. in nach den Empfehlungen der WHO in drei Grade einteilen:

  • Grad I: Hypertonie ohne Endorganschäden
  • Grad II: Hypertonie mit Endorganschäden (z. B. Fundus hypertonicus (Grad I und II), Plaquebildung in größeren Gefäßen)
  • Grad III: Hypertonie mit manifesten kardiovaskulären (Herz und Gefäßsystem betreffend) Folgeerkrankungen (z.B. Angina pectoris, Herzinfarkt, Hirninfarkt, pAVK)

Behandlung

Die Senkung des oberen Blutdruckwertes um durchschnittlich 12 mm Hg über 10 Jahre verhindert bei 11 behandelten Patienten einen Todesfall (Number needed to treat, NNT). Kaum jeder zweite Patient werde bei gegebener Hochdruck-Indikation therapiert.[9] Hochdruckpatienten werden laut einer snapshot-Umfrage des Berufsverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) weiterhin durch den Hausarzt unzureichend medikamentös versorgt. In der Einschätzung der Qualität ihrer Hochdrucktherapie verschätzten sich Hausärzte ebenso wie Kardiologen. In 60% der Fälle meinten sie „optimal eingestellt“, während dies nur bei 35% der Fälle tatsächlich der Fall war. Der Blutdruck sei nur bei einem Drittel der Patienten gut eingestellt gewesen, bei den Privatpatienten signifikant besser als bei den Kassenpatienten.[10]

Allgemeinmaßnahmen

Der Veränderung des Lebensstils kommt als Grundlage der Therapie eine wichtige Rolle zu. Das gilt gleichermaßen für Patienten vor Beginn einer medikamentösen Therapie und für solche, die bereits behandelt werden. Faktoren, die nachgewiesenerweise den Blutdruck und das kardiovaskuläre Risiko senken können, sind [7][8]:

  • Beendigung des Rauchens
  • Gewichtsreduktion
  • Verminderung des Alkoholkonsums
  • körperliche Bewegung/Sport
  • Reduktion des Kochsalzkonsums
  • gesunde Ernährung (Obst, Gemüse, wenig Fett)

Medikamentöse Therapie

Wenn andere Risikofaktoren (z. B. Diabetes mellitus) oder gar bereits Herz-Kreislauf-Krankheiten und Organschäden bestehen, sollte jedoch mit einer medikamentösen Behandlung nicht lange gewartet werden. Das gleiche gilt, wenn eine Änderung des Lebensstils nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat.

Die Leitlinie der Deutschen Hochdruckliga (s. u. Weblinks) enthält genaue Vorschläge zur Risikobestimmung beim konkreten Patienten. Beispielsweise sollte bei einem sonst völlig gesunden Nichtraucher erst Werte ab 160 mmHg systolisch mit Medikamenten behandelt werden, bei einem rauchenden Diabetiker bereits solche ab 130 mmHg. Die Behandlungsziele unterscheiden sich genauso, d. h. ein übergewichtiger Patient mit koronarer Herzkrankheit sollte unbedingt Werte unter 130/80 mmHg erreichen, ein Gesunder kann bei 140/85 eingestellt werden.

Für die medikamentöse Therapie kommen insbesondere folgende als Antihypertonika wirkende Substanzgruppen in Betracht:

Die Auswahl richtet sich nach dem Lebensalter und den Begleiterkrankungen des Betroffenen. Es gibt verschiedene Empfehlungen. Angestrebt werden aber möglichst einfache Schemata, in der Regel sollte nur ein Präparat verordnet werden.

Monotherapie

Bei der Monotherapie mit nur einem Präparat muss unter Umständen mehrmals das Präparat gewechselt werden, bis eines gefunden ist, auf welches der Patient gut anspricht und bei dem keine größeren Nebenwirkungen auftreten.

Für die Monotherapie eigenen sich Diuretika, Betablocker, Calciumantagonisten, AT1-Antagonisten und ACE-Hemmer (Mittel der ersten Wahl).

Tritt innerhalb von 1-3 Monaten kein Therapieerfolg ein, sollte zu einer Zweifachkombination übergegangen werden.

Zweifachkombination

  Die Zweifachkombination ist einer bis zur Maximaldosis gesteigerten Monotherapie überlegen (da sich die Wirkungen der verschiedenen Mittel oft potenzieren) und verringert die Nebenwirkungsrate. Daher geht man in der modernen Therapie der Hypertonie dazu über, eher frühzeitig Medikamentenkombinationen von zwei oder sogar drei Medikamenten zu verordnen.

Typische Zweifachkombinationen sind:

Reicht auch dies nicht, wird auf die Dreierkombination umgestiegen.

Dreifachkombination

Hier sind typisch:

Vasodilatator bedeutet hier: Calciumantagonist, ACE-Hemmer, AT1-Antagonist, Alphablocker oder Dihydralazin

Ultima ratio

Schlägt alles nicht an, kombiniert man ein stark wirksames Diuretikum mit dem Vasodilatator Minoxidil und einem Alphablocker. Diese Kombination ist praktisch immer wirksam, wird aber oft schlecht vertragen.

Zukünftiger Impfstoff

Schweizer Wissenschaftler gaben im Juni 2007 bekannt, dass sich der entwickelte Impfstoffkandidat CYT006-AngQb erfolgreich in einer klinischen Studie in Phase IIa befinde. CYT006-AngQb soll das Immunsystem des Patienten dazu bringen, eine spezifische, gegen Angiotensin II gerichtete Antikörperantwort zu induzieren. Angiotensin II ist ein körpereigenes Peptid und Teil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, einem wichtigen Blutdruckregulator. Angiotensin II ruft eine Verengung der Blutgefäße hervor, was zu einer Erhöhung des Blutdrucks führt. Durch die Bildung von Antikörpern solle die Bindung von Angiotensin II an seine Rezeptoren und die darauf folgende Gefäßverengung reduziert werden. Insbesondere morgendliche Blutdruckspitzen sollen durch die Behandlung vermieden werden. Die Bedeutung für die Praxis ist noch unklar, umfangreiche klinische Daten liegen noch nicht vor.[11]

Nicht-Medikamentöse Therapie

Von Bedeutung für die Prävention und begleitenden Therapie arteriosklerotisch bedingter Herz- und Gefäßerkrankungen ist die blutdrucksenkende Wirkung von der Aminosäure Arginin. Dieser Eiweißbaustein ist die direkte Ausgangssubstanz für den Neurotransmitter Stickstoffmonoxid (NO), der für die Endothelfunktion, Relaxation der Muskelschicht, zur Regulation des Gefäßtonus, Verringerung der Thrombozytenaggregation und die Proliferation von glatten Muskelzellen zuständig ist. Bluthochdruck geht oft mit einem Defekt des Arginin-NO-Stoffwechsels einher. Bei Hypertonikern, deren Blutdruck sich durch Enalapril (20mg) und Hydrochlorothiazid (12,5mg) nicht ganz normalisieren ließ, konnte durch eine zusätzliche Gabe von 3x2 g Arginin/d der Blutdruck weiter gesenkt werden[12].

Die blutdrucksenkende Wirkung von Arginin wurde in mehreren Studien dokumentiert[13][14]. Bei Patientinnen mit Preklampsie konnte durch eine Supplementierung mit 3g Arginin/d über 4 Wochen ein nebenwirkungsfreier Rückgang der Hypertonie erzielt werden[15]. Diverse andere Studien zeigen, dass bei Bluthochdruckpatienten eine Ergänzung der Ernährung mit 2-6 g Arginin/Tag sinnvoll sein kann, insbesondere wenn der Homocystein-Spiegel durch eine ausreichende Folsäure-Versorgung niedrig gehalten wird. Mit diesen ernährungsphysiologischen Mengen dieser Nährstoffe, ist eine langfristige Einnahme ohne Nebenwirkungen möglich.

  • siehe auch Herzkohärenz, die Synchronisierung von Herzschlag, Atmung und Blutdruck zur Verbesserung der Herzratenvariabilität, beispielsweise über biofeedback-gestützte, autodidaktisch zu trainierende Verfahren, begleitend zu einer Psychotherapie.

Siehe auch

Quellen

  1. Zitiert nach Hochdrucktherapie in Deutschland kurieren, Medical Tribune, 26. Januar 2007, S. 24
  2. Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (200) 102-108. Zitiert nach Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen. MMW-Fortschr. Med. Nr. 16 / 2007 (149. Jg.)
  3. DMW 131, 2006, 2580, zitiert nach Ärztezeitung, 22.11.2006, S. 1
  4. Nach Rump, Lars-Christian aus Ärzte-Zeitung, 26. November 2007, S. 4, Zielwerte für Blutdruck oft nicht erreicht.
  5. Versorgungslage unbefriedigend, MMM-Fortschr. Med Nr. 49-50/2007 8149. Jg.), S. 6, zitiert nach Rump, Lars-Christian, Präsident der Hochdruckliga- Tagung 2007 in Bochum
  6. WHO/ISH-Guidelines-Subcommittee: 1999 World Health Organization-International Society of Hypertension Guidelines for the Management of Hypertension. Guidelines Subcommittee. J Hypertens 17:151-183, 1999. PMID 10067786
  7. a b Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL - Deutsche Hypertonie Gesellschaft (2007)
  8. a b Chobanian AV et al: The Seventh Report of the Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure: the JNC 7 report. JAMA. 2003 May 21;289(19):2560-72. Erratum in: JAMA. 2003 Jul 9;290(2):197. PMID 12748199
  9. Zitiert nach Hochdrucktherapie in Deutschland kurieren. Medical Tribune, 26. Januar 2007, S. 24
  10. Zitiert nach Auch Kardiologe patzt beim Hypertonus. Medical Tribune, 26. Januar 2007, S. 11
  11. Deutsches Ärzteblatt: Hypertonie-Impfstoff verhindert morgendliche Blutdruckspitzen. 27. Juni 2007
  12. Pezza V, Bernardini F, Pezza E et al. : Study of supplemental oral L-arginine in hypertensives treated with enalapril and hydrochlorothiazide. American Journal of Hypertension: Journal of the American Society of Hypertension 11. 1998; 10:1267-1270
  13. Huynh N.T, Tayek J.A.: Oral arginine reduces systemic blood pressure in type 2 diabetes: its potential role in nitric oxide generation. Journal of American College of Nutrition 21. 2002; 5:422-427
  14. Kelly B.S., Alexander J.W., Dreyer D, et al.: Oral arginine improves blood pressure in renal transplant and hemodialysis patients. Journal of parental and enteral nutrition 25. 2001;4:194-202
  15. Rytlewski K, Olszanecki R, Korbut R et al. Effects of prolonged oral supplementation with L-arginine on blood pressure and nitric oxide synthesis in preclampsia. European Journal of Clinical Investigation. 2005; 35:32-37
  • AWMF-Leitlinien zur Hypertonie: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/046-001.htm

Literatur

  • Herbert Renz-Polster et al. [Hrsg]: Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2004, ISBN 3-437-41052-0
  • Ernst Mutschler: Arzneimittelwirkungen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; Auflage: 8., vollständig neubearbeitete und erweiterte Auflage (Januar 2001), ISBN 3804717632

Leitlinien

  • The Seventh Report of the Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure (JNC 7) Leitlinienportal des National High Blood Pressure Education Program der USA (engl.)
  • Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® 2007
  • Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e. V. – Deutsche Hypertonie Gesellschaft. Erstellungsdatum: November 2003
  • ESH-ESC Guidelines 2007 Leitlinien der European Society of Hypertension, Journal of Hypertension 2007, 25:1751–1762 (engl.)
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