12.04.2005 - Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Bundesministerin Edelgard Bulmahn: "Türen für Stammzellforschung offen lassen"

Mit der Stammzellforschung verbindet sich nach Ansicht von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn, "viel medizinisches Potenzial, doch viele wissenschaftliche Fragen sind noch offen. Sie müssen beantwortet werden, ehe sich zuverlässige Aussagen über den Einsatz stammzellbasierter Therapien treffen lassen", sagte die Ministerin auf dem internationalen Kongress "Biopolitik und Regenerative Medizin - Pro und Contra" in Berlin, den das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet hat.

"Das bedeutet allerdings, dass wir der Wissenschaft die verschiedenen Türen der Stammzellforschung offen lassen und Optionen nicht vorschnell aus der Hand nehmen dürfen", betonte sie. "Niemand kann heute bereits definitiv vorhersagen, ob es der Forschung eines Tages wirklich gelingt, mit Hilfe der embryonalen Stammzellen das Wissen zu gewinnen, das wir brauchen, um schwere Krankheiten zu heilen und unnötiges Leiden zu vermeiden. Die Chance können wir mit dem Stammzellgesetz nutzen, solange sichergestellt ist, dass die zur Verfügung stehenden Stammzelllinien für alle wissenschaftlich wichtigen Fagestellungen als ausreichend angesehen werden können. Sie betonte: "Wir müssen die weitere wissenschaftliche Entwicklung aufmerksam verfolgen und sorgfältig prüfen, ob und inwieweit neue Erkenntnisse zu neuen Abwägungen führen". Das betreffe auch die Möglichkeiten deutscher Forscher, sich an europäischen und internationalen Kooperationen zu beteiligen. Bisher dürfen Forscher in Deutschland nur mit humanen embryonalen Stammzellen (hES) aus Zelllinien arbeiten, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen worden sind. Sie machen sich nach dem Stammzellgesetz strafbar, wenn sie sich an hES-Forschungsprojekten im Ausland beteiligen, die im Inland verboten sind. Die Ministerin machte aber auch deutlich, dass die Innovationspotenziale der "regenerativen Medizin", zu der auch die Stammzellforschung zählt, nur dann ausgeschöpft werden können, wenn "ihre Produkte und Verfahren von der Gesellschaft angenommen, ja gewollt sind."

Brüssel berücksichtigt bei seiner Förderung von Forschungsprojekten die jeweiligen rechtlichen sowie ethischen Regelungen der EU-Mitgliedsländer, betonte der Direktor der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission, Dr. Octavi Quintana Trias. Die EU fördere bisher drei Forschungsprojekte mit humanen embryonalen Stammzellen. Zugleich wies er darauf hin, dass der private Sektor die Stammzellforschung immer stärker fördere. "Wir können diese Forschung aber nicht allein dem privaten Sektor überlassen, sonst verlieren wir die Kontrolle", warnte er. Ausgeschlossen von der EU-Förderung sind nach seinen Angaben reproduktives Klonen, Keimbahntherapie und die Erzeugung humaner Embryonen für Forschungszwecke.

Zu Beginn der Tagung am 7. April hatte MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier die hohen Erwartungen, die an die Stammzellforschung und ihre medizinische Anwendung geknüpft werden, als zum Teil überzogen bezeichnet. Er verwies darauf, dass die klinische Anwendung von nahezu allen bisher etablierten menschlichen embryonalen Stammzelllinien kritisch zu beurteilen sei, weil durch das Heranziehen auf Mauszellen und wegen der Verwendung von Nährmedien mit Zusätzen tierischer Seren die Stammzellen durch tierische Viren verunreinigt sein, oder unerwünschte Immunreaktionen bei Patienten auslösen können. "Damit entsteht die Frage nach einem rational begründeten Stichtag neu", betonte Prof. Birchmeier.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
Mehr über MDC
  • News

    Was ApoE4 fürs Gehirn so gefährlich macht

    Apolipoprotein E4 gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für eine Alzheimer-Erkrankung. Warum ApoE4 das Gehirn schädigt, hat nun eine Arbeitsgruppe um den MDC-Wissenschaftler Thomas Willnow herausgefunden. Apolipoprotein E (ApoE) ist so etwas wie ein Lieferservice für das menschliche ... mehr

    Phantastische Muskelproteine und wo sie zu finden sind

    Der Versuch, alle Proteine des Sarkomers, der kleinsten funktionellen Einheit von Muskelzellen, zu katalogisieren führte zu überraschenden Einsichten. Eine neue Studie in Nature Communications trägt dazu bei, die molekularen Grundlagen der Arbeit von Herz- und Skelettmuskeln besser zu verst ... mehr

    Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

    Nach mehr als 40 Jahren haben verschiedene Teams am MDC und ECRC nun den wissenschaftlichen Beweis mithilfe zweier Tiermodelle erbracht: Ein verändertes Gen für das Enzym PDE3A verursacht eine erbliche Form von Bluthochdruck. Das könnte die Therapie der Hypertonie grundlegend verändern. Auf ... mehr

  • Videos

    Wie beeinflusst die Genomstruktur die Entstehung von Krankheiten?

    Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind rund 1600 Menschen aus mehr als 50 Nationen beschäftigt, davon mehr als 350 Studierende. Forscher arbeiten in mehr als 60 unabhängigen Forschungsgruppen und einem Dutzend Technologieplattformen. Diese Se ... mehr

    Das MDC im Profil - Max Delbrück Center for Molecular Medicine

    Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch ist eines der größten und wichtigsten Zentren für Biomedizin in Deutschland. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft - der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands mit 18 Forschungszentren, die ein breites Spektru ... mehr

    DNA 60 | Epigenetik -- Wie Erfahrungen vererbt werden

    Vortrag auf dem "60 Jahre DNA" - Kongress für Lehrkräfte, Studierende, Schüler/innen und InteressierteDas Gen ist 100 geworden, und kaum einer hat es gemerkt. Über Jahrzehnte hat dieser Begriff wie kaum ein anderer das Bild der biologischen Wissenschaften in der Öffentlichkeit geprägt, nich ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

    Das Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC) ist eines der wichtigsten Zentren für biomedizinische Forschung. Das MDC wurde 1992 gegründet, um Ergebnisse der molekularen Forschung in Anwendungen bei der Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten zu überführen. Der Standort i ... mehr