Forscher nutzen Cyanobakterien für Produktion von Chemikalien

Chemische Prozesse nachhaltig gestalten

01.04.2016 - Deutschland

Bochumer Forscher haben Cyanobakterien so verändert, dass sie die Synthese wertvoller Feinchemikalien katalysieren. Die für die enzymatische Katalyse notwendige Energie produzieren die Mikroorganismen durch Fotosynthese selbst.

© RUB, Marquard

Prof. Dr. Robert Kourist (links) und Dr. Marc Nowaczyk sind sich sicher, dass ihre gentechnisch veränderten Cyanobakterien helfen werden, die chemische Industrie sauberer zu machen.

Ziel: Energieverbrauch verringern

Die chemische Industrie verbraucht enorme Mengen fossiler Energie und produziert gleichzeitig viel Abfall. Der Bedarf an neuen, umweltfreundlichen Prozessen und Produkten ist daher groß.

An der RUB forschen zwei Wissenschaftler an einem ressourcenschonenderen und damit nachhaltigeren Ansatz: Prof. Dr. Robert Kourist und Dr. Marc Nowaczyk ist es gelungen, Cyanobakterien gentechnisch so zu verändern, dass sie Enzyme produzieren, mit denen sich Chemikalien herstellen lassen. Die Energie, die sie zur Katalyse der Vorgänge benötigen, gewinnen die Bakterien direkt aus Sonnenlicht.

Die Sonne liefert die notwendige Energie

Um ihrer Funktion als Biokatalysatoren nachzukommen, benötigen viele Enzyme chemische Energie. Die muss man ihnen für gewöhnlich in Form von Zucker oder anderen energiereichen Verbindungen zuführen. Die Bochumer Forscher nutzen den Umstand aus, dass Cyanobakterien, ähnlich wie Pflanzen, Fotosynthese betreiben und auf diese Weise Sonnenlicht als Energiequelle heranziehen können. Die gentechnisch veränderten Mikroben sind in der Lage, die gewünschten Enzyme mit eben dieser Energie zu versorgen, was sie unabhängig von Zucker macht.

Keine unerwünschten Nebenprodukte

Für ihre Arbeit verwendeten die Bochumer Biologen erstmals gentechnisch veränderte lebende Cyanobakterien. „Besonders wichtig ist uns die Beobachtung, dass die Cyanobakterien in unseren Versuchen ausschließlich die Synthese der gewünschten Chemikalie katalysierten und damit selektiv arbeiteten“, so Marc Nowaczyk.

In vielen katalytischen Prozessen entsteht nicht nur ein Produkt, sondern noch ein spiegelbildliches. Das müssen die Forscher aufgrund seiner abweichenden biologischen Wirkung zunächst mühsam abtrennen. „Die ausgezeichnete Selektivität ist eine wichtige Voraussetzung für eine industrielle Nutzung“, erklärt Robert Kourist.

Breites Anwendungsspektrum

Die Versuche zeigten zudem, dass Enzyme aus anderen Organismen erfolgreich in Cyanobakterien eingeführt werden können. Damit kann das Verfahren für eine Vielzahl an Reaktionen eingesetzt werden.

„Die chemische Industrie muss noch sauberer werden“, formuliert Robert Kourist das große Ziel der Forscher. Die Fotosynthese für die Katalyse chemischer Reaktionen zu nutzen, sei ein vielversprechender Ansatz in diese Richtung.

Originalveröffentlichung

K. Köninger, A. Gomez-Baraibar, C. Mügge, C. Paul., F. Hollmann, M. Nowaczyk, R. Kourist; "Recombinant cyanobacteria as tools for asymmetric C=C bond reduction fueled by biocatalytic water oxidation"; Angewandte. Chemie; 2016

Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Meistgelesene News

Weitere News von unseren anderen Portalen

Zuletzt betrachtete Inhalte

Zwei von drei Startups wollen nicht in die Höhle der Löwen - Mehrheit der Gründer würde nicht an einer TV-Startup-Show teilnehmen

Zwei von drei Startups wollen nicht in die Höhle der Löwen - Mehrheit der Gründer würde nicht an einer TV-Startup-Show teilnehmen

Neue Biobatterien nutzen bakterielle Interaktionen zur wochenlangen Stromerzeugung - "Plug-and-Play"-Funktionen ermöglichen die Verkabelung von Batterien für mehr Leistung

Neue Biobatterien nutzen bakterielle Interaktionen zur wochenlangen Stromerzeugung - "Plug-and-Play"-Funktionen ermöglichen die Verkabelung von Batterien für mehr Leistung

Designzellen produzieren erneuerbare Energie - "CyanoFactory" als Wasserstoff-Lieferant der Zukunft

Designzellen produzieren erneuerbare Energie - "CyanoFactory" als Wasserstoff-Lieferant der Zukunft

Seltene Erden gegen Produktpiraterie - Neue Kennzeichnungstechnik könnte gefälschte Waren stoppen

Seltene Erden gegen Produktpiraterie - Neue Kennzeichnungstechnik könnte gefälschte Waren stoppen

Akte AETX: Das Adlergift-Mysterium wird weiter aufgeklärt - Wissenschaftler entwickeln Totalsynthese von toxischem Naturstoff

Akte AETX: Das Adlergift-Mysterium wird weiter aufgeklärt - Wissenschaftler entwickeln Totalsynthese von toxischem Naturstoff

Forscher filmen grundlegenden Lebensprozess - Studie gibt detailliertere Einblicke in die Entstehung der Ribosomen

Forscher filmen grundlegenden Lebensprozess - Studie gibt detailliertere Einblicke in die Entstehung der Ribosomen

Krebsmedikament aus umprogrammierter Hefe gebraut - Internationales Team hat nachgewiesen, dass künstlich hergestellte Hefezellen das wichtige Krebsmedikament Vinblastin synthetisch herstellen können

Krebsmedikament aus umprogrammierter Hefe gebraut - Internationales Team hat nachgewiesen, dass künstlich hergestellte Hefezellen das wichtige Krebsmedikament Vinblastin synthetisch herstellen können

Handschuhe mit doppelter Barrierefunktion und Perforationsindikator sollen Verletzungs- und Infektionsrisiko senken - Medizintechnik Startup Smarterials Technology schließt zweite Seed-Finanzierungsrunde erfolgreich ab

Handschuhe mit doppelter Barrierefunktion und Perforationsindikator sollen Verletzungs- und Infektionsrisiko senken - Medizintechnik Startup Smarterials Technology schließt zweite Seed-Finanzierungsrunde erfolgreich ab

„Startups ziehen die deutsche Wirtschaft nach vorn“ - Rekordjahr: Startup-Gründungen legen um rund ein Drittel zu

„Startups ziehen die deutsche Wirtschaft nach vorn“ - Rekordjahr: Startup-Gründungen legen um rund ein Drittel zu

High-Tech Gründerfonds investiert in Ausgründung von Freier Universität Berlin und Charité

Neuer Wirkstoff gegen Erbrechen durch Kohlenstoff-Silicium-Tausch