23.06.2022 - European Patent Office (EPO) / Europäisches Patentamt (EPA)

Entwicklerinnen von Krebsimpfstoffen sind Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2022

Vielversprechende medizinische Plattform zur Herstellung therapeutischer Impfstoffe gegen Krebszellen im Körper

Das Europäische Patentamt (EPA) hat die Schweizer Biotechnologin Madiha Derouazi und die französische Immunologin Elodie Belnoue mit dem Europäischen Erfinderpreis 2022 in der Kategorie "KMU" ausgezeichnet. Die beiden haben eine Plattform zur Herstellung von Impfstoffen mit dem Namen KISIMA entwickelt, mit der diese für die Behandlung verschiedener Krebsarten hergestellt werden können und die neue Hoffnung im Kampf gegen die Krankheit bietet.

„Diese bemerkenswerte Erfindung hat das Potenzial, viele Leben zu retten", sagt EPA-Präsident António Campinos. „Es schien lange Zeit unmöglich, aber Madiha Derouazi und Elodie Belnoue haben mit Einfallsreichtum und Beharrlichkeit einen neuen Weg zur Behandlung von Krebs geschaffen."

Das schweizerisch-französische Team wurde bei der Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2022 geehrt, einer hybriden Veranstaltung, die von einem weltweiten Publikum online verfolgt wurde. Der Preis ist einer der renommiertesten Innovationspreise Europas und wird jährlich an herausragende Erfinder aus Europa und darüber hinaus verliehen, die einen außergewöhnlichen Beitrag zur Gesellschaft, zum technischen Fortschritt und zum Wirtschaftswachstum geleistet haben.

Impfstoffe zur Krebsbekämpfung

Während viele Impfstoffe zur Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt werden, kommen therapeutische Impfstoffe bei der Behandlung bereits ausgebrochener Krankheiten zum Einsatz. Krebserkrankungen unterdrücken häufig die körpereigene Immunreaktion. Die Aufgabe eines therapeutischen Krebsimpfstoffs besteht daher darin, das Immunsystem dabei zu unterstützen, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Bisherige Versuche, Krebsimpfstoffe zu entwickeln, riefen jedoch entweder keine starke Immunreaktion hervor, oder die Impfstoffe waren nur bei einigen wenigen Patienten wirksam.

Die Erfindung von Derouazi und Belnoue vereint drei wesentliche Bestandteile eines Impfstoffs in einem einzigen Protein, so dass die Plattform zur Herstellung von Impfstoffen verschiedener Krebsarten verwendet werden kann. Sie sind für den Einsatz neben Behandlungen wie Chirurgie, Chemotherapie und Strahlentherapie vorgesehen.

Derouazi, Belnoue und ihr Team nutzen nun die KISIMA-Plattform zur Herstellung ihres ersten Impfstoffs, der metastasierenden Darmkrebs behandeln soll. Der Impfstoff befindet sich derzeit in einem frühen Stadium der Erprobung am Menschen, wobei dieser sowohl allein als auch in Kombination mit immunstärkenden Medikamenten an Patienten getestet wird.

Die Versuche sind ein großer Schritt für Derouazi, die sich erstmals während ihrer Postdoc-Zeit mit Krebsimpfstoffen beschäftigte. Sie meldete 2012 ein Patent für die Plattform an, als sie an der Universität Genf arbeitete, und gründete das Spin-out-Unternehmen AMAL Therapeutics, um sie zu entwickeln und zu vermarkten. Belnoue war ihre erste Mitarbeiterin. Im Juli 2019 erwarb das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim AMAL Therapeutics für 425 Millionen Euro, seinerzeit der größte Verkauf eines Biotech-Unternehmens in Europa.

Für Derouazi standen bei ihrer Forschung immer die Patienten im Mittelpunkt. „Der wichtigste Moment in meinem persönlichen Leben, aber auch für AMAL Therapeutics und das gesamte Team war der 30. Juli 2019, als der erste Patient mit unserem Impfstoff behandelt wurde. Wir erhielten um 22 Uhr eine SMS mit der Nachricht, dass der Patient behandelt worden war, und ich habe geweint. "AMAL" bedeutet "Hoffnung" auf Arabisch, und das ist es, was wir den Krebspatienten bringen möchten."

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