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Unterschenkel



  Der Unterschenkel (lat. crus) ist ein Teil des Beines und befindet sich zwischen Fuß und Knie.

Weiteres empfehlenswertes Fachwissen

Inhaltsverzeichnis

Knochen

Der Unterschenkel (lat. crus) besitzt zwei knöcherne Strukturen, Tibia (Schienbein) und Fibula (Wadenbein). Diese sind proximal durch die Amphiarthrose und distal durch die Syndesmosis tibiofibularis miteinander verbunden. Zwischen ihnen verläuft die Membrana interossea.

Angrenzende Gelenke

Beim Gelenk zwischen Knie und Unterschenkel (dem Kniegelenk) handelt es sich um ein Scharniergelenk, die Gelenkflächen sind die Kondylen des Femur (Oberschenkelknochen) und der Tibia. Das Gelenk zwischen Unterschenkel und Fuß (Oberes Sprunggelenk) ist gleichfalls ein Scharniergelenk.

Muskeln

Die Muskeln des Unterschenkels werden nach ihrer Funktion zusammengefasst und in vier Gruppen unterteilt:

  • die Extensoren, das ist die seitlich-vordere (ventrolaterale) Gruppe der Streckmuskeln
  • die Wadenbeinmuskeln (Musculus peronaeus longus und Musculus peronaeus brevis) an der äußeren (lateralen) Seite des Unterschenkels im Bereich des Wadenbeines.
  • die oberflächlichen Flexoren in einer oberflächlichen Schicht auf der Unterschenkelrückseite
  • die tiefen Flexoren in einer tiefen Schicht auf der Unterschenkelrückseite
Muskeln des Unterschenkels
Extensoren (seitlich vorne)
     
Musculus tibialis anterior
Musculus extensor digitorum longus
Musculus extensor digitorum brevis
Musculus peronaeus tertius
Musculus extensor hallucis longus
Wadenbeinmuskeln (seitlich)
Musculus peronaeus longus
Musculus peronaeus brevis
Hintere Muskeln
Oberflächliche Flexoren
Musculus gastrocnemius
Musculus soleus
Musculus plantaris
Tiefe Flexoren
Musculus popliteus
Musculus tibialis posterior
Musculus flexor digitorum longus
Musculus flexor hallucis longus

Bei vierfüßigen Säugetieren liegt zwischen den Köpfen des Gastrocnemius noch der Musculus flexor digitorum pedis superficialis (oberflächlicher Zehenbeuger des Fußes).

Logen, Faszien, und Kompartmentsyndrom

Der gesamte Unterschenkel wird durch eine bindegewebige Haut, die Unterschenkelfaszie (Fascia cruris) umschlossen. Die einzelnen Gruppen der Muskeln werden durch derbe und nicht dehnbare Faszien umschlossen und voneinander getrennt. An dieser Trennung der Muskelgruppen ist auch die Zwischenknochenmembran (Membrana interossea cruris) zwischen Schien- und Wadenbein beteiligt. Die Zwischenknochenmembran ist eine Haut zwischen Schien- und Wadenbein (eine Syndesmosis). Ebenso ist an der Trennung die Lamina profunda (tiefes Blatt) der Unterschenkelfaszie beteiligt, die tiefe und oberflächliche Flexoren voneinander trennt.

Durch die Trennung der Muskelgruppen voneinander ergeben sich sogenannten Muskellogen, auch Kompartimente genannt, in denen Muskeln mit zusammengehörender Funktion zusammengefasst werden. Jedes Kompartiment ist durch eine umgebende Bindegewebshaut von benachbarten Kompartimenten abgetrennt und bildet mit ihrem Inhalt einen fast vollständig in sich abgeschlossenen Raum.

Entsprechend den Muskelgruppen gibt es im Unterschenkel die folgenden Logen (Kompartimente):

  • die Extensorenloge (vorderes Kompartiment, manchmal auch Tibialis-anterior-Loge genannt)
  • die Peronaeusloge (laterales Kompartiment oder Fibularisloge)
  • die oberflächliche Flexorenloge (oberflächliches hinteres Kompartiment)
  • die tiefe Flexorenloge (tiefes hinteres Kompartiment)

Die Faszien um die Logen herum haben die Wirkung einer Kompression und begrenzen dadurch Schwellungen. Nach Unterschenkelverletzungen kann es aber auch zu Einblutungen in eine Muskelloge kommen. Die derben Bindegewebshäute können sich nicht ausdehnen, so dass sich der Druck in der Loge stark erhöht. Als Folge können sogar Blutgefäße, die die Logen versorgen, durch den Druck abgedrückt werden. Diese Erscheinung wird als Kompartmentsyndrom bezeichnet. Wird nicht schnell genug gehandelt, so sterben die Muskeln ab. Im Falle eines Kompartmentsyndroms muss schnell gehandelt werden. Die Loge muss eröffnet und die Faszie weit aufgeschnitten werden, damit das überschüssige Blut abfließen kann. Irreparable Schäden können u. a. in Kontrakturen des vernarbten Muskelgewebes bestehen.

Auch nach einer starken Überbelastung z. B. im Sport bei einem ungewohnten Langstreckenlauf verbunden mit ungeeigneten, zu harten Schuhen kann es zu einem Kompartmentsyndrom kommen. Auch zu fest angelegte Verbände können eine solche Wirkung haben.

Die Symptome sind Schmerzen, Rötungen, Schwellung, Funktionsverluste und Gefühlsstörungen. Wird nicht schnell genug gehandelt, so führt das zu irreparablen Schäden. Prophylaktisch sollten bei Frakturen zur Vermeidung eines Kompartmentsyndroms die Beine hoch gelagert werden. Besonders häufig ist die Schädigung der vorne am Bein liegenden Extensorenloge, auch als Tibialis-anterior-Syndrom bezeichnet. Ähnliche Probleme kann es auch in der Unterarmmuskulatur geben.

Arterien

In der Kniebeuge teilt sich die Arteria poplitea (Kniebeugenarterie) in die

  • Arteria tibialis anterior (vordere Arterie des Schienbeins, bei Tieren als Arteria tibialis cranialis bezeichnet) und die
  • Arteria tibialis posterior (hintere Arterie des Schienbeins, bei Tieren als Arteria tibialis caudalis bezeichnet).

Der Arteria tibialis anterior (cranialis) entspringt die Arteria recurrens tibialis anterior (vordere zurücklaufende Arterie des Schienbeins), die wieder zum Knie aufsteigt, und die Arteriae malleolaris anterior medialis et lateralis (innere und äußere vorderen Arterien des Knöchels). Schließlich endet sie in der Arteria dorsalis pedis (Arterie des Fußrückens).

Aus der Arteria tibialis posterior (caudalis) entspringt die Arteria fibularis (Arterie des Wadenbeins), die Arteria plantaris medialis (innere Fußsohlenarterie) und die Arteria plantaris lateralis (äußere Fußsohlenarterie).

Venen

Oberflächliche Venen

Im Unterschenkel befindet sich zum einen die Vena saphena magna (große verborgene Vene, bei Tieren auch als Vena saphena medialis bezeichnet), die vom Fuß aus vor dem inneren Knöchel, dann medial zur Tibia und schließlich hinter dem Condylus medialis tibiae (innerer Gelenkkopf der Tibia) in den Oberschenkel übergeht.

Die Vena saphena parva (kleine verborgene Vene, bei Tieren auch als Vena saphena lateralis bezeichnet) verläuft hinter dem äußeren Knöchel, dann hinten in Wadenmitte im Unterhautfettgewebe entlang und ergießt sich schließlich in die Vena poplitea (Kniebeugenvene). Die Vena saphena parva wird bei Fleischfressern (Hund, Katze) häufig zur Blutentnahme oder intravenösen Injektion genutzt.

Tiefe Venen

In der Wade verlaufen zwischen den Muskeln eine Reihe von tiefen Venen. Sie sind funktionell wichtiger als die oberflächlichen Venen. Sie begleiten in der Regel die Arterien und sind dabei oft als 2 oder 3 Begleitgefäße um die Venen angelegt. Man teilt sie entsprechend den Arterien in die Venen

  • der Tibialis posterior Gruppe
  • der Tibialis anterior Gruppe
  • der Fibularis Gruppe

ein. Vor allem die Venen der Tibialis posterior Gruppe sind nicht selten von tiefen Beinvenenthrombosen betroffen.

Nerven

In der Kniekehle teilt sich der Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) in den Nervus peroneus communis (gemeinsamer Wadenbeinnerv) und den Nervus tibialis (Schienbeinnerv).

Der Nervus peroneus communis teilt sich wiederum in den Nervus peroneus profundus (tiefer Wadenbeinnerv) und den Nervus peroneus superficialis (oberflächlicher Wadenbeinnerv). Der Nervus tibialis teilt sich erst am Fuß auf.

Siehe auch

 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Unterschenkel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
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