15.02.2021 - Universität Leipzig

Corona-Test aus dem Koffer

Ein mobiles Labor zur Schnellerkennung von SARS-CoV-2

Das Maß der Dinge zur Erkennung von SARS-CoV-2 ist der PCR-Test. Doch valide Ergebnisse liegen oft erst nach Tagen vor. Dazu muss das Labor gut ausgestattet, das Personal geschult und finanzielle Ressourcen vorhanden sein. All das ist in Afrika meist ein Problem. Ein mobiler Koffer könnte helfen. In Zusammenarbeit mit mehreren afrikanischen Universitäten haben Wissenschaftler der Universität Leipzig festgestellt, dass dieses Minilabor ähnlich gute Testergebnisse liefert wie ein PCR-Test. Allerdings fast in Echtzeit. Ihre Daten haben die Forscher in der Fachzeitschrift „Analytical Chemistry“ veröffentlicht.

Der handliche Koffer könnte schnelle Corona-Ergebnisse in Regionen Afrikas liefern, die nicht annähernd über europäische Testmöglichkeiten und eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügen. Der Koffer ist ein kleines, mobiles Labor: Mit einem Diagnostikgerät, Solarpanel sowie Netzgerät ausgestattet, dazu diversen Reagenzien, etwas RNA-Extraktion und Gummihandschuhen. „Mit diesen Utensilien kann direkt vor Ort, auch in den abgelegensten Gebieten, ein sogenannter RPA-Test gemacht werden. Das Ergebnis liegt nach nur 15 Minuten vor“, erklärt Virologe Dr. Ahmed Abd El Wahed vom Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen, der die Studie an der Universität Leipzig leitet.

Infizierte können so schneller erkannt und isoliert werden. Eine wichtige und lebensrettende Maßnahme in Ländern, die wohl noch lange auf Impfstoffe warten müssen und derzeit vor allem über Tests das Covid-Geschehen in den Griff bekommen können. In der ersten Studie an der Universität Leipzig konnte mittels Genomanalyse (RPA-Methode, Recombinase-polymerase Amplification) mit einer Genauigkeit von 94 Prozent quasi in Echtzeit eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt werden. „Für den Test reicht eine Speichelprobe oder eine Entnahme mit dem Nasentupfer, alle Reagenzien sind bei Raumtemperatur einsetzbar“, erklärt Dr. Abd El Wahed die einfache Funktionalität des mobilen Koffers.

Kofferlabor bereits erfolgreich bei Ebola im Einsatz

Die Methode, die nun bei Covid-Tests genutzt werden soll, wurde bereits erfolgreich für verschiedene andere Infektionskrankheiten evaluiert. Unter anderem auch bei Ebola-Ausbrüchen in Westafrika, etwa in Guinea 2015. Im aktuellen SARS-CoV-2 Geschehen wird der Koffer schon in Ghana, Senegal und Ägypten getestet, dazu in weiteren fünf afrikanischen Ländern (Madagaskar, Nigeria, Sudan, Uganda, DR Kongo) eingesetzt. Das soll nun in weiteren Studien evaluiert werden.

Konkret soll die exakte Leistung der entwickelten SARS-CoV-2 RPA-Tests ermittelt und mit PCR-Tests verglichen werden. Sind die Ergebnisse vergleichbar, was die ersten Testreihen bestätigen, könnte das Kofferlabor zur Ermittlung von SARS-CoV-2 bald verstärkt im klinischen Feld eingesetzt werden.

Die Studie wird mit 500.000 Euro von der „Partnerschaft für klinische Studien in Europa und den Entwicklungsländern (EDCTP)“ unterstützt und läuft noch bis September 2021. Die EDCTP ist eine öffentliche Partnerschaft zwischen Ländern in Europa und Afrika südlich der Sahara, die von der Europäischen Union gefördert wird. Sie soll die klinische Entwicklung neuer oder verbesserter Arzneimittel zur Identifizierung, Behandlung und Prävention armutsbedingter Infektionskrankheiten beschleunigen.

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • Covid-19
  • Echtzeitanalytik
  • Recombinase-polymer…
Mehr über Uni Leipzig
  • News

    Krebszellen verflüssigen sich und quetschen sich durchs Gewebe

    Wissenschaftlern der Universität Leipzig ist in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Deutschland und den USA ein Durchbruch in der Forschung zur Verbreitung von Krebszellen gelungen. Die Biophysiker um Prof. Dr. Josef Alfons Käs, Steffen Grosser und Jürgen Lippoldt konnten in Experimenten erstma ... mehr

    Weniger klebrige Zellen werden krebsartiger

    Forscher der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Deutschland, Italien und den Niederlanden die Struktur von Tumorgewebe sowie das Verhalten von Tumorzellen eingehend untersucht und dabei wichtige Erkenntnisse erlangt, die in Zukunft Diagnose und Therapie von Krebser ... mehr

    Bakterien aus dem Fettgewebe führen zu Entzündungen

    Forscher der Universitätsmedizin Leipzig fanden in ihren Untersuchungen im Fettgewebe lebendige Bakterien und bakterielles Erbgut (DNA), die zu Entzündungen führen können. Je mehr bakterielle DNA im Fett vorhanden sind, umso höher sind die Entzündungswerte und damit auch die Wahrscheinlichk ... mehr

  • Forschungsinstitute

    Translationszentrum für Regenerative Medizin

    Das Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM) Leipzig entwickelt neuartige Diagnostik- und Therapieverfahren für die regenerative Medizin und überträgt diese in die medizinische Praxis. Das interdisziplinäre Forschungsspektrum reicht von neuen Behandlungsoptionen für neurologische ... mehr