19.08.2020 - Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Immunreaktion gegen Sars-Cov-2 nach Organtransplantation

Auch Patienten mit unterdrücktem Immunsystem können eine gute Abwehrreaktion gegen Sars-Cov-2 erzielen: Ein Test hilft, die Therapie nach einer Infektion anzupassen

Ein Forschungsteam des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat einen Test entwickelt, der Aufschluss über die Immunreaktion auf das neuartige Coronavirus bei Patienten gibt, die immununterdrückende Medikamente einnehmen müssen. Das ist zum Beispiel nach einer Organtransplantation notwendig. „Wir konnten belegen, dass diese Patienten trotz Immunsuppression eine gute Immunantwort auf Sars-Cov-2 erzielen können“, sagt Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für Translationale Medizin am Marien-Hospital Herne. Die immununterdrückende Therapie kann mithilfe des Tests während einer Covid-19-Erkrankung individuell angepasst werden.

Organtransplantierte tragen doppelt hohes Risiko

Chronisch Kranke und Patienten mit gestörter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Transplantierte sind dabei in mehrfacher Hinsicht betroffen: Neben der chronischen Erkrankung, die zum Organversagen und der nachfolgenden Transplantation geführt hat, müssen transplantierte Patienten Medikamente einnehmen, die die Abwehrfähigkeit des eigenen Immunsystems unterdrücken.

„Diese Immunsuppressiva sind notwendig, um zu verhindern, dass der Körper transplantierte Organe abstößt. Sie können jedoch dazu führen, dass Virusinfektionen gehäuft auftreten“, erklärt Nina Babel, die gemeinsam mit Prof. Dr. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I am Marien-Hospital Herne, das Team geleitet hat, zu dem unter anderen auch Forscher der Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der RUB sowie der Chirurgischen Klinik des Knappschaftskrankenhauses Langendreer gehörten. „Bisher war nicht bekannt, ob unsere transplantierten Patienten in der Lage sind, eine ausreichende Immunantwort gegen das neue Coronavirus auszubilden“, betont Timm Westhoff.

Immunantwort trotz unterdrückender Medikamente

Das Team konnte mithilfe des im Immundiagnostiklabor des Marien-Hospitals etablierten Tests demonstrieren, dass transplantierte Patienten sehr wohl in der Lage sind, trotz der Immunsuppression eine gute Immunantwort zu erzielen. Neben hohen Antikörper-Titern waren in der aktuell berichteten Fallstudie insbesondere T-Lymphozyten in großer Menge nachweisbar, die für das Abtöten infizierter Zellen zuständig sind.

Der Test ist für Transplantierte von großer klinischer Relevanz: Die daraus ablesbaren Informationen gehen über einen reinen Antikörpertest deutlich hinaus. „Die gewonnenen Daten helfen uns im Umgang mit Immunsuppression während der aktuellen Pandemie", unterstreicht Timm Westhoff. „Der Test ermöglicht es uns, die Immunsuppression während einer Covid-19-Erkrankung individuell anzupassen."

Fakten, Hintergründe, Dossiers
  • SARS-CoV-2
  • Covid-19
  • Immunsuppression
Mehr über Ruhr-Universität Bochum
  • News

    Kleine Helfer machen Wertstoffe aus Abfall

    Bakterien sollen Abfallstoffe nicht nur zu wertvollen Chemikalien umbauen, sondern daraus auch noch die Energie dafür schöpfen. Schließlich können sie selbst für weitere Prozesse wiederverwendet werden. Diese Vision treibt Prof. Dr. Dirk Tischler an, der an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ... mehr

    Tumore finden und dabei gleich angreifen

    Die Kombination aus einem Biomolekül und einem Metallkomplex kann Krebszellen gezielt aufsuchen, binden, markieren und schädigen. Ein solches sogenanntes Theranostikum, das Tumorzellen durch die Bestrahlung mit sichtbarem Licht erkennbar macht, konnte ein deutsch-spanisches Team herstellen ... mehr

    Schwerer Covid-19-Verlauf trotz oder sogar wegen zu starker Immunität

    Schwerkranke haben eine ähnliche oder sogar stärkere Immunität gegen das Virus als Genesene. Das stützt die These, dass eine überschießende Immunreaktion an schweren Verläufen beteiligt ist. Das gefürchtete Lungenversagen bei schweren Verläufen von Covid-19 entsteht nicht durch eine zu schw ... mehr