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Wie Krebs um sich greift - und was dagegen getan wird

30.11.2016

(dpa) Politiker Peter Hinze und Moderatorin Miriam Pielhau, Popstar David Bowie und «Harry-Potter»-Star Alan Rickman: 2016 scheint über Ländergrenzen hinweg ein Jahr der Krebs-Tode zu sein. Zeit, sich daran zu gewöhnen? Experten am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin haben Bundesländer-Daten zum Vorkommen zusammengetragen und einen übergreifenden Bericht zum Krebsgeschehen geschrieben. Der 270-Seiten-Report ist am Dienstag vorgestellt worden. Einige Details daraus:

Erkranken und sterben mehr Menschen an Krebs?

Ja und ja. Das Erkrankungsrisiko nimmt bei vielen Krebsarten mit zunehmendem Alter zu - damit steigen in der älter werdenden Gesellschaft Deutschlands die Fallzahlen. Es gab zuletzt fast doppelt so viele Neuerkrankungen wie 1970: Rund 253.000 Männer und 230.000 Frauen bekamen 2013 Krebs-Diagnosen. Während 1980 noch 193.000 Menschen an Krebsfolgen starben, waren es 2013 knapp 223.000. Dabei gibt es regionale Unterschiede: Baden-Württemberg hat bei beiden Geschlechtern die niedrigste Krebssterblichkeit. Es gibt Bundesländer, deren Werte je nach Geschlecht 25 beziehungsweise 35 Prozent höher liegen.

Woran liegt das?

Vermutlich an einer gesünderen Lebensweise im Südwesten, wie Andreas Stang sagte. Er ist Beiratsvorsitzender des Zentrums für Krebsregisterdaten, an dem der Bericht verfasst wurde. Baden-Württemberg sei wirtschaftlich stark, nur wenige Menschen seien arbeitslos. Solche Umstände machten sich im Lebensstil bemerkbar.

Welcher Lebensstil hilft denn bei der Krebs-Vorbeugung?

Viele Krebsfälle gelten als vermeidbar - 30 Prozent weltweit werden angenommen. Als ungesund und damit auch krebsförderlich gelten Rauchen und Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel. Beim Essen beobachten die Fachleute, dass die Deutschen zu wenig Obst und Gemüse essen, aber zu viel rotes Fleisch. Vorbeugen lasse sich zudem mit Schutzimpfungen gegen Humane Papillomviren (HPV) und Hepatitis B. 

Wie geht es Betroffenen nach der Erkrankung?

Menschen, die an Krebs sterben, werden heute im Mittel etwa 74 Jahre alt - sie leben damit vier Jahre länger als Betroffene 1980. Über die Lebensqualität dabei haben die RKI-Experten bisher nur wenige Informationen. Bei Brustkrebs-Patientinnen zum Beispiel sei bekannt, dass sie noch lange chronisch erschöpft sind. Angesichts einer erwarteten Zunahme der Fälle bei höherer Lebenserwartung ist die Lebensqualität ein wichtiges Kriterium künftiger Behandlungen. «Wir müssen uns auch darum kümmern, dass Erkrankte ein gutes, lebenswertes Leben führen können», appellierte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

Haben alle Patienten eine höhere Lebenserwartung?

Die Aussichten unterscheiden sich von Krebsart zu Krebsart. Im Bericht sind insbesondere Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs als Formen genannt, bei denen sich bisher keine Verbesserungen abzeichnen. Stattdessen: steigende Fallzahlen und kaum veränderte Sterblichkeitsraten. Die Behandlungsergebnisse hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten «nicht entscheidend verbessert», hieß es. Auch allgemein betonten die Experten: Weder mit Prävention noch mit Medizin-Fortschritt wird Krebs in absehbarer Zeit gänzlich beizukommen sein.

Was bringt Früherkennung? 

«Derzeit haben nur Untersuchungen zur Früherkennung von Darm- und Gebärmutterhalskrebs das Potenzial, [...] das Risiko einer Krebserkrankung deutlich zu verringern», schreiben die Experten. Es ist geplant, dass Versicherte in Zukunft persönlich zur Früherkennung dieser beiden Krebsarten eingeladen werden, sagte Gröhe.

Was sagt der Bericht über die umstrittene Mammografie?

Über die zwischen 2005 und 2009 flächendeckend eingeführten Reihenuntersuchungen gibt es noch kein endgültiges Urteil. Die Experten formulieren zurückhaltend: Es sei ein «erster Hinweis für einen positiven Effekt», dass Tumore in der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen durch das Screening in einem früheren und kleineren Stadium entdeckt werden als vor Beginn des Screenings. Eine Frage bleibt, ob die Vorteile der Brust-Untersuchung das Risiko überwiegen, vorwiegend gesunde Frauen überhaupt Röntgenstrahlung auszusetzen.

Was unternimmt die Politik, um Krebs zu bekämpfen? 

Berichte wie der am Dienstag vorgestellte sollen zunächst einmal helfen, die richtigen Stellschrauben für die Bekämpfung zu finden. Heute stehen bereits deutlich mehr und bessere Daten zur Verfügung als noch vor Jahren. Aber es gibt noch Lücken: Sogenannte klinische Krebsregister in den Bundesländern sollen ab Ende 2017 flächendeckend Aufschluss über den Ablauf von Behandlungen bringen.

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