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14.05.2012: Wo Termine, Schicht- und Stundenpläne den Takt vorgeben, kommt die innere Uhr oft nicht mit: Der „soziale Jetlag“, der die Bedürfnisse des Körpers ignoriert, kann krank machen - und wohl auch dick, wie eine neue LMU-Studie jetzt zeigt.

Drei Uhren bestimmen das Leben des Menschen: Die innere Uhr lässt fast alle Prozesse im Körper in einem rund 24 Stunden dauernden Rhythmus ablaufen. Mit der „äußeren Uhr“ des Tag-Nacht-Wechsels wird sie über „Zeitgeber“ wie das Sonnenlicht synchronisiert. Die „soziale Uhr“ dagegen hat wenig mit natürlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten zu tun. Ihr Takt folgt Stunden- und Schichtplänen sowie einer Vielzahl anderer Termine - und kommt selten ohne Wecker aus.

„Wir schätzen, dass bis zu 80 Prozent der Populationen in den westlichen Ländern unter einer Diskrepanz zwischen der inneren Uhr und den Anforderungen aus frühem Schulbeginn, Arbeit und auch Freizeitstress leiden“, sagt der LMU-Chronobiologe Professor Till Roenneberg, der dafür den Begriff „sozialer Jetlag“ prägte. Läuft der Lebensstil dauerhaft gegen die innere Uhr, drohen schwere Erkrankungen, darunter Bluthochdruck und sogar Krebs.

Rundherum müde

Ein Team um Roenneberg hat nun gezeigt, dass „sozialer Jetlag“ zu einem weiteren Gesundheitsproblem beiträgt, das vor allem in den westlichen Staaten auf dem Vormarsch ist: Übergewicht und Fettleibigkeit. Auch hier drohen den Betroffenen schwere Stoffwechselstörungen, etwa Diabetes. Neben einem Überangebot an energiereicher Nahrung tragen viele Faktoren zu einem Übergewicht bei, darunter auch Schlafmangel: Wer zu wenig schläft, hat ein gestörtes Hungerfühl und isst oft zu viel.

Doch nicht nur die Schlafdauer ist hier wichtig. Wie die LMU-Forscher zeigen konnten, ist auch sozialer Jetlag mit einem erhöhten Body-Mass-Index assoziiert. Dieser Wert errechnet sich aus der Größe und dem Gewicht eines Menschen. Liegt er über einem nach Alter und Geschlecht festgelegten Wert, gilt er als Anzeichen für Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit. Insgesamt zeigt das Ergebnis, dass ein Lebensstil gegen die innere Uhr zur Entstehung von Übergewicht und Fettleibigkeit beitragen kann.

Verschärft wird das Problem dadurch, dass sich der soziale Jetlag als Phänomen sogar verschärft, was möglicherweise auf eine allgemeine Verkürzung der Schlafdauer zurückzuführen ist. „Unser Ergebnis sollte auch in die aktuelle Diskussion zur Notwendigkeit einer Zeitumstellung einfließen“, sagt Roenneberg. „Sie unterwirft die Menschen ebenso einem sozialen Jetlag wie Schul- und Arbeitszeiten, die die innere Uhr der meisten Betroffenen aus dem Gleichgewicht bringen.“

Die Daten für die vorliegende epidemiologische Studie stammen aus dem „Munich ChronoType Questionnaire“. Der im Internet frei zugängliche Fragebogen wurde mittlerweile von mehr als 130.000 Menschen ausgefüllt, die darin detaillierte Angaben zu ihren Schlaf- und sonstigen Gewohnheiten machten, getrennt nach Arbeits- und freien Tagen.

Originalveröffentlichung:
Till Roennebergsend, Karla V. Allebrandt, Martha Merrow, Céline Vetter; Social Jetlag and Obesity; Current Biology, 10 May 2012

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